«In andere Welt abtauchen»
Melanie Da Silva will ihre Faszination für Meerjungfrauen zum Beruf machen. Im Schwimmbad Wiemel konnten die Badigäste das Mermaid-Schwimmen ausprobieren. Im Gespräch sagt die Instruktorin, warum es dafür Mut braucht.
«Grösse 32 sollte passen», sagt Melanie Da Silva zu den Geschwistern Gwen und Elin, die im Schwimmbad Wiemel zwei Monoflossen entgegennehmen. Am letzten Juni-Wochenende liegt ein gutes Dutzend grüne, blaue, violette, rote und pinke Einflosser neben dem Springturmbecken. Im Wiemel kann man an diesem Samstag nicht nur das Tauchen ausprobieren, sondern auch, «wie eine Meerjungfrau durchs Wasser zu gleiten», wie auf der Einladung der Wettinger Tauchschule Divepad angekündigt wurde, des Organisators des Anlasses. «Wir wollten es schon lange mal ausprobieren», sagen die neunjährigen Zwillinge voller Vorfreude.
Angeleitet werden sie von Melanie Da Silva, der «Mermaid»-Instruktorin bei «Divepad». Die 34-Jährige ist in Portugal aufgewachsen – unweit vom Meer. «Als Kind stellte ich mir vor, eine Meerjungfrau zu sein, und band mir Tücher um Hüfte und Beine. Als ich in der Schweiz einer Kollegin davon erzählte, informierte sie mich übers Mermaid-Schwimmen.» Da Silva recherchierte. Auch wenn das Schwimmen wie eine Mermaid, zu Deutsch Meerjungfrau, ausserhalb der USA noch nicht so weit verbreitet ist wie beispielsweise das Tauchen oder Schnorcheln, kann man auch in der Schweiz Fischschwanz und Flossen kaufen – vor allem für Kinder.
Ausbildung zur Meerjungfrau
Vor anderthalb Jahren liess sich Melanie Da Silva an der Schule «Merdreams» von zwei Belgiern zur SSI-Mermaid-Instruktorin (Scuba School International) ausbilden. «Es gibt verschiedene Instruktoren-Ausbildungen, ich habe mich für den internationalen Titel entschieden, weil ich irgendwann auch in Portugal eine Mermaid-Schule aufbauen will», begründet Melanie Da Silva. Wer die Mermaid-Ausbildung absolvieren will, benötigt vorgängig die Ausbildungen zum Schnorchelinstruktor und Nothelfer und muss Notfallsauerstoff verabreichen können. Getestet wird auch die Wasserfitness. Weil man sich beim Mermaiding im Delphinschwumm fortbewegt, wird diese Schwimmtechnik besonders intensiv geübt. Neben dem Unterrichten und Tauchen lernen die Teilnehmenden, sich tänzerisch unter Wasser zu bewegen. «Die Beweglichkeit ist durch den engen Fischschwanz und die Monoflosse eingeschränkt. Es muss einem wohl sein damit.»
«Es fühlt sich gut an», sagen Gwen und Elin unisono, nachdem sie ihre Meerjungfrauen-Ausrüstung über die Badehosen gezogen und eine Runde im Schwimmbecken gedreht haben. «Geht es auch von der Luft her?», will Instruktorin Melanie wissen, ehe sie die beiden Mädchen auffordert, nach den Ringen und Muscheln auf dem Beckengrund zu tauchen. Die maximale Tiefe beträgt fünf Meter, getaucht wird ohne Sauerstoff oder Schnorchel.
Vom Strand an den See
«Mit dem Mermaid-Schwimmen habe ich die Magie wieder gefunden, die ich als Kind im Pool und Meer erlebte», sagt die Innerschweizerin und fügt an: «Es ist, als würde ich in eine andere Welt abtauchen. Ich vergesse meine Sorgen und fühle mich frei.» Dieses Gefühl sollen die Kinder und Erwachsenen in ihren Kursen (wieder)entdecken.
Mittlerweile hat die medizinische Masseurin und Fachfrau Betreuung ihr Hobby zum Beruf gemacht und gibt bei der Wettinger Tauchschule Kurse. Noch kann sie nicht davon leben, sondern arbeitet als selbstständige Masseurin. «Aber ich bin dran, meine eigene Schwimmschule aufzubauen.» Auf ihrem Instagram-Kanal «mermaidlusitana» ist sie unter Wasser und auf Felsen in der Algarve zu sehen. Sie räkelt sich mit dem roten Fischschwanz am Meer und auch in Brunnen, wo sie mit ihrem Mann und ihrem vierjährigen Sohn lebt.
Am Anfang dafür geschämt
«Am Anfang hat es Mut gebraucht, mich als Meerjungfrau zu zeigen. Ich wurde belächelt und schämte mich ein bisschen dafür», sagt sie. Doch mittlerweile fühle sie sich so wohl in der Rolle als Meerjungfrau Lusitana, dass es ihr egal sei, was andere darüber denken. «Ich lebe für mich und nicht für die anderen.» Das dadurch gewonnene Selbstbewusstsein scheint sich auszuwirken. Als sie letztes Jahr in Brunnen am Vierwaldstättersee ein Fotoshooting machte, war sie schon bald von einer Gruppe Kindern umzingelt, die ihr bewundernd zusahen.
Auch im Schwimmbad Wiemel zog sie die Aufmerksamkeit auf sich. Gwen und Elin waren zwar die Ersten, die sich mit dem Meerjungfrauen-Kostüm ins Wasser wagten, aber nicht die Einzigen. 40 Kinder und Erwachsene tauchten als Meerjungfrau ins Springerbecken im Wiemel. «Es waren sogar mehr als jene, die einen Tauch-Schnupperkurs besuchten», freut sich Melanie Da Silva, die sich dafür einsetzt, dass das Mermaid-Schwimmen bekannter wird. Auch ihre zweite Schwangerschaft hält sie nicht davon ab. Im Gegenteil: «Demnächst werde ich ein Schwangerschafts-Fotoshooting im Meerjungfrauenkleid machen.» Schliesslich ist die Grösse nur bei den Flossen relevant, die restliche Meerjungfrauen-Ausrüstung ist dehnbar.












