«Die ‹echte› Polizei würde nie nach Kartencodes fragen»
Die Regionalpolizei Wettingen-Limmattal zieht positive Bilanz nach dem ersten «Bürgerdialog». Und hat ein paar neue «Hotspots».
«Wie Sie sich und andere vor Telefonbetrügen schützen» steht auf einem der Flyer, der am Samstag auf einem Tisch vor dem Wettinger Rathaus und dem Spreitenbacher Gemeindehaus liegt. «Ich hätte nie gedacht, dass mir so was passiert», sagt eine Wettingerin mit Blick auf den Flyer. Tatsächlich sei sie vor einiger Zeit selber von einem solchen Betrüger angerufen worden und habe sofort wieder abgehängt. «Die ‹echte› Polizei würde nie nach Bargeld, Schmuck oder Kartencodes fragen», sagt Polizist David Archer. Er ist der Initiant des «Bürgerdialogs» und ist erfreut, wie viele Anwesende dank Präventionsarbeit bereits überdurchschnittlich gut informiert waren.
Auch wenn die Besucherzahl am ersten «Bürgerdialog» in Wettingen und Spreitenbach– vermutlich aufgrund der Hitze – am Samstag etwas tiefer ausfiel als erwartet, zieht die Repol Wettingen-Limmattal positive Bilanz. Es waren vorwiegend über 60-Jährige, die bei den Polizisten Fragen klärten und Anliegen mitteilten. Der Wunsch nach einer sichtbaren Polizeipräsenz, einer unkomplizierten Erreichbarkeit und einem offenen Ohr für alltägliche Anliegen wird mehrfach geäussert.
Umgang mit Aggressivität
Jemand will wissen, wie man sich gegenüber aufdringlichen, unangemeldeten Handwerkern verhalten soll, die an der Haustüre klingeln. «Wegweisen, bei einem unguten Gefühl das Kontrollschild merken und der Polizei unter 117 sofort melden», lautete der Tipp eines Polizisten. Themen waren auch rücksichtlose E-Scooter-Fahrer auf Trottoirs, Littering und zunehmende Aggressivität und Gewaltbereitschaft unter den Jugendlichen und gegenüber Erwachsenen. Selber nicht aggressiv zu reagieren, wirke deeskalierend, erzählt ein Polizist von seiner Erfahrung.
Die Hemmschwelle abbauen und Beobachtungen sowie Anliegen frühzeitig melden ist eines der Ziele des «Bürgerdialogs». «Viele Bürger wählen den offiziellen Notruf 117 nur, wenn es sich aus ihrer Sicht um einen akuten, lebensbedrohlichen Notfall handelt», weiss Archer und fügt an, dass manchmal auf den ersten Blick belanglos erscheinende Beobachtungen wichtig seien für die Polizei. Gleichzeitig wurde am Austausch aufgezeigt, wo die gesetzlichen Grenzen liegen – etwa bei rein zivilrechtlichen Nachbarschaftskonflikten.
Transparenz und Verständnis fördern
«Wir erhielten wertvolle Hinweise zu Örtlichkeiten in unserem Einsatzgebiet, an denen regelmässig Betäubungsmittel konsumiert werden. Diese Hotspots werden wir aufsuchen», resümiert Archer nach dem Anlass. Er und seine Polizeikollegen freuten sich auch über den Dank, den sie von der Bevölkerung erhielten. Etwa von Mitgliedern der SP Wettingen, die «ihr positives Bild der Arbeit in der Repol bestätigt bekamen», wie sie auf Facebook schrieben. Oder von der Wertschätzung des Spreitenbacher Gemeindepräsidenten Markus Mötteli, der persönlich vorbeikam. Transparenz und gegenseitiges Verständnis will die Repol mit solchen Aktionen stärken. Im August sind die Polizisten in Würenlos und im September in Killwangen und Neuenhof vor Ort.












