Ist die Barriere ein Risiko?

Die Bahnschranke im Zentrum von Würenlos gibt seit jeher zu reden. Es gibt zum Beispiel Sicherheitsbedenken in der Bevölkerung.

Am Bahnübergang heisst es auch für den Bus: Warten. (Bilder: Dieter Minder/Archiv)
Am Bahnübergang heisst es auch für den Bus: Warten. (Bilder: Dieter Minder/Archiv)

Die Bahnschranke im Zentrum von Würenlos ist seit Ewigkeiten ein kontroverses und primär verkehrspolitisches Thema. Mehrere Würenloser Bürgerinnen und Bürger haben sich in den letzten Monaten aber mit ganz anderen Sorgen bei der «Limmatwelle» gemeldet. So zum Beispiel Anwohnerin und «Limmatwelle»-Leserin Erika Bürgisser.

Sie befürchtet, dass die Barriere zum Beispiel Ambulanzen oder die Feuerwehr bei ihren Einsätzen behindern könnte. Damit würden potenziell Minuten verstreichen, die beispielsweise im Falle eines Herzinfarkts über Leben und Tod entscheiden. Sie schätzt, dass man an der Schranke bei Güterzügen «bis zu 6 Minuten» warten müsse – je nach Wohnlage noch länger. «Es würde schmerzen, wenn man zwar das Krankenauto hört und dann realisieren muss, dass die Hilfe ausgebremst wird», schreibt Bürgisser in einer Nachricht an die «Limmatwelle».

Individuelle Lösung

Wie lange die Bahnschranke im Würenloser Zentrum tatsächlich geschlossen ist, kann die SBB nicht sagen, auch nicht, wie sich das mit anderen Bahnübergängen in der Schweiz vergleichen lässt. «Es gibt für jeden Bahnübergang eine individuelle Lösung», sagt SBB-Mediensprecherin Jeannine Egi. Die Schranke bleibt nämlich je nach Zug unterschiedlich lange geschlossen. Daraus lässt sich direkt also keine dringlichere Bedrohungssituation ableiten.

Auf der Gemeinde verweist man auf die Strassenverkehrsordnung. Diese sieht vor, dass es alternative Routen geben muss, die Blaulichter im Falle einer geschlossenen Barriere nutzen können. Diese seien in Würenlos gegeben, sagt der abtretende Gemeinderat Markus Hugi (FDP), der sich im Rahmen der BNO-Gesamtrevision eingehend mit dem Thema Verkehr befasst hat – so weit die Theorie.

In der Praxis haben sich diese alternativen Wege als wenig nützlich herausgestellt, heisst es zum Beispiel beim Kantonsspital Baden oder bei der Regionalpolizei Wet­tingen-Limmattal.

«Es lohnt sich zeitlich kaum, auszuweichen», schreibt Roland Jenni, Leiter der Repol. «Die Polizei weiss beim Feststellen einer geschlossenen Bahnschranke ja nicht, wie lange diese schon geschlossen ist und wann sie wieder öffnet», so Jenni weiter.

«Tendenziell würde ich am Bahnübergang eher die Öffnung der Barriere abwarten, da die alternativen Varianten kaum einen zeitlichen Gewinn bringen.» Dasselbe gelte für die Ambulanzen, bestätigt Omar Gisler, Mediensprecher des Kantonsspitals Baden.

Keine Menschenleben in Gefahr

Generell scheint es aber auch gar keinen Handlungsbedarf zu geben. Während es natürlich immer wünschenswert sei, schneller am Zielort anzukommen, wie beispielsweise Stefan Moser, Kommandant der Feuerwehr Würenlos, sagt, kommt es durch die minime Verzögerung kaum zu Problemen, wie die Erfahrung des Kantonsspitals Baden zeigt. «Wegen allfälliger Wartezeiten vor einem Bahnübergang wurden in unserem Einzugsgebiet bisher noch keine Menschenleben gefährdet», so Omar Gisler. «Die kantonale Vorgabe lautet, bei Notfällen in achtzig Prozent der Fälle innerhalb einer Viertelstunde beim Patienten zu sein. Bisher ist es dem Rettungsdienst des KSB stets gelungen, diese Vorgabe zu erfüllen.» Man sei überzeugt, diese Vorgabe auch in Zukunft einhalten zu können.

Die Bahnschranke in Würenlos ist seit jeher ein Politikum. Im Wahljahr 2021 hat die Diskussion um die Barriere wieder Fahrt aufgenommen. So hatte zum Beispiel die SVP unter Federführung ihres Gemeinderatskandidaten Steven Schraner in einer Rückmeldung zur Gesamtrevision BNO an den Gemeinderat gerichtet. Man fürchte einen «Verkehrskollaps», sollte die SBB den 15-Minuten-Takt für die S6 beschliessen. So sprach sich die SVP für das Aufstellen eines Blitzers aus, um den «einfachen Durchgangsverkehr» zu verhindern. Damit würde auch die Zufahrt für Blaulichter verbessert werden, argumentierte die SVP.

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