Hier sollen alle Kinder Musik lernen – umsonst

Der neue Verein «Musik für alle» will begabten Kindern aus einkommensschwachen Familien den Instrumentalunterricht ermöglichen.

Barbara Zimmerli <em>hat den Verein «Musik für alle» gegründet, sie ist selbst Musiklehrerin in Neuenhof. (Barbara Scherer)</em>

Barbara Zimmerli <em>hat den Verein «Musik für alle» gegründet, sie ist selbst Musiklehrerin in Neuenhof. (Barbara Scherer)</em>

Marina Korendfeld <em>unterrichtet Kinder freiwillig Klavier. (zVg)</em>

Marina Korendfeld <em>unterrichtet Kinder freiwillig Klavier. (zVg)</em>

Gianfranco Gallo <em>unterrichtet Schlagzeug für den Verein. (zVg)</em>

Gianfranco Gallo <em>unterrichtet Schlagzeug für den Verein. (zVg)</em>

Blockflöten haben an der Neuenhofer Grundschule Tradition: Alle Kinder lernen in ihrer Schulzeit das Blasinstrument kennen. Doch im Instrumentalunterricht fehlen die Schüler.

Das wollte die Neuenhofer Musiklehrerin Barbara Zimmerli ändern und gründete im Frühling den Verein «Musik für alle». Dieser soll begabten Kindern aus einkommensschwachen Familien den Instrumental- oder Gesangsunterricht ermöglichen – umsonst.

Viele scheitern bereits an der Anmeldung

Der Instrumentalunterricht in Neuenhof ist zwar subventioniert, aber: «Viele Eltern mit geringem Einkommen oder Migrationshintergrund verstehen das Subventionssystem nicht», erklärt Zimmerli. Daher würden die Unterlagen für die Musikschule dann meist direkt im Abfalleimer landen.

Hier will der neue Verein eingreifen: Schüler, die durch ihre musikalische Begabung im Schulunterricht auffallen, werden motiviert, den Musikunterricht zu besuchen.

«Dabei soll der Verein in keiner Weise eine Konkurrenz zum Musikschulunterricht darstellen», erklärt Renate Baschek, Gesamtschulleiterin Neuenhof. Sie steht hinter dem neuen Verein und setzt sich aktiv dafür ein. Oft bestehe die Hürde bereits in der Anmeldung für die Musikschule. «Der Verein ‹Musik für alle› soll den Zugang zum Musikunterricht so einfach wie möglich machen», erklärt Baschek.

Fleiss wird belohnt

Dürfen auch Kinder ohne grosse Musikbegabung von dem Vereinsabgebot profitieren? «Begabte Kinder ist ein schwieriger Begriff. Talent ist gut, aber auch aus Fleiss kann eine Begabung hervorgehen», sagt Barbara Zimmerli.

Üben sei ein Muss für alle Kinder, die von dem Angebot profitieren wollen. Schliesslich unterrichten die Lehrpersonen die Kinder ehrenamtlich.

Wer ohne Grund aufhört zu üben, wird nach einer Weile vom Verein ausgeschlossen. «Schliesslich gibt ein tägliches Spielen des Instrumentes auch eine gewisse Tagesstruktur», so Zimmerli. Auch sei bewiesen, dass Kinder, die regelmässig musizieren, in der Schule bessere Leistungen erbringen.

Ortsbürger und Stiftung unterstützen den Verein

Finanziell startet der Verein mit einem guten Grundkapital: Die Ortbürgergemeinde Neuenhof unterstützt den Verein mit 2000 Franken. Weitere 5000 Franken hat die Voser-Dümelis-Stiftung gesprochen.

«Die Spenden nutzten wir für die Bezahlung der Mietinstrumente», erklärt Barbara Zimmerli. Wie sich der Verein finanziell weiterentwickeln wird, ist noch nicht klar.

Bisher haben sich neben Barbara Zimmerli drei weitere Personen bereit erklärt, auf freiwilliger Basis Kinder zu unterrichten. Einer von ihnen ist Barbara Zimmerlis Ehemann: Erich Zimmerli. Er bietet Chorsingen an. Wobei bereits 50 Kinder dem Chor beigetreten sind. «Das zeigt, dass das Bedürfnis nach Musikunterricht in Neuenhof vorhanden ist.»

Eine Herausforderung stelle nun die Suche nach weiteren Lehrpersonen mit einer Musikausbildung dar. Denn der Verein bietet keine Bezahlung an. Barbara Zimmerli: «Ich könnte mir aber vorstellen, dass unser Angebot für pensionierte Musiklehrer interessant sein könnte.»

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