So leben Flüchtlingsfamilien künftig in der Webermühle
Die neue kantonale Asylunterkunft in der Webermühle in Neuenhof ist bezugsbereit. Vor der Inbetriebnahme konnten die zwei Containerhäuser für 120 Personen besichtigt werden.
Wo sich bis vor Kurzem noch eine Wiese neben der historischen Villa Ermitage befand, stehen heute zwei Containerhäuser, ein Spielplatz und neu angelegte Wege. Ab Anfang Juli wird die Webermühle zum neuen Zuhause für bis zu 120 Geflüchtete. Dann ziehen die ersten Familien aus der kantonalen Asylunterkunft an der Stockstrasse in Neuenhof in die neue Siedlung um. Der Umzug erfolgt, weil am bisherigen Standort bald ein Wohnbauprojekt mit 51 Wohnungen realisiert wird. Die neue Anlage in der Webermühle ist deshalb als Übergangslösung für fünf Jahre vorgesehen.
Kurz vor der Inbetriebnahme gewährt der Kantonale Sozialdienst am Samstagvormittag einen Einblick in die Unterkunft. Für Rudolf Peschel von der Altura RE AG, der Eigentümerin des Areals, ist die Zwischennutzung sinnvoll. «Bis unser Bauprojekt umgesetzt werden kann, vergehen noch einige Jahre. Es wäre schade gewesen, wenn das Gelände während dieser Zeit brachliegen würde», sagt er. Der Weg bis zur Realisierung war allerdings anspruchsvoll. Gegen das Baugesuch gingen drei Einwendungen ein, die zuerst bereinigt werden mussten.
Unterkunft ist zweckmässig
Die Anlage selbst wirkt schlicht und funktional. Jede der vier Wohneinheiten bietet Platz für 15 Personen. Herzstück ist ein Gemeinschaftsraum mit Küche, Esstischen, Sofaecke und Fernseher. Daran schliessen fünf Schlafzimmer mit jeweils drei Betten an. Hinzu kommen Nasszellen und eine Nische mit Waschmaschinen und Tumbler. «Die Unterkunft ist zweckmässig, aber kein Luxus», sagt Regierungsrat Jean-Pierre Gallati (SVP), der beim Rundgang für Presse und Bevölkerung dabei ist.
Neu ist für die meisten der künftigen Bewohnenden die Wohnform. An der Stockstrasse verfügten sie über eigene Wohnungen. Künftig teilen sich mehrere Familien Küche und Aufenthaltsraum. «Das wird für viele eine Umstellung sein», sagt Betreuer Julian Bakri. Für das Betreuungsteam bringe die neue Struktur jedoch Vorteile, weil sie eine bessere Übersicht biete.
Auf geplante Schulräume in der Villa Ermitage wird verzichtet
Nach dem Umzug von der Stockstrasse bleiben vier Zimmer frei. Diese sollen möglichst noch vor Ende der Sommerferien besetzt werden. «So können neu ankommende Kinder direkt in Neuenhof eingeschult werden», erklärt Julia Ringger. Sie ist die Leiterin Betreuung der neuen kantonalen Asylunterkunft. Auf ursprünglich geplante Schulräume in der Villa Ermitage verzichtet der Kanton inzwischen. Alle schulpflichtigen Kinder besuchen bereits die Schule in Neuenhof, ein Einschulungsvorbereitungskurs ist deshalb nicht nötig.
Wie lange die Familien in der Webermühle bleiben werden, lässt sich nicht vorhersagen. «Sie wohnen hier, bis über ihr Asylgesuch entschieden ist. Das kann einige Monate dauern», sagt Ringger.
Damit aus der Containersiedlung möglichst rasch ein Quartier auf Zeit wird, will sich auch die Nachbarschaft engagieren. Der Quartierverein Webermühle hat bereits seine Unterstützung angekündigt und möchte Deutschkurse sowie Begegnungsangebote organisieren. So soll der Neustart für die Familien nicht nur unter einem neuen Dach, sondern auch in einem neuen Umfeld gelingen.




















