«So wenig wie möglich, so viel wie nötig»

Adrian Marty absolviert seine Ausbildung beim Werkdienst Spreitenbach.

Adrian Marty absolviert seine Ausbildung beim Werkdienst Spreitenbach.

Michael Hirzel, Mitarbeiter Werkdienst, auch an Hitzetagen im Einsatz für die Gemeinde Spreitenbach.zVg

Michael Hirzel, Mitarbeiter Werkdienst, auch an Hitzetagen im Einsatz für die Gemeinde Spreitenbach.zVg

Gemäss Meteo Schweiz herrscht erneut eine «markante Hitzewelle». Wie die Mitarbeitenden des Werkdiensts in den Gemeinden Spreitenbach und Würenlos damit umgehen.

«Anstrengende Arbeiten werden auf die Morgenstunden verlegt und es wird auf Sonnenschutz und Trinkmenge geachtet», schreibt die Gemeinde Würenlos auf Anfrage. «Sonnenschutz mit Faktor 50», fügt Viktor Ott an, Abteilungsleiter Infrastruktur und Betrieb in Spreitenbach. Während in Würenlos die normalen Arbeitszeiten gelten, werden sie in Spreitenbach individuell angepasst, je nach Arbeit. «Bei Arbeiten, die in der Hitze ausgeführt werden müssen, machen Mitarbeitende auch mal bereits um 15 Uhr Feierabend und kompensieren Gleitzeit», so Ott. Etwa bei Tätigkeiten auf der Strasse, «wenn die Hitze von unten und oben brennt».

Ott hat Verständnis für die zehn Mitarbeitenden des Werkdiensts, er hat selbst einmal eine Maurerausbildung absolviert und im Strassenbau gearbeitet. «Solche Hitzewellen gab es schon immer. Aussergewöhnlich ist die frühe Trockenheit. Wir begannen bereits im Mai mit Bewässern.»

Früh am Bewässern

Mittlerweile werde in Gemeinden darauf geachtet, dass naturnah bepflanzt wird, das senkt auch den Wasserverbrauch. «Kreiselbepflanzung mit Wechselflor sind nicht mehr zeitgemäss», so Ott. Wenn überhaupt noch Blumen gepflanzt werden, sind es Stauden. Die mehrjährigen, krautigen Blütenpflanzen verholzen nicht und treiben im Frühjahr wieder aus.

Gepflegt und bewässert werden sie von Mitarbeitenden des Werkdiensts, die bei dieser Hitze früh in Spreitenbach unterwegs sind. Das sei nicht nur für die Mitarbeitenden gut, sondern auch für die Natur.Die Bewässerungsanlage wird bei der momentanen Hitze bereits um6 Uhr aufgestellt. «Als es vor anderthalb Wochen am Montagmorgen kurz heftig regnete, lief die Bewässerung weiter, weil der Schlauch nur durch den Wasserdruck eingerollt werden kann. Prompt gab es Reklamationen aus der Bevölkerung», sagt Viktor Ott. Er habe die Anrufer dann beruhigt, erklärt er lachend: «Wir bewässern natürlich nicht, wenn es regnet. Es war einzig und allein, um den Schlauch einrollen zu können.»

Reduzierter Wasserlauf der Brunnen

Im Moment gibt es weder in Spreitenbach noch in Würenlos Einschränkungen beim Bewässern. Auch die Brunnen laufen noch. In Würenlos wird ein Teil der Brunnen direkt durch eigene Quellen gespeist und ist nicht an das Trinkwassernetz der Gemeinde angeschlossen. Bei den übrigen Brunnen wurde der Wasserlauf teilweise reduziert; einzelne Anlagen wurden zudem mit Zeitschaltuhren versehen. Damit wird der Wasserverbrauch der Situation angepasst.

Auch in Spreitenbach ist die Devise: «So wenig wässern wie möglich, so viel wie nötig.» Die Wasserknappheit wirkt sich meistens zeitverzögert aus. «Komplett aufs Bewässern zu verzichten, ist nicht sinnvoll. Wenn verdorrte Pflanzen ersetzt werden müssen, braucht es bei der Neubepflanzung viel mehr Wasser», so Ott.

Seltene Pflanzen und Neophyten

In Spreitenbach werden die Mitarbeitenden auch im Umgang mit naturnahem Unterhalt geschult. Denn sie sind auch für den Unterhalt von Wiesenflächen zuständig, wo teilweise seltene Pflanzen vorkommen. Etwa beim Waldeingang Schürmatt. Auf der rund 500 m² grossen Wiese wachsen Fuchsfingerwurz, Mückenhandwurz und Grosses Zweiblatt. Die drei Orchideenarten wachsen wild. Auch Raritäten wie der Bienenragwurz sind vorhanden. «In Kursen lernen die Mitarbeitenden den Umgang damit und auch, wie Neophyten bekämpft werden.»

Ein Würenloser Einwohner hat sich kürzlich daran gestört, dass im Dorf die Weissen Wegwarten «komplett wegrasiert» wurden. Er wies darauf hin, dass diese Blumen extrem selten sind und durch das Mähen auch viele Insekten fliehen müssen. Darauf angesprochen, schreibt die Gemeinde Würenlos: «Mit dem Mähen wird in der Regel bis zum 15. Juni zugewartet, ist die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet, wird früher gemäht.» Es gebe keine Flächen, wo bewusst aufs Mähen verzichtet wird. Wegen der hitzebedingt verdorrten Flächen wird im Moment aber weniger gemäht.

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