Die Hitze führt zu Kreislaufproblemen
Die Hitze setzt besonders Menschen über 70 zu. Die Spitex Wettingen-Neuenhof empfiehlt, viel zu trinken. Bisher blieben hitzebedingte Todesfälle oder akute Notfälle aus.
Die Spitex Wettingen-Neuenhof reagiert nicht erst bei Hitzewarnungen, sondern bereits, wenn die Temperaturen über 25 Grad ansteigen. Monica Schnellmann, Bereichsleiterin Kern- und Spezialdienste, sagt, was im Umgang mit der Hitze wichtig ist.
Gab es infolge der Hitzewelle Todesfälle oder Notfälle bei Patientinnen und Patienten der Spitex Wettingen-Neuenhof? Monica Schnellmann, Bereichsleiterin bei der Spitex Wettingen-Neuenhof: Nein, bei uns kam es zu keinen hitzebedingten Todesfällen oder akuten Notfällen. Vereinzelt haben wir Kreislaufprobleme wie Schwindel, Schwäche, Blutdruckschwankungen oder Beinödeme festgestellt. Zudem beobachteten wir vermehrt Müdigkeit und Anzeichen von Flüssigkeitsmangel. Diese konnten wir frühzeitig auffangen und begleiten. In Einzelfällen wurde eine ärztliche Abklärung notwendig. Wir haben unseren Klientinnen und Klienten auch die vom Gesundheitsdepartement zur Verfügung gestellten Trinkgläser verteilt. Sie sollen helfen, dran zu denken, wie wichtig es jetzt ist, viel zu trinken und den Körper zu kühlen.
Welche Personen haben am meisten Mühe mit der Hitze? Ältere und alleinlebende Personen litten unter den hohen Temperaturen. Vor allem Menschen mit chronischen Erkrankungen, eingeschränkter Mobilität oder einem reduzierten Durstempfinden waren stärker betroffen.
Warum sind ältere Menschen besonders gefährdet? Durch den Abbau von Muskelmasse kann der Körper weniger Wasser speichern und das Durstgefühl setzt oft verzögert ein. Flüssigkeitsmangel kann zu Schwindel, niedrigem Blutdruck und allgemeiner Schwäche führen. Das wiederum kann die Gangsicherheit beeinträchtigen und das Sturzrisiko deutlich erhöhen.
Welche Massnahmen treffen die Spitex-Mitarbeitenden bei der momentanen Hitze? Spätestens bei anhaltend warmen Tagen ab etwa 25 Grad beginnt die verstärkte Sensibilisierung im Alltag. Wir achten auf ausreichende Flüssigkeitsaufnahme, eine angepasste Tagesstruktur und beobachten den Gesundheitszustand der Klientinnen und Klienten.
Daneben erinnern wir sie regelmässige ans Trinken und helfen wenn nötig bei der Flüssigkeitsaufnahme. Gleichzeitig achten wir darauf, die Wohnräume möglichst kühl zu halten, etwa durch Lüften am Morgen und Abend sowie Abdunkeln während des Tages. Leichte Kleidung und einfache kühlende Massnahmen wie feuchte Tücher sorgen zusätzlich für Entlastung. Wir beziehen auch vermehrt Angehörige ein, beim regelmässigen Trinken zu unterstützen.
Welche Rolle spielt die Ernährung bei grosser Hitze? Wir empfehlen, gelegentlich salzhaltige Lebensmittel wie Bouillon oder Snacks einzunehmen, um den Mineralstoffhaushalt auszugleichen. Unser Mahlzeitendienst gewährleistet eine zuverlässige Versorgung mit ausgewogenen warmen Mahlzeiten auch während Hitzeperioden. Sowohl Essen als auch Getränke sollten idealerweise lauwarm sein. Heisses Essen wärmt den Körper zusätzlich auf, während eiskalte Gerichte und Getränke den Kreislauf belasten, weil der Körper die Temperatur ausgleichen muss.
Wie viel Flüssigkeit sollen Senioren zu sich nehmen? Gemäss den Empfehlungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) sollten ältere Menschen regelmässig und ausreichend trinken. Idealerweise rund 1,5 Liter pro Tag und über den Tag verteilt. Das Departement Gesundheit und Soziales (DGS) weist darauf hin, dass bereits fünf Gläser Flüssigkeit täglich eine wichtige Grundlage darstellen. Insbesondere bei Hitze empfiehlt das BAG, die Trinkmenge – sofern keine medizinischen Einschränkungen bestehen – zu erhöhen und die Flüssigkeit in kleineren, regelmässigen Portionen über den Tag verteilt aufzunehmen.
Ist ab Ende der Hitzeperiode wieder Normalbetrieb? Auch nach der offiziellen Hitzestufe bleibt die Spitex aufmerksam. Gerade bei älteren oder erkrankten Menschen kann sich die Belastung verzögert zeigen. Deshalb werden Massnahmen wie Trinkerinnerungen und Beobachtung weiterhin situativ fortgeführt.
Dies ist wichtig, da Flüssigkeitsmangel auch nach Hitzetagen zu Kreislaufproblemen führen und das Sturzrisiko erhöhen kann.
Ist es dieses Jahr besonders herausfordernd oder nicht? Die wiederkehrenden Hitzeperioden waren spürbar belastend. Dank frühzeitiger Sensibilisierung, guter Vorbereitung und bewährter Abläufe konnte die Situation jedoch gut bewältigt werden. Aufgrund des engen Kontakts erkennen unsere Mitarbeitenden gesundheitliche Veränderungen frühzeitig und können rasch reagieren.
Tipps der Spitex
• Regelmässig trinken, auch ohne Durstgefühl; Getränke in ausreichender
Menge in Griffweite bereitstellen
• Körperliche Anstrengung vermeiden
• Leichte, gut verdauliche Mahlzeiten bevorzugen
• Hitze meiden, sich im Schatten oder in gekühlten Innenräumen
aufhalten
• Wohnräume möglichst kühl halten;
• Auf Warnzeichen wie Schwindel, Verwirrtheit oder Schwäche
frühzeitig reagieren
• Den Spitex-Notruf (Notfallknopf) oder ein Mobiltelefon stets in
Reichweite halten, um im Notfall rasch Hilfe rufen zu können
• Bei Unwohlsein nicht zögern, Unterstützung in Anspruch zu nehmen
und sich bei Angehörigen, der Spitex oder beim Arzt zu melden.






