Schon 100-Jahr alt: Die SP feiert ihr Jubiläum

Mit Generalversammlung am Donnerstag, 22. März, feiert die SP-Ortspartei ihren 100. Geburtstag. Der Präsident blickt zurück.

Geri Röthlisberger mit dem Zeitungsausschnitt vom Besuch des Bundesrats Moritz Leuenberger. Melanie Bär
Geri Röthlisberger mit dem Zeitungsausschnitt vom Besuch des Bundesrats Moritz Leuenberger. Melanie Bär

Während des Ersten Weltkriegs herrschte vielerorts Elend und Armut. «Viele haben sich von der sozialdemokratischen Bewegung eine bessere Zukunft erhofft», sagt Geri Röthlisberger, Präsident der SP Neuenhof. Aus diesem Grund wurde im Jahr 1917 auch in Neuenhof eine SP-Ortspartei gegründet. Und tatsächlich konnten die Sozialdemokraten einiges bewirken.

Mit einem Generalstreik machten sie auf Anliegen aufmerksam: den Achtstundentag, die Abschaffung der Kinderarbeit in den Fabriken und die Forderungen nach einer Alters- und Hinterbliebenenversicherung (AHV) und besseren Lebensbedingungen der Angestellten. Knapp tausend Einwohner zählte Neuenhof damals. Davon traten 40 Personen, also fast jeder 20., der SP-Ortspartei bei.

Überalterung ist ein Problem

Vor 30 Jahren wurde Geri Röthlisberger zum Präsidenten gewählt. «Damals waren wir 70 Mitglieder, heute noch 20», sagt er. Nach dem Rücktritt von Hanspeter Benz ist die SP seit diesem Jahr erstmals nicht mehr im Gemeinderat vertreten und auch nicht in Kommissionen.

Röthlisberger glaubt, dass der Mitgliederschwund einerseits an der Überalterung der Partei und andererseits am häufigen Wohnortwechsel der heutigen Generation liegt. «Viele Junge bleiben nur kurz in Neuenhof und ziehen dann wieder um.»

Die Vereinsmitglieder warben in Inseraten und an Anlässen für Neumitglieder. Doch erfolglos. «Die Jungen haben wohl anderes zu tun. Und die Politik ist tatsächlich nicht immer nur Vergnügen», sagt der pensionierte Ingenieur.

Bundesrat Moritz Leuenberger getroffen

Doch das Politisieren bringe auch viel Positives mit sich, so der 81-Jährige. Zum Beispiel interessante Begegnungen.

Ein Highlight war der Besuch des damaligen Bundesrats Moritz Leuenberger in der Festwirtschaft der SP am Baregg-Fest. «Ich habe ihm geschrieben und ihn eingeladen und er kam, obwohl viele daran zweifelten», sagt Röthlisberger. Auch mit Grossräten, Regierungsräten und Nationalräten ist er als Parteipräsident immer mal wieder im Austausch.

Noch immer bedauert Geri Röthlisberger, dass die Neuenhofer 1997 den Einwohnerrat abgeschafft und 1998 die Gemeindeversammlung eingeführt haben. «Die Geschäfte wurden im Einwohnerrat sorgfältiger behandelt.»

Auch wenn die Anliegen, für die sich die SP heute einsetzt, nicht mehr diese Tragweite haben wie in der Anfangszeit, so brauche es die Partei trotzdem: «Es erwarten uns Auseinandersetzungen wie finanzielle Ungleichheit, Krisen, Diktatoren oder die Klimaveränderung.»

Er hofft, dass sich neue, junge Kräfte damit befassen werden. Er möchte das Präsidentenamt gerne abgeben, findet jedoch keinen Nachfolger. «Wenn es so weitergeht, wird es die Partei in Neuenhof irgendwann nicht mehr geben.»

Doch noch ist es nicht so weit. Heuer wird erst mal das 100-Jahr-Jubiläum gefeiert. Unter den Gästen an der heutigen Generalversammlung sind auch Nationalrätin Yvonne Feri und die Zürcher Stadträtin Karin Rykart, die in Neuenhof aufgewachsen, aber auch weggezogen ist.

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