68 rollende Raritäten und ganz viel Leidenschaft
Das 45. Bus- und Wohnbus-Oldtimertreffen vereint Nostalgie, handwerkliches Können und gelebte Kameradschaft. Bereits zum zweiten Mal machten historische Busse und Wohnbusse am Wochenende die Zirkuswiese in Wettingen zum Treffpunkt für Oldtimerfans.
Ab Donnerstag reihten sich auf der Zirkuswiese 68 teils Jahrzehnte alte Fahrzeuge aus der Schweiz und Süddeutschland mit einem maximalen Zwischenabstand von 2,50 Metern ein. Für die Besitzer bedeutete dies: Bus abstellen, Vorzelt aufbauen und sich für drei Tage einrichten. Das traditionelle Treffen findet jedes Jahr am dritten Augustwochenende an unterschiedlichen Standorten statt und wird diesmal bereits zum 45. Mal durchgeführt. In Wettingen trafen sich die Busfahrer bereits 2018 – nun also zum zweiten Mal.
Einer, der fast von Anfang an dabei ist, ist der Appenzeller Ruedi Niederer. Zum 42. Mal nimmt er am Treffen teil. Seit 1985 hat er keinen einzigen Anlass ausgelassen. Die Kameradschaft, der Austausch, die Geselligkeit und die Freude an neuen Ideen seien für ihn die wichtigsten Gründe, immer wieder ans Treffen zu kommen. Niederer reiste zusammen mit seiner Familie, dem Schäferhund und Freunden bereits am Donnerstagabend an. Trotz der sommerlichen Hitze stand am ersten Abend ein traditionelles Käsefondue auf dem Programm – mit einer eigenen Käsemischung seiner Frau Rita. «Wenn kein Feuerverbot herrschen würde, würden wir am Abend ein Lagerfeuer machen und zusammensitzen», sagt Niederer.
Besonders stolz ist er auf seinen Setra-Bus aus dem Jahr 1964. Vor 47 Jahren kaufte er das Fahrzeug und baute es eigenhändig zu einer Wohnung auf Rädern um. Vieles daran erzählt von der langen Geschichte des Busses und von der Leidenschaft seines Besitzers.
Postauto wird zur Ferienwohnung
Organisiert wird das diesjährige Treffen von Esthi und Roli Erni aus Tägerig. Auch sie verbringen ihre Ferien in einem Wohnbus – einem Volvo 8700 aus dem Jahr 2006. Das Fahrzeug war ursprünglich als Postauto im Wallis unterwegs und wurde später als Fahrschulbus im Tessin eingesetzt. Vor vier Jahren kauften die Ernis den Bus und begannen mit dem kompletten Innenausbau.
Heute verfügt das Fahrzeug über Sonnenkollektoren, eine Küche, eine Dusche und ein eingebautes WC. «Wir leben autark», erklärt Esthi Erni und zeigt die verschiedenen Einrichtungen. Dass der Umbau nicht ohne Herausforderungen verlief, weiss ihr Mann Roli nur zu gut. «Ich musste eine Elektro-Ausbildung machen, da ich kein Elektriker bin», erzählt er. Ganz fertig ist das Projekt noch nicht. «Es gibt immer etwas zu tun.»
Unterstützt werden die beiden von ihrem 27-jährigen Sohn Joel und dessen Freundin Ricarda. Sie leben in einem MAN-Wohnbus gleich nebenan und helfen beim Organisieren des Treffens tatkräftig mit.
Zwischen Technik und Gemeinschaft
Je nach Jahr versammeln sich zwischen 68 und 110 Fahrzeuge. Neben Bussen sieht man auch Lastwagen – geschlossene Kastenwagen oder mit nachträglich aufgebauten Kästen – als rollende Ferienwohnung. Dem heutigen Verwendungszweck entsprechend zählen diese Fahrzeuge ebenfalls zu den Wohnbussen. Allen Fahrzeugen gemeinsam ist, dass ihre Besitzer viel Zeit, Arbeit und Herzblut in deren Erhalt und Ausbau investieren.
Auf dem Platz sorgen ein Grillstand und eine Bar für das leibliche Wohl. Auch Glace ist erhältlich – eine willkommene Abkühlung bei den hochsommerlichen Temperaturen. So wird das Treffen weit mehr als eine Ausstellung alter Fahrzeuge. Für drei Tage entsteht eine kleine Gemeinschaft auf Rädern, in der Erfahrungen ausgetauscht, Umbauten bestaunt und Freundschaften gepflegt werden.






















