Wettingen ändert die Regeln

Wettinger Sportvereine sollen für zusätzliche Hallennutzungen bezahlen.Bild:  Archiv/Alexander Wagner
Wettinger Sportvereine sollen für zusätzliche Hallennutzungen bezahlen.Bild: Archiv/Alexander Wagner

Wettingen will Familien die Kinderbetreuung erleichtern und Vereinen mehr Hallenzeiten ermöglichen. Während Eltern früher planen können, sollen Sportvereine für zusätzliche Nutzungen bezahlen – bis zu 1130 Franken.

Der Gemeinderat will die Organisation der Kinderbetreuung vereinfachen und Schulanlagen besser zugänglich machen. Während Eltern künftig früher Planungssicherheit erhalten, gibt es bei den Vereinen einen Haken: Sie sollen für zusätzliche Hallennutzungen bezahlen. Vizeammann Christian Wassmer (Mitte) und Gemeindeammann Markus Haas (FDP) stellten die Änderungen am Montag an einer Medienkonferenz vor. Beide Vorhaben sollen Probleme lösen, die seit Jahren für Unmut sorgen.

Für berufstätige Eltern war die Organisation der Kinderbetreuung bisher eine Geduldsprobe. Erst Anfang Juni konnten sie ihre Kinder für die Tagesstrukturen anmelden. Ob sie einen Betreuungsplatz erhielten, erfuhren sie häufig erst Mitte Juni. Für Absprachen mit dem Arbeitgeber oder die Suche nach einer anderen Betreuung blieb wenig Zeit. «Das hat viele Familien in die Bredouille gebracht», sagt Christian Wassmer. In einzelnen Fällen hätten Eltern deshalb ihr Arbeitspensum angepasst oder eine private Betreuung organisieren müssen.

Damit soll ab dem Schuljahr 2027/2028 Schluss sein. Die Anmeldung für die Tagesstrukturen beginnt künftig am Montag nach den Frühlingsferien – rund acht Wochen früher als bisher. Mindestens eine Woche vor den Frühlingsferien erfahren Eltern zudem, welchen Kindergartenstandort ihr Kind besuchen wird und an welchen Nachmittagen Unterricht stattfindet. Ein provisorischer Stundenplan liegt bei.

Kein Wettlauf beim Anmelden mehr

Ausserdem ändert sich das Anmeldeverfahren. Bisher versuchten Eltern, ihre Kinder unmittelbar nach Öffnung des Anmeldefensters zu registrieren. Wer zu diesem Zeitpunkt arbeitete, hatte schlechtere Voraussetzungen. «Das hat einen riesigen Stress ausgelöst», sagt Wassmer. Nicht alle Eltern könnten während der Arbeitszeit am Computer sitzen. Neu steht ihnen die ganze Woche nach den Frühlingsferien für die Anmeldung zur Verfügung.

Zudem gilt die Zusicherung, die Wettingen bereits 2026 eingeführt hat: Jedes angemeldete Kind erhält einen Betreuungsplatz. Nicht garantiert werden kann der Wunschstandort. Bei der Zuteilung berücksichtigen die Verantwortlichen nach Möglichkeit Geschwister, kurze Wege und Elternwünsche. Die Tagesstern GmbH betreut im Auftrag der Gemeinde rund 470 Kinder an neun Standorten. Damit nutzt etwa jedes vierte Kindergarten- oder Primarschulkind in Wettingen das Angebot.

Der Bedarf unterscheidet sich je nach Quartier und Wochentag. So ist der neue Standort Klosterbrühl dienstags bereits ausgelastet, während an anderen Tagen noch Plätze frei sind.

Die Umstellung fordert ebenfalls die Schule. Viele Abläufe müssten früher koordiniert werden. Bei kurzfristigen personellen Veränderungen seien spätere Anpassungen nicht ausgeschlossen, sagt Wassmer.

Langfristig könnte Wettingen gemäss Wassmer eine Tagesschule einführen. Diese wäre am heutigen Bezirksschulstandort denkbar, falls dieser nach dem Bau des neuen Oberstufenzentrums für die Primarschule genutzt werde.

Sportvereine müssen zahlen

Auch bei der Nutzung der Schulanlagen will der Gemeinderat Hürden abbauen. Wettinger Vereine sollen Turnhallen und Sportplätze künftig an Wochenenden, Feier- und Brückentagen sowie während der Schulferien nutzen können. Bisher war das oft nicht möglich. Selbst leere Hallen blieben geschlossen, weshalb Vereine teilweise in Nachbargemeinden ausweichen mussten. Das sorgte für Unmut.

Den Anstoss gab eine Interpellation des damaligen SVP-Einwohnerrats Daniel Notter 2023. Im Mai 2024 verlangten 21 Mitglieder aus sechs Parteien mit einer Motion, die Anlagen besser zugänglich zu machen. Der Gemeinderat nahm das Anliegen auf. Allerdings sollen die zusätzlichen Öffnungszeiten angesichts der angespannten Finanzlage nicht vollständig zulasten der Gemeinde gehen. Gemeindeammann Markus Haas verweist auf die Reinigung: Nach einer Veranstaltung am Sonntag müsse die Halle am Montag um 7.30 Uhr für den Unterricht bereitstehen. Dafür brauche es teilweise externes Personal. Regelmässige Trainings an Werktagen bis 22.30 Uhr bleiben kostenlos. Für ausserordentliche Nutzungen sollen dagegen Benützungs- und Reinigungskosten anfallen.

Einwohnerrat entscheidet

Was das kosten könnte, zeigt das Beispiel der Dreifachturnhalle Margeläcker. Für eine Sonntagsnutzung der gesamten Anlage inklusive Garderoben, Toiletten, Duschen und Küchenzeile sieht der beantragte Tarif 975 bis 1130 Franken vor. Hinzu kommt die Mehrwertsteuer auf die Reinigungskosten. «Ein Unkostenbeitrag ist fair», sagt Haas. Wer zusätzliche Kosten verursache, solle sich daran beteiligen. In der letzten Budgetdebatte im Einwohnerrat sei deutlich geworden, dass Vereine stärker in die Finanzierung einbezogen werden sollten.

Das letzte Wort hat das Parlament. Am 12. November entscheidet es über die Anpassung des Gebührentarifs. Haas erwartet eine Diskussion. «Die Vereine sind immer ein emotionales Thema.» Das Parlament könne auch beschliessen, die Mehrkosten von der Gemeinde und damit von den Steuerzahlenden tragen zu lassen. Vereinfacht wurde bereits die Gesuchstellung. Seit September ist für die Vergabe der Schulanlagen ausserhalb des Schulbetriebs allein die Abteilung Gesellschaft, Kultur und Sport zuständig. Zuvor waren vier Stellen involviert.

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