Seine Ämter übt er sehr lange aus

Die ersten Protokolle tippte er auf dieser Schreibmaschine. ihk

Die ersten Protokolle tippte er auf dieser Schreibmaschine. ihk

Franz Mazenauer sitzt an seinem Bürotisch im Keller. Irene Hung-König

Franz Mazenauer sitzt an seinem Bürotisch im Keller. Irene Hung-König

Während 48 Jahren gehörte Franz Mazenauer der Werkkommission Elektrizität Wasser Neuenhof an. Nun tritt er zurück.

Eine Schreibmaschine, auf welcher er früher die Protokolle tippte, steht in seinem «Büro», ebenso Telefone mit Wählscheibe sind hier ausgestellt. Auch unzählige Ordner mit gesammelten Protokollen, fein säuberlich nach Jahren aufgelistet, befinden sich in Franz Mazenauers Reich – im Kellerabteil des Wohnblocks.

Nach fast einem halben Jahrhundert als Aktuar der früheren Gemeindewerke Neuenhof Elektrizität und Wasser und seit 2020 von Elektrizität Wasser (EWN) hört der 83-Jährige nun auf. Mit ihm auch die nicht mehr zu den Gemeinderatswahlen angetretene ehemalige Frau Vizeammann Petra Kuster Gerny.

Unzählige Protokolle hat er getippt. Sein Anspruch: «Es war immer mein Ziel, dass auch einer, der nicht an der Sitzung war, meine Protokolle lesen kann.» Und: «Mir war in jedem Verein wohl als Nummer 2. Ich konnte viel mehr bewegen.» Aktuar war er bereits 1963, als in seiner Gemeinde in Zürich ein Aktuar für den Pfarreirat gesucht wurde.

Wohnung in Neuenhof gefunden

Dass die Zürcher Franz und Heidi Mazenauer überhaupt nach Neuenhof kamen, war der schon damals vorherrschenden Wohnungsnot in den 70er-Jahren geschuldet. Sie fanden keine Wohnung. Zufällig kannten Freunde den Baumeister Regensburger aus Neuenhof und erzählten von einer 3,5-Zimmer-Wohnung. «Wir mussten die Wohnung am selben Abend anschauen, da die Frau, die dort wohnte, am nächsten Tag ihr erstes Kind zur Welt bringen würde», erzählt Mazenauer die Episode. So nahm er den Ortsplan hervor, um zu sehen, wo dieses Neuenhof überhaupt liegt. Die Wohnung lag an der Weststrasse mit Ausblick auf die Autobahnausfahrt. Schliesslich zog das Paar ein.

Baumeister Regensburger war bei der SVP. Da die damalige Zürcher CVP Mazenauer nicht mutierte als in Neuenhof Wohnhafter, ging er zur SVP. «Sonst wäre ich heute wahrscheinlich bei der Mitte», sagt er. 1977 schliesslich kam die Anfrage, dass dringend jemand in der EW-Kommission als Aktuar gesucht werde. «Da hat es mir den Ärmel reingenommen», gesteht er. «Wir wurden vom Gemeinderat gewählt. Früher waren es sicher 20 Kommissionen. Ich hörte aus dem Gemeindehaus, dass ich der beste Aktuar sei, man könne meine Protokolle lesen.» Zu seinen Aufgaben gehörte auch das Bestellen von Stromzählern: Der damalige Werkleiter, Eugen Monn, habe ihm handgeschriebene A4-Blätter gegeben mit den Bestellungen darauf.

Es gibt noch andere Ämtli

«Die Arbeit hat mir immer sehr viel Spass gemacht. Trotz des Ausscheidens aus der Werkkommission wird es ihm nicht langweilig: Franz Mazenauer arbeitet auch für die Aufgabenhilfe an der Schule Neuenhof, macht dort die Buchhaltung. «Ist ein mühsamer Job, wenn ich die Eltern für die Rechnung mahnen muss. Ich weiss ja nicht, was dahintersteckt.» Er zeigt auf die Wand hinter sich: Dort hängen Ausdrucke der SVP Neuenhof, der Trachtengruppe Eigenamt sowie von «Musik für alle». Auch hier hat sich der 83-Jährige verpflichtet.

Lange Karrieren

Überhaupt hat es der passionierte Pfeifenraucher und SVP-Politiker mit den langen Amtszeiten: 48 Jahre bei der EWN, 12 Jahre lang Bezirksrichter, während 15 Jahren Mitglied der Finanzkommission und bis zu seinem 59. Lebensjahr Angestellter bei der Swisscom. Dort wurde er aufgrund seines Alters entlassen. Danach fing seine Laufbahn als Bezirksrichter an. Diesen Job musste er 2013 erneut aufgrund der Altersbegrenzung von 70 Jahren aufgeben. Damals hätte er gern noch weitergemacht.

Franz Mazenauer spricht auch mit Stolz über seine Familie, die beiden Kinder und die Enkel. «Wir haben glückliche Kinder und Enkel, das kann man heute nicht mehr so steuern», sagt er. Aufgewachsen ist er mit vier Geschwistern in Zürich, schon früh engagierte er sich in der Pfarrei und in der Jungwacht als Scharleiter.

Seine berufliche Karriere führte ihn vom Elektroinstallateur zur Telefonie bei der damaligen PTT. Ein «Bsetzistein» erinnert an das Millennium, zu welchem alle Angestellten ein solches Geschenk erhalten hatten.

Zurück in die Gegenwart: Franz Mazenauer gefällt, dass mit der Photovoltaikanlage auf dem Schulhaus Schibler ein schönes Projekt gelungen sei. Ebenso unterstützt er die politische Richtung von Energieminister Albert Rösti (SVP), der sich für den Bau neuer Kraftwerke einsetzt.

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