Zusammen mit der Natur schaffen
Hochwasserschutz, Naherholungsgebiet und Lebensraum für Flora und Fauna - das Revitalisierungsprojekt am Furtbach ist abgeschlossen.
Vom oberen Katzensee fliesst der Furtbach auf einer Länge von rund 13 Kilometern in die Limmat. Zwischen Hüttikon ZH und Würenlos AG bildet er dabei sogar kurz die Kantonsgrenze. Die historische Begradigung des Furtbachs zugunsten der Landwirtschaft schadete allerdings dem Gewässer selbst.
In den vergangenen 18 Monaten wurde ein umfassendes Bauprojekt umgesetzt, das dem Gewässer und damit der Natur wieder mehr Raum geben soll. Zumindest auf einer Strecke von 1,5 Kilometern, die sich zu 30 Prozent im Kanton Zürich und zu 70 Prozent im Kanton Aargau befindet. Von den Gesamtkosten von rund 4,8 Millionen Franken übernimmt der Bund 70 Prozent.
Leitlinien für die Natur
«Von der Wirkung her ist es ein sensationelles Projekt», erklärt Projektleiter Leonardo Rumpf vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau. Die Aufweitung des Bachs erfolgte mit einer starken Verzahnung mit dem Umland. Mit vielen Holzelementen orientierte man sich an den natürlichen Strukturen, mit dem Ziel, die Natur wiederherzustellen.
«Die Natur unterstützt das, was wir vorgeben», erläutert Rumpf die Planung. Im Vorfeld wurde mit Berechnungen analysiert, wo das Wasser bei verschiedenen Pegelständen fliesst. Anschliessend, wie gross die natürlichen Strukturen sein müssen und wo sie am besten platziert werden. «Man sieht beim Bau, wie stark die Strukturen das Wasser ablenken.» Allerdings möchte man nicht alles vorgeben, der Natur Spielraum lassen. Durchaus ein Spagat für die Planenden.
Farne geben Unterschlupf
Dort, wo die Bauarbeiten schon etwas länger her sind, kann man entdecken, was die Natur unternommen hat. Ufernahe Bestockung und Unterwasserpflanzen lenken die Strömung und verlangsamen die Fliessgeschwindigkeit noch ein kleines Stück mehr und bieten zusätzlichen Unterschlupf für die Fauna. Bei einigen Aspekten kann es allerdings mehrere Jahre dauern, bis aus dem mit baulichen Massnahmen geschaffenen Feuchtgebiet wieder ein naturbestimmtes wird. Auf den ersten Blick wirken einige Elemente wie Baumstümpfe im Wasser und Totholzkonstruktionen für das ungeübte Auge aber schon heute erstaunlich natürlich.
Dynamik im Bach
Der Umbau vom schnellen Kanal zum langsameren Gewässer dient auch dem Hochwasserschutz. Das Wasser kann auf dem neuen Perimeter eine Breite von bis zu 40 Metern nutzen – ein dynamischer Prozess, der mit der Feuchtigkeit wiederum Boden und Tierwelt beleben kann. «Der Bach wird sich verändern, das ist das Ziel», so Rumpf.
Zeitgleich soll der lebendigere Furtbach als Naherholungsgebiet für die Bevölkerung funktionieren. Der Weg führt dabei nicht zu nah am Ufer entlang, es gibt Bänke zum Verweilen, und das Vorranggebiet für die Natur nahe Würenlos ist nicht mehr für Fussgängerinnen und Fussgänger zugänglich.
Alle in einem Boot
Vom Projekt und von der Zusammenarbeit aller Beteiligten – besonders der Landwirte beim Thema Landabtausch – zeigt sich Leonardo Rumpf begeistert. So habe das Revitalisierungsprojekt über die Kantonsgrenzen hinaus Vorbildcharakter für ähnliche Vorhaben. «Man darf die Landwirte nicht allein lassen und muss sie frühzeitig einbinden», hält der Projektleiter fest.
Die Natur profitiert von solchen Revitalisierungsprojekten stärker ausserhalb von Siedlungsgebieten, und dort sind es besonders die sensiblen, gefährdeten Arten, die durch den Klimawandel in Bedrängnis geraten. «Wir sind bestrebt, möglichst viele Projekte zu realisieren und die Gemeinden mit ins Boot zu holen. Das gelingt uns gut, aber nicht in dem gewünschten Tempo», erzählt Rumpf. Der Faktor Klimawandel sei dabei ein zusätzlicher Antrieb. Das aktuelle Ziel des Bundes, in der gesamten Schweiz 4000 Kilometer Flussstrecke zu revitalisieren, würde man mit der bisherigen Geschwindigkeit allerdings erst im Jahr 2150 erreichen.
Zum Abschluss des Projekts laden die Beteiligten alle Bürger und Bürgerinnen zur Einweihungsfeier mit Apéro ein. Aus der Politik werden Gemeindeammann Anton Möckel (Würenlos), Thomas Lüssi (Vizepräsident Hüttikon), Stephan Attiger (Regierungsrat des Kantons Aargau) und Martin Neukom (Regierungsrat des Kantons Zürich) am 18. September vor Ort sein. Die Projektleiter beider Kantone gewähren Einblicke in den revitalisierten Furtbach und ein kleines Naturquiz mit Preisen werde es ebenfalls geben, wie Rumpf verspricht.
Einweihungsfeier mit Apéro und Naturquiz: Freitag, 18. September, 16 Uhr.Furtbachweg gegenüber der ARA Otelfingen.












