Abwarten und Beobachten

Abwarten und Beobachten

«Hände weg von Jungvögeln!» – Warum gut gemeinte Hilfe oft schadet Vogelarten wie Amseln, Meisen oder Spatzen verlassen ihr Nest oft, bevor sie fliegen können. Diese sogenannten «Ästlinge» hüpfen am Boden oder in Büschen umher. Was hilflos wirkt, hat System: Verteilt im Gebüsch sind die Jungen für Fressfeinde schwieriger zu finden als gemeinsam im Nest. Die Eltern bleiben in der Nähe und füttern ihren Nachwuchs weiterhin. Fachpersonen warnen vor übereifriger «Rettung»: Wer Jungvögel ohne Not mitnimmt, entzieht sie der Fürsorge ihrer Eltern. In den meisten Fällen ist Abwarten und Beobachten die beste Hilfe.

Patricia Blum, Leiterin Tierrettung der Stiftung Tierrettungsdienst, betont in einer Medienmitteilung: «Der Drang zu helfen ist gross, wenn ein kleiner Vogel piepend am Boden sitzt. Aber in den meisten Fällen wird unsere Hilfe nicht benötigt. Wenn ich mir die Zeit nehme und beobachte, ist die Mutter immer aufgetaucht oder der Kleine ist plötzlich davongeflattert. Das Nichtstun ist meist die grösste Hilfe. Die Aufzucht durch den Menschen ist nicht vergleichbar mit der natürlichen Aufzucht durch die fürsorglichen Vogeleltern.»

Einschreiten sollte man in folgenden Fällen: • Der Vogel ist offensichtlich verletzt oder krank (sitzt apathisch da, schliesst die Augen).• Das Nest wurde zerstört oder die Elternvögel sind tot. • Der Vogel ist noch unbefiedert (Nestling) und das Nest ist unerreichbar. Im Zweifelsfall bietet die Notrufzentrale der Stiftung Tierrettungsdienst unter 0800 211 222 schnelle Beratung. Oft hilft es, Fotos oder Videos zur Beurteilung an die Fachstellen zu senden.

Wichtig: Ein verletzter oder kranker Vogel gehört in eine der offiziellen Pflegestationen der Schweiz. Privatpersonen dürfen Wildtiere rechtlich gesehen nicht behalten oder selbst aufziehen. (LiWe)

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