Die Bevölkerung möchte mehr leisten – das wird am Alters-Workshop klar

110 Personen diskutierten über das «Wohnen im Alter» in Neuenhof. Dabei kamen auch negative Aspekte zum Vorschein.

110 Personen nahmen am Workshop teil. Total hat die Gemeinde 2500 Einladungen verschickt. Rahel Bühler

110 Personen nahmen am Workshop teil. Total hat die Gemeinde 2500 Einladungen verschickt. Rahel Bühler

So sahen die Plakate der einzelnen Gruppen am Schluss aus.

So sahen die Plakate der einzelnen Gruppen am Schluss aus.

«Das Ziel des Workshops ist es, die Bevölkerung ins Thema miteinzubeziehen», erklärt Gemeinderat Andreas Muff in einer freien Minute am vergangenen Samstag. Er ist für das Ressort Soziales und Gesundheit verantwortlich. Zusammen mit 13 weiteren Neuenhofern ist Muff Teil der Arbeitsgruppe Wohnen im Alter. Diese hat am vergangenen Samstag einen Workshop organisiert. Die Gemeinde hat 2500 Briefe an Einwohner über 55 Jahren verschickt. Zirka 110 Personen sind der Einladung gefolgt.

Die Anwesenden haben zehn Gruppen gebildet. Jede diskutierte folgende Fragen: Was läuft gut am Wohnen im Alter in Neuenhof? Was läuft schlecht? Welche Ideen gibt es, die zur Verbesserung der Situation beitragen können? Welchen persönlichen Beitrag kann jeder dazu leisten?

Während 80 Minuten diskutierten die Teilnehmenden intensiv über diese Themen. Danach präsentierten die Gruppenleiter die Ergebnisse. Die Einwohner bewerteten Aspekte wie öffentlicher Verkehr, Nähe zu Baden oder schöne Naherholungsgebiete als positiv. Auch die medizinische Versorgung und die Einkaufsmöglichkeiten fanden Anklang. Den Workshop selbst bewerteten die Teilnehmenden als positiv.

Negativ äusserten sie sich zum Littering, zur zunehmenden Anonymisierung und vor allem zur fehlenden Koordinationsstelle für Angebote im Alter. «Wir bräuchten eine Stelle, wo wir die Informationen zentral einholen könnten», meinte ein Gruppenleiter. Ein anderer schlug als Sofortmassnahme einen Flyer vor, der alle bestehenden Angebote für Senioren auflistet. Die Neuenhofer bemängelten zudem den nicht vorhandenen Treffpunkt. Dieser müsse generationenübergreifend sein. Sie kritisierten zudem den fehlenden bezahlbaren Wohnraum.

Diese drei Ideen schlugen die Gruppenleiter denn auch am meisten als Anregungen vor: einen Ort, der die Angebote für Senioren zentral koordiniert. Einen Treffpunkt, an dem sich Jung und Alt austauschen und gegenseitig helfen kann. Das Stichwort Nachbarschaftshilfe fiel in diesem Zusammenhang oft: Die Neuenhofer Senioren möchten die Gemeinschaft stärken und den Wissensaustausch fördern. «Wir möchten einen Austausch zwischen Geben und Nehmen schaffen», formulierte es ein Gruppenleiter. Mehrere Gruppen wünschen sich zudem eine Veränderung im Wohnungsangebot: «Wir möchten ein betreutes Wohnen und ein Tageszentrum. Diese sollen zentral, bezahlbar und ruhig gelegen sein», schlug eine Gruppenleiterin vor.

Um diese Vorschläge umzusetzen, sind viele der Anwesenden bereit, Freiwilligeneinsätze zu leisten und generell mehr Engagement zu zeigen. Dieser Punkt hob auch Roland Gunten hervor. Der Mitarbeiter von Pro Senectute ist für den Aargau zuständig und hat den Workshop mitorganisiert. «Die Gemeinde zeichnet sich durch eine hohe Beitragsbereitschaft aus.»

Nun werden die Ergebnisse zusammengefasst. Dann erfasst die Arbeitsgruppe einen Schlussbericht und sendet ihn an den Gemeinderat. Dieser beschliesst Massnahmen. Diese werden wiederum an einer öffentlichen Veranstaltung vorgestellt. «Klar ist: Die Massnahmen werden schrittweise umgesetzt», sagt Gunten.

Andreas Muff zeigt sich zufrieden. Er hätte sich einzig gewünscht, dass mehr Migranten der Einladung zum Workshop gefolgt wären. Denn: «Das Wohnen im Alter betrifft alle.»

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