«Lehrer sind heute Eventmanager»

Eine Ära geht zu Ende: Käthi Häfliger und Heinz Ackle verlassen die Schule Neuenhof nach über 40 Jahren.

Käthi Häfliger und Heinz Ackle lassen sich nach mehr als 40 Jahren an der Schule Neuenhof pensionieren. bsc
Käthi Häfliger und Heinz Ackle lassen sich nach mehr als 40 Jahren an der Schule Neuenhof pensionieren. bsc

«Das ist unser Rückzugsort», sagt Käthi Häfliger (65) und zündet sich eine Zigarette an. Zusammen mit Heinz Ackle (63) sitzt sie auf Gartenstühlen zwischen dem Schulhaus Zentrum 5 und der Turnhalle. Hinter ihnen steht ein weisses Zelt mit Tischen und Stühlen drin. Auf einem Holzregal thront eine Kaffeemaschine. «Das ist das erweiterte Lehrerzimmer, wo wir auch rauchen können», sagt Ackle und lacht. Hinter ihm steht ein Regal voller Bretter: das Depot für den Werkunterricht.

Über 40 Jahre lang sind Häfliger und Ackle in Neuenhof als Realschullehrer tätig. Dabei haben sich die beiden als besonders engagierte Lehrer ausgezeichnet: Es waren ihre Klassen, die im Filmprojekt über Cybermobbing mitgewirkt haben.

2015 haben Schüler an der regionalen Jugendsession «Megafon» in Baden den Wunsch geäussert, einen Film zum Thema Cybermobbing drehen zu wollen. Zeitgleich wurden Häfliger und Ackle auf den Dokumentarfilmer Peshraw Nabard Mirza aufmerksam. Er ist als irakischer Asylsuchender nach Neuenhof gekommen. «Wir haben Mirza dann eingeladen», sagt Ackle. Eins führte zum anderen: Der irakische Regisseur erklärte sich bereit, ein Projekt mit den Schülern zu verwirklichen.

Dieselben Schüler standen bereits drei Jahre zuvor im Rampenlicht: Auf der Olma in St. Gallen spielten 200 Schüler aus Neuenhof Blockflöte. Den Auftritt haben Häfliger und Ackle organisiert. «Die letzten Jahre waren sehr ereignisreich», so Häfliger.

Fest steht, die beiden sind mit Herz und Seele Lehrer. Bereits in den 90er-Jahren probierten sie im Rahmen eines Pilotprojekts neue Lehrformen in Neuenhof aus. «Wir haben damals einen Klassenrat und den Atelierunterricht eingeführt», erklärt Ackle. Alters- und klassendurchmischt können die Schüler verschiedene Kurse für ein Semester besuchen. Häfliger: «So lernen sich die Kinder kennen und es kommt zu weniger Spannungen auf dem Schulhausplatz.»

Schwierige Zeiten, das gäbe es in ihrem Beruf jeden Tag. «Doch wir haben das Glück, dass wir miteinander darüber reden können», so Häfliger. Denn die beiden sind nicht nur ein Lehrerteam, sondern auch ein Paar. Seit über 30 Jahren wohnen sie in Neuenhof zusammen. «Alle fünf bis sechs Jahre haben wir uns auch eine zweimonatige Auszeit gegönnt», so Häfliger. Das habe stets neu motiviert.

Wobei der Lehrerberuf für beide seit jeher ein Traumberuf ist. «Es hat sich aber schon einiges verändert», sagt Ackle. Heute sei ein Lehrer kein reiner Wissensvermittler mehr: «Vielmehr ist man Eventmanager und Lebensfitnesstrainer.» Grund seien die vielen Ablenkungen wie das Smartphone. Ackle: «Es ist eine ‹Subito-Generation›: Alles muss schnell gehen.» Trotzdem gefällt den beiden ihr Beruf noch heute: «Wir sind die Motoren, welche die Schüler motivieren.» Auch würden sie beide die Herausforderung lieben. Häfliger: «Zudem ist das Kollegium in Neuenhof super. Das macht viel aus.»

Und jetzt? «Wir haben noch keine konkreten Pläne», so Häfliger mit einem breiten Lachen. Bereits haben sich die beiden ein Atelier gemietet und einen neuen Camper gekauft. Trotzdem: Dass es jetzt zu Ende ist, sei noch nicht wirklich angekommen. Jetzt müssen die beiden erst einmal aufräumen und ausmisten. «In 40 Jahren staut sich viel Zeug an.» Wohin es dann geht, ist noch offen.

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