Gemeinde sagt ja zu Hochhäusern im Dorf

Knapp zwei Stunden diskutierten die 200 Stimmbürger an der Gemeindeversammlung über Hochhäuser und die Umzonung Bifang. Der Hochhausstandort bleibt, umgezont wird hingegen nicht.

Blick auf Neuenhof. (AZ Archiv)
Blick auf Neuenhof. (AZ Archiv)

Die ersten fünf Traktanden wurden fast diskussionslos grossmehrheitlich durchgewinkt. Danach wurde es emotional. Die Stimmbürger hatten nochmals über drei Rückweisungsanträge zu befinden, die an der Gmeind im März 2017 überwiesen worden waren.

Mit 164 Ja zu 133 Nein blieb der Antrag der IG «wohnliches Neuenhof», der sich gegen die Empfehlungen des Gemeinderats wehrte, chancenlos. Insbesondere bei der Höhe der Häuser beim Bahnhof und der Umzonung der drei Parzellen im Bifang von Zone öffentliche Bauten und Anlagen in die Wohnzone waren sich die Anwesenden allerdings uneinig, was im Vorfeld zu langer Diskussion führte.

Regelwerk für die nächsten 15 Jahre

Nicht so bei der Regelung der kleinen Grenzabstände. Dort folgte der Gemeinderat dem Antrag und empfahl, sie gemäss alter Bau- und Nutzungsordnung (BNO) zu belassen, was die Stimmbürger grossmehrheitlich mit drei Gegenstimmen annahmen.

Bevor Gemeinderat Fred Hofer die Diskussion eröffnete, wies er nochmals auf die Wichtigkeit dieser Gesamtrevision Nutzungsplanung Siedlung und Kulturland hin, wobei am Montagabend nur noch die Themen der drei Rückweisungsanträge zur Debatte standen.

«Wir reden über ein Regelwerk, das die nächsten 15 Jahre Bestand haben soll», so Hofer. Es gehe darum, zu verdichten, um der durch den Regierungsrat vorgegebenen wachsenden Anzahl Einwohner in Zukunft entsprechen zu können.

200 Leerwohnungen im Dorf

Margrit Pfister gab zu Bedenken, dass in Neuenhof 200 Wohnungen leer stünden. Hofer entgegnete, dass dies vorwiegend alte Wohnungen und solche in der Webermühle seien und sie trotzdem nicht für die berechnete Anzahl Einwohner reichen würden.

Die Wohnungen waren jedoch nicht der Hauptgrund für Pfisters emotionale Äusserungen, sondern die Umzonung dreier Parzellen im Bifang. «Die letzte gemeindeeigene Landreserve muss in der Zone für öffentliche Bauten bleiben.

Es soll kein Ausverkauf gemacht werden, nur um die Gemeindekasse kurzfristig zu stopfen», so Pfister. Die Stimmbürger gaben ihr mit 85 Ja und 93 Nein knapp recht und folgten der Meinung des Gemeinderats nicht, der eine Umzonung der südwestlichen Teile der Parzellen 490, 492 und 493 empfohlen hatte.

Hochhäuser lösen gemischte Gefühle aus

Zu noch mehr Emotionen führten die Hochhäuser: Der Gemeinderat schlug der Versammlung vor, den Hochhausstandort an der SBB-Haltestelle beim Bahnhof mit einer maximalen Gesamthöhe von 45 Meter und an den beiden Standorten Zürcherstrasse/Gartenstrasse und Zürcherstrasse/Bifangstrasse mit einer maximalen Höhe von 30 Meter beizubehalten.

«Wollen wir Neuenhof mit einem zusätzlichen Turm noch mehr verschandeln?», fragte Toni Benz von der IG «wohnliches Neuenhof».

«Wenn das Ortsbild verschandelt ist, können wir es nicht mehr rückgängig machen», doppelte Isabella Roth von der IG nach. Iris Baroncelli: «Ich frage mich schon, wollt ihr aus Neuenhof ein Ghetto machen?»

Hochhäuser können Ortsbild neu definieren

Simon Voser hingegen gab zu Bedenken: «Höhere Bauten heisst nicht unbedingt eine schwarze Wand.» «Gerade auch Hochhäuser können das Ortsbild neu definieren und Ausdruck von einer Gestaltung sein», sagte Christoph Güdel.

«Wenn wir die alten Hochhäuser weghaben wollen, dann müssen wir den Investoren etwas bieten», sprach sich Martin Thalmann für die neue Gesamthöhe aus. Georg Ochsner erwähnte, dass es Investoren gebe, die nur darauf warten würden, die alten Häuser abreissen zu können, um neue attraktivere zu bauen: «Sie warten nun schon ein Jahr lang auf die neue BNO.» Mit jeweils über 100 Ja und über 70 Nein folgte die Bevölkerung schliesslich den gemeinderätlichen Empfehlungen.

«Ein demokratischer Entscheid», wertete Fred Hofer, der am Montag seine erste Gemeindeversammlung als Gemeinderat bestritten hatte.

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