Struktur und Sinn dank neuem Littering-Projekt

Das Littering-Projekt soll Sozialhilfebezüger zurück in die Arbeitswelt führen: Neu nehmen auch Asylsuchende teil.

Zwei Sozialhilfebezüger säubern den Schulhausplatz. Die Arbeit gibt ihnen eine Tagesstruktur zurück. Barbara Scherer
Zwei Sozialhilfebezüger säubern den Schulhausplatz. Die Arbeit gibt ihnen eine Tagesstruktur zurück. Barbara Scherer

Zigarettenstummel, alte Dosen und Kaugummis – in der grünen Tonne hat sich schon viel Müll angesammelt. Mit Greifzangen und Handschuhen ausgestattet, räumen Sozialhilfebezüger in Neuenhof Abfall weg: Vor zwei Jahren lancierte die Gemeinde das Pilotprojekt «Littering». Zuvor wurden Menschen, die Sozialhilfe beziehen, extern beschäftigt. Neu haben auch Asylsuchende an dem Projekt teil.

«Mit dem Littering-Projekt konnte die Gemeinde rund 100000 Franken Sozialhilfekosten einsparen», sagt Andreas Muff, Ressortvorsteher Soziales. Dies entspreche knapp einem Steuerprozent. Zudem kann die Gemeinde die Sozialhilfebezüger besser kennenlernen und einschätzen: Schwächen und Stärken der einzelnen Personen werden ermittelt. «Das macht es einfacher, jemanden gezielt für den Arbeitsmarkt zu fördern», erklärt Michael Stadelmann, Projektleiter und stellvertretender Leiter der sozialen Dienste. Im direkten Kontakt können Probleme besser ermittelt werden, die den betroffenen Personen zu schaffen machen in der Arbeitswelt. So haben neun von gesamthaft 30 Teilnehmern seit 2015 wieder einen Job gefunden.

«Das Projekt gibt den Menschen in erster Linie Struktur und Sinn zurück», sagt Stadelmann. Denn die meisten Sozialhilfebezüger wollen arbeiten. «Manche können nicht und viele finden einfach keine Stelle», so Stadelmann weiter.

Am Littering-Projekt dürfen die Sozialhilfebezüger nur drei Monate mitwirken. Dann erhalten sie ein Arbeitszeugnis. «Es dauert nicht länger, weil es nicht genug Arbeit gibt. Und es sollen alle Sozialhilfebezüger, die können, einmal mitmachen», erklärt Stadelmann.

Wer anschliessend keinen Job findet, kann am Arbeitgeber-Klienten-Konzept teilnehmen. «Dort werden Praktika vermittelt bei Unternehmen. Wobei die Sozialhilfe die Kosten deckt», erklärt Andreas Muff. Ziel sei es, dass die Firmen die Personen anschliessend einstellen.

Zu Beginn waren Littering-Teams nur am Bahnhof und rund um die Schule unterwegs. Seit anfang Mai wird samstags zusätzlich an der Limmat «gefötzelt». Dann nehmen auch Asylsuchende teil.

«Von acht Personen sind am ersten Samstag gleich fünf aufgetaucht. Das Interesse ist gross. Die Asylsuchenden wollen arbeiten», sagt Michael Stadelmann. Mit dabei ist immer ein Sozialhilfebezüger aus dem regulären Littering-Team. «Asylsuchende sollen Anschluss finden und sich integrieren», erklärt Stadelmann.

Das Pilotprojekt läuft noch bis Ende Jahr. Dann muss der Gemeinderat entscheiden, ob das Projekt weitergeführt wird. «Bisher spricht alles für das Littering-Projekt», sagt Andreas Muff und fügt an: «Die Steuerzahler sehen, dass das Geld der öffentlichen Hand sinnvoll eingesetzt wird.»

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