Partielle Sonnenfinsternis am 12. August
Wer sich am Mittwochabend, 12. August, über eine vermeintlich zwielichtige Stimmung am Himmel wundert, sollte nach der Sonne Ausschau halten. An besagtem Abend schiebt sich nämlich der Mond gemächlich, aber stetig vor unser Zentralgestirn.
Es ist das erste Mal seit dem 11. August 1999, dass eine totale Sonnenfinsternis das europäische Festland erreicht. In der gesamten Schweiz ist das Naturspektakel aber nicht als eine totale, sondern als eine partielle Sonnenfinsternis erlebbar. Um genau 20.18 Uhr, kurz bevor sich die Sonne hinter dem Horizont verabschiedet, verdeckt unser Trabant die Sonnenscheibe im Maximum zu ungefähr 92 Prozent, und die partielle Finsternis erreicht in unseren Breitengraden genau dann ihren Höhepunkt.
92 Prozent klingt zunächst dramatisch, bedeutet aber nicht, dass es fast vollständig dunkel wird: Das menschliche Auge nimmt Helligkeit nicht linear wahr, weshalb selbst eine starke Bedeckung wie diese nicht mit dem Dunkelheitseffekt vergleichbar ist, welcher bei einer echten Totalität, also wenn die Sonne zu 100 Prozent hinter dem Mond verschwindet, auftritt. Auch die Korona, welche bei einer totalen Finsternis als fantastisch silbrig-weisser Lichtkranz um die verdunkelte Sonne sichtbar wird, bleibt bei der partiellen Finsternis verborgen.
Vorausgesetzt, dass der Himmel nicht komplett bewölkt sein wird, dürfte das Ereignis dennoch etwas ganz Besonderes werden. Der tiefe Sonnenstand lässt das Licht einen längeren Weg durch die Atmosphäre zurücklegen, wodurch sich die rötlich-orangen Farbtöne verstärken. Mögliche Aerosole in der Luft könnten diesen Effekt zusätzlich intensivieren. Kombiniert mit der tief stehenden Sonne und deren Verdunkelung durch den Mond, wären die Bedingungen für ein optisch besonders attraktives Zusammenspiel aus Finsternis und Sonnenuntergang gegeben. Während des Maximums könnte das Licht dadurch einen ungewöhnlich gedämpften, kupferfarbenen Ton annehmen. Schatten verlieren an Schärfe, der Himmel wirkt weder wie eine gewöhnliche Dämmerung noch wie ein bewölkter Tag. Wie intensiv die Farben tatsächlich ausfallen, entscheidet letztlich das Wetter am 12. August selbst.
In Würenlos beginnt das Ereignis um ca. 19.24 Uhr mit dem Erstkontakt, dem Moment, in dem der Mond den Sonnenrand erstmals «berührt», bevor die Sonne gegen 20.42 Uhr untergeht. Da sie dabei tief im Westen steht, lohnt sich ein erhöhter Standort mit freiem Westblick. Die Sonne darf nur mit einer zertifizierten Sonnenfinsternisbrille betrachtet werden – normale Sonnenbrillen schützen die Netzhaut nicht ausreichend. Beim Feldstecher oder Teleskop ist zudem ein spezieller, vorne montierter Sonnenfilter zwingend nötig.
Wer das Naturspektakel in seiner vollen Pracht als totale Sonnenfinsternis erleben möchte, kommt nicht umhin, dem astronomischen Ereignis entgegenzureisen. Der Kernschatten des Mondes, also die Zone, in der die totale Sonnenfinsternis zu sehen ist, erstreckt sich von Nordsibirien über Grönland und Island bis nach Spanien.
Wem das Reisen zu mühsam ist, muss sich in Geduld üben: Die nächste totale Sonnenfinsternis findet in der Schweiz erst am 3. September 2081 statt. Doch beides lohnt sich – ob Hinreisen oder Warten. Eine totale Sonnenfinsternis mit den eigenen Sinnen zu erleben, ist nicht nur überwältigend beeindruckend anzusehen, sondern lehrt einen für ein paar flüchtige Minuten eine viel zu selten gewordene stille Ehrfurcht vor der Natur.
*Der Würenloser Lukas Schmid ist Hobby-Astrofotograf. Für die Limmatwelle berichtet er in unregelmässigen Abständen über aktuelle astronomische Phänomene.
Partielle Sonnenfinsternis
- Beginn (Erstkontakt) um ca. 19.24 Uhr
- Maximalbedeckung der Sonne (92 Prozent) um ca. 20.18 Uhr
- Sonnenuntergang um ca. 20.42 Uhr
- Himmelsrichtung West bis West-Nordwest
- Sonnenhöhe beim Maximum nur ca. 3 bis 4 Grad über Horizont
- Beobachtungstipp: erhöhter Standort mit freiem Westhorizont
- Zwingend: zertifizierte Sonnenfinsternisbrille (EN ISO 12312-2)








