«Ein gutes Gespräch hilft manchmal mehr, als eine Tablette»

Heini und Marianne Lamprecht lassen sich pensionieren: Damit schliesst die Drogerie am Bach für immer.

Heini und Marianne Lamprecht in ihrer Drogerie am Bach. Barbara Scherer
Heini und Marianne Lamprecht in ihrer Drogerie am Bach. Barbara Scherer

«Wir werden unsere Kunden sehr vermissen», sagt Marianne Lamprecht. Kurz trübt sich ihr Blick. Dann lächelt die Drogistin: «Aber wir freuen uns auch auf den Ruhestand: Momentan fahren die Gefühle Achterbahn.» 37 Jahre lang hat das Ehepaar Drogerien geführt: Zehn davon die Drogerie am Bach in Würenlos. Jetzt lassen sich Heini (67) und Marianne (63) Lamprecht pensionieren.

Am Samstag, 29. Juli, schliesst die Drogerie ihre Türen für immer. Was danach kommt, ist noch nicht sicher. «Es wird wieder ein Gewerbe einziehen, nur eben keine Drogerie», sagt Marianne Lamprecht.

Die geborene Bernerin hat ursprünglich Pharmaassistentin gelernt. In einer Apotheke in Bern hat sie Heini Lamprecht kennen gelernt. «Ich habe damals eine Ausbildung zum Drogisten gemacht an der Höheren Fachschule», erklärt Heini Lamprecht. Danach verschlug es die beiden nach Zürich. Schnell war klar: Sie wollen einen eigenen Laden führen. «Uns reizte die Selbstständigkeit», so Marianne Lamprecht. 27 Jahre lang führte das Ehepaar eine Drogerie in Wallisellen in Zürich. Weil die dortige Migrosfiliale vergrösserte, musste die Drogerie weichen. So verschlug es die Lamprechts nach Würenlos: «Wir kannten die ehemalige Besitzerin. Und weil wir in Oetwil an der Limmat wohnen, war Würenlos perfekt.»

Ganz verschwinden Heini und Marianne Lamprecht aber nicht aus Würenlos. Die beiden stellen weiterhin die Würenloser Kräutersalbe im Keller der Drogerie her. Denn die Rezeptur kennen nur die Lamprechts. «Die Salbe ist weiterhin in der Apotheke erhältlich», sagt Marianne Lamprecht. Sonst hat das Ehepaar noch keine Zukunftspläne. «Wir machen sicher keine Weltreise», sagt Marianne Lamprecht und lächelt. Zwei Wochen Toskana, das sei alles, was sie bisher geplant hätten.

Blickt das Drogistenpaar zurück, waren es nicht immer einfache Zeiten. «Gerade in den letzten zehn Jahren hat sich das Kaufverhalten der Leute sehr verändert», sagt Marianne Lamprecht. Das Geschäft habe unter dem starken Euro und dem Einkaufstourismus gelitten. Nur durch Einsparungen beim Personal konnte die Drogerie überleben.

Woher nahmen die beiden die Kraft immer weiter zu machen? «Wir lieben unseren Beruf. Das hat uns stets motiviert», sagt Marianne Lamprecht und fügt an: «Zudem hatten wir immer liebe und treue Kunden.» Sie blickt ihren Mann an. Heini Lamprecht lächelt und nickt. Er müsse nicht viel sagen, seine Frau mache das gut. Beide lachen.

Gerade in den letzten Tagen sei es sehr emotional zu- und hergegangen in der Drogerie: An der Theke sind auch Tränen geflossen. «Eine Mutter kam mit ihren zwei Kindern vorbei und hat uns Honig zum Abschied geschenkt», sagt Marianne Lamprecht. Der Kundenkontakt stand in der Drogerie stets an erster Stelle. So wurde auch viel Privates im Geschäft besprochen. «Ein gutes Gespräch helfe oft mehr, als jede Tablette.»

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