Kommentar

Wettingen, quo vadis? «Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut», zitierte SVP-Einwohnerrat Martin Fricker an der Budgetdebatte den athenischen Staatsmann Perikles. Gemeint war der Mut, bei den Gemeindeausgaben den Rotstift anzusetzen. Eine Mehrheit folgte ihm: Gespart wird bei der Sicherheit, den Löhnen des Gemeindepersonals und der Kultur. Die mahnenden Worte des Gemeinderats verhallten weitgehend ungehört, die Fraktionen stimmten meist geschlossen. Ob das tatsächlich Mut erforderte, sei dahingestellt. Bisweilen schien vielmehr die Angst zu überwiegen, das Budget 2027 könnte ohne einschneidende Kürzungen an der Urne scheitern.
Was bedeuten diese Einsparungen für die Bevölkerung? Gerade bei der Kultur dürften sie unmittelbar spürbar werden. Das betrifft zuvörderst die Galerie im Gluri-Suter-Huus: ein Aushängeschild Wettingens, ein Ort der Reflexion, der den künstlerischen Nachwuchs fördert und gesellschaftliche Fragen zur Diskussion stellt. Mit den geplanten Einschnitten würde rund ein Drittel bis zur Hälfte der Ausstellungen wegfallen. Davon könnte auch die jährliche «Kunst Schau 5430» betroffen sein, an der Kunstschaffende aus Wettingen ihre Werke einem breiteren Publikum präsentieren. Übrigens, die Anmeldung für die Ausgabe 2026 läuft noch bis zum 9. November. Nutzen Sie also die Gelegenheit, es könnte – zumindest im Gluri-Suter-Huus – die letzte sein.
Doch zurück zum Thema Mut: Dieser wäre auch gefragt, um Wettingens finanzpolitische Strategie grundsätzlich zu überdenken. Dass die Gemeinde mit knappen Mitteln haushalten muss, ist unbestritten. Doch eine Tiefsteuerpolitik allein garantiert noch lang nicht, dass sich zahlungskräftige Unternehmen und vermögende Privatpersonen ansiedeln. Ebenso wichtig sind ein attraktives Umfeld und ein lebendiges Kulturangebot. Wer hier spart, spart womöglich an genau jener Lebensqualität, die einen Standort erst begehrenswert macht.
Übrigens: Perikles war nicht nur ein redegewandter Politiker, sondern ebenso ein bedeutender Kulturförderer. Sein Wirken steht für die Idee Athens als Kulturstaat, an dessen Leben die gesamte Bürgerschaft teilhaben sollte – unabhängig von ihrer sozialen Stellung. Vielleicht wäre das auch für Wettingen eine Überlegung wert.


