Die ungeheure Wucht des Sturms

Abgebrochene Bäume.

Abgebrochene Bäume.

Die gebogenen Bäume erholen sich nicht mehr vom Sturm.

Die gebogenen Bäume erholen sich nicht mehr vom Sturm.

Der Treffpunkt der Waldspielgruppe.

Der Treffpunkt der Waldspielgruppe.

Die Feuerstelle selbst blieb unbeschädigt.

Die Feuerstelle selbst blieb unbeschädigt.

Revierförster Moritz Fischer steht neben einem entwurzelten Baum.Bilder: SMA

Revierförster Moritz Fischer steht neben einem entwurzelten Baum.Bilder: SMA

Die Schäden des Sturmereignisses Ende August sind im Wettinger Wald besonders eindrücklich zu sehen. Für das Team um Förster Moritz Fischer eine Herausforderung, die ihn Monate beschäftigen wird.

Am 28. August zog um 8.50 Uhr ein Gewitter über das Dorf Wettingen. Hagel, begleitet von starken Sturmböen, sorgte lokal für zahlreiche Schäden und vor allem ungewohnte Bilder. «Mein Team war zu diesem Zeitpunkt im Wald unterwegs, und wir hatten grosses Glück, dass es keinen Personen- oder Sachschaden gab», berichtet Förster Moritz Fischer beim Gang durch den Wettinger Wald. Als Betriebsleiter ist er seit 2022 für die Gemeinden Wettingen, Neuenhof und Würenlos verantwortlich.

Das Dorf hatte es an diesem Freitagmorgen am stärksten getroffen. Zusammen mit Feuerwehr, Werkhof und Zivilschutz machte man sich sofort an die Arbeit: Strassen freiräumen, Privatgärten sichern, Material abtransportieren. Der Wald hatte in der ersten Woche nach dem Sturmereignis keine Priorität. Dabei entstanden hier ungefähr 500 bis 1000 Kubikmeter Schadholz, die das achtköpfige Forstteam noch monatelang beschäftigen wird.

Dabei dauerte das Ereignis selbst nur etwa zehn Minuten. Zum Vergleich: Der Orkan Lothar tobte im Jahr 1999 rund 30 Minuten in der Schweiz. Der Hagel störte die Bäume weniger, aber die Wetterstation mass Böenspitzen bis 130 Kilometer pro Stunde. Wie stark die Gewitter gerade lokal in Erscheinung treten, weiss man erst, wenn sie da sind. «Aufgrund der Klimaveränderungen werden solche Ereignisse allerdings häufiger auftreten. Das hat man auch in der Vergangenheit bei Starkregen gesehen, der zu Überschwemmungen geführt hat», erklärt Moritz Fischer.

Geschwächter Wald

Einige betroffene Fichten im Wald sind so stark gebogen, dass sie an die Stäbe beim Stabhochsprung erinnern. «Schiefe Bäume stehen unter äusserst grosser Spannung, deshalb muss man jeden Baum einzeln beurteilen», weiss Moritz Fischer. Die Trockenheit der vergangenen sechs Monate und der Borkenkäfer, bei dem eine Zunahme zu verzeichnen ist, haben die Bäume zusätzlich geschwächt. Fichten sind zwar anfälliger für Sturmereignisse, aber «bei so einem Ereignis spielt die Baumart kaum eine Rolle. Man muss sich vorstellen, was das für eine Kraft ist», stimmt der Förster nachdenklich an.

Gemessen an den 5000 Kubikmetern Holz, die man im Forstbetrieb jährlich nutzen kann, und der Grösse des Waldes machen die Sturmschäden nicht so viel aus, aber sie binden natürlich Ressourcen. Die Sicherheit für Waldbesuchende hat hier Vorrang vor den lang geplanten Arbeiten wie zum Beispiel Biodiversitätsprojekten und der Sanierung einer Quelle.

«Ganz verhindern kann man solche Schäden nicht. Was natürlich hilft, ist, wenn man möglichst stabile Bäume hat», erläutert Moritz Fischer. Bäume, die mit der Trockenheit gut umgehen können und eine gewisse Standfestigkeit haben. Eine Herausforderung, da man im Wald in Jahrzehnten planen muss. Allein die Fichte benötigt 40 Jahre, bis sie ihre Nutzungsgrösse erreicht. Langfristig möchte man den Nadelholzanteil weiter reduzieren. 1984 betrug er noch 30 Prozent, heute ist man bei unter 20 Prozent angekommen. Mehr Laubholz, mehr Vielfalt, so lautet das generationenübergreifende Ziel. «Die Natur bringt schon viel mit, und ich muss mich fragen, wie ich die Natur beim Wandel unterstützen kann», so Moritz Fischer.

Schneise der Verwüstung

An einer abgesperrten Feuerstelle lagen die Bäume kreuz und quer. «Es ist ein Wunder, dass nicht viel passiert ist», sagt Moritz Fischer. Infotafel, Bänkli und die Feuerstelle selbst wurden nicht beschädigt. Bevor man so einen Platz wieder freigibt, muss das Forstteam überprüfen, wo es noch Äste hat, die herunterfallen können.

Noch schwerer getroffen hat es den Standort der Waldspielgruppe Wettingen am Lägernhang. Die Sturmböe hat hier eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Aufgrund der Bodenstruktur wurden die Bäume mit ihrem ganzen Wurzelteller herausgerissen. «Das ist unheimlich, was das für eine Kraft ist», so Moritz Fischer. Für das Forstteam zudem eine gefährliche Situation beim Aufarbeiten. Unter einem umgestürzten Baum erkennt man noch das Waldsofa. Die Spielgruppe war an diesem Tag zum Glück nicht im Wald unterwegs.

Am Tag nach dem Sturm seien bereits wieder Menschen im Wald unterwegs gewesen. Trotz der Warnung des Gemeinderats Wettingen und der Tatsache, dass die Strassen komplett mit Bäumen blockiert waren. Die Waldstrassen kommen insgesamt auf eine Länge von 90 Kilometern. «Es ist nicht wieder sicher im Wald, nur weil das Sturmereignis schon drei Wochen her ist. Nach wie vor bestehen gewisse Gefahren», nimmt der Förster die Waldbesuchenden in die Pflicht. Ein Blick nach oben lohnt sich.

Weitere Artikel zu «Wettingen», die sie interessieren könnten

Der grosszügig gestaltete Kindergarten wird besichtigt.
Wettingen23.09.2026

«Ein Stück Zukunft ist entstanden»

In der Neubausiedlung Klosterbrühl wurde ein Kindergarten erstellt. Dieser wurde nun offiziell eingeweiht. 20 Kinder werden hier unterrichtet.

Die neu…

Gekonnt wird auf der Tanzfläche zur Swingmusik getanzt.
Wettingen16.09.2026

«Einmal im Jahr Party muss sein»

Die Wettinger Seniorinnen und Senioren zeigten am Herbstfest, dass sie noch lang nicht zum alten Eisen gehören. 430 Gäste liessen sich von der Argovia Swing…

Gemeindeammann Markus Haas muss die Steuern erhöhen.
Wettingen16.09.2026

Steuerfuss soll 15 Prozent steigen

Der Gemeinderat schlägt das Budget 2027 mit einem Steuerfuss von 110 Prozent vor.

Gemeindeammann Markus Haas (FDP) sprach an der Medienorientierung zum Budget…