Die Sonne erwacht wieder

Der Himmel über Würenlos. Dieses Mal: Unsere Sonne und ihre Ruhephase, die nach über einem Jahrzehnt ihr Ende findet.

Sogenannte Protuberanzen,  heftige  Materienströme, schiessen hunderttausend Kilometer in die Höhe. (Bilder: Lukas Schmid)

Sogenannte Protuberanzen, heftige Materienströme, schiessen hunderttausend Kilometer in die Höhe. (Bilder: Lukas Schmid)

Die Tage werden wieder kürzer und die Sonne ist ein seltener Gast in unseren Breitengraden. Dennoch erwacht unser Zentralgestirn aus einer Ruhephase. Eine Ruhephase, die nun nach 11 Jahren ihr Ende gefunden hat. Unser Stern hat einen neuen Zyklus begonnen – die Aktivität nimmt nach einem Minimum im Dezember 2019 nun wieder zu. Solare Ausbrüche und die charakteristischen Sonnenflecken häufen sich wieder. Im Laufe von etwa 11 Jahren durchläuft sie nämlich eine regelmässige Phase der Ruhe mit sehr wenig Aktivität bis hin zu einer Phase, in der sie wieder sogennantes Plasma ausstösst und Sonnenstürme ausgelöst werden. Sogar ihr Magnetfeld durchläuft in dieser Phase eine Umpolung. Wirklich verstanden sind diese Prozesse auch von der Wissenschaft nicht vollends. Man geht davon aus, dass Umwälzströme im Sonneninneren dazu führen. In den vergangenen zwei Jahren gab es kaum einen Sonnenfleck und nur sehr wenige Sonneneruptionen. Bei einer Eruption werden hochenergetische Teilchen ins All geschleudert, welche von der Magnetfeldenergie gespeist werden. Diese Gebilde entstehen innerhalb der sogenannten Chromosphäre – der für uns unsichtbaren Sonnenoberfläche. Die Chromosphäre kann nur mit speziellen Filtern sichtbar gemacht werden. Diese Filter lassen nur einen ganz bestimmten Wellenlängenbereich des magnetischen Spektrums passieren und machen die wunderschönen Strukturen der Oberfläche erst sichtbar. Im Kontrast dazu stehen die dunklen Sonnenflecken, welche sich zurzeit auch wieder häufen. Wie man es bereits erahnen kann, sind diese dunklen Stellen kühler und strahlen daher weniger sichtbares Licht aus und behindern gebietsweise den Wärmetransport vom Innern an die Sonnenoberfläche. Sonnenflecken sind relativ kurzlebig und ändern nicht selten nach wenigen Stunden ihre Form oder verschwinden vollends. Unser Mutterstern ist und bleibt ein faszinierendes, noch nicht verstandenes Objekt. Es ermöglicht Leben und ist gleichzeitig dazu imstande, Leben zu beenden. Für Hobbyastronomen ist es für die Beobachtung und die Fotografie ein sehr dankbares Objekt, so sieht es nämlich an keinem Tag im Jahr identisch aus. Sonnenbeobachtung, ganz egal, ob von blossem Auge oder durch ein Teleskop, ist allerdings nicht ungefährlich und darf nie ohne spezielle Filter durchgeführt werden. Sofortige Blindheit wäre die Folge. Experten zufolge soll der kommende aktive Zyklus der Sonne eher gemässigt ausfallen. Immerhin gute Aussichten für die irdische Telekommunikation, Elektrizitätsnetze und auch die Satelliten im Erdorbit. Bei schwacher Sonnenaktivität werden diese weniger durch Sonnenstürme und deren schädliche Einflüsse beeinträchtigt. Als Astrofotograf wünscht man sich jedoch gerne fotogene Sonnenflecken und wilde Stürme. Wir werden sehen, was der neue Zyklus mit sich bringt.

*Der Würenloser Lukas Schmid istHobby-Astrofotograf. Für die Limmatwelle berichtet er in unregelmässigen Abständen über aktuelle astronomische Phänomene.

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