Unter uns

Es war 1992, als ich das erste und bislang einzige Mal protestieren ging. Ich fuhr mit meinen Kolleginnen und Kollegen im Zug nach Bern, um gegen die F/A-18-Kampfjets zu protestieren. Angeführt durch die Initiative der GSoA (Gruppe für eine Schweiz ohne Armee) wollten wir dabei sein. Die Proteste verliefen friedlich, wir marschierten einfach hinter den vielen Gleichgesinnten hinterher. Klar ging es für mich auch um das Thema. Denn wenn Kampfjets von einem kleinen Land wie der Schweiz gekauft werden, dann kann es doch zu Kriegsaktionen kommen. Doch das Wir-Gefühl bestärkte mich. Für etwas zu kämpfen, das fühlte sich gut an. Die Befürworterinnen und Befürworter fanden sich ein Jahr später zusammen – insgesamt rund 35 000 Menschen – um für den Kauf zu protestieren.
Und heute? Bilder von Krawallen, Plünderungen und Vandalismus prägen die Schlagzeilen. Was vor zwei bis drei Wochen in Frankreich begonnen hat, artet nun auf schändlichste Art und Weise aus. Was der Beweggrund der Menschen war, die sich auf der Strasse Gehör verschaffen wollten, geht in der von Gewalt und Menschenhass geprägten Szenerie unter.
Eigentlich wundere ich mich, dass die jungen Französinnen und Franzosen nicht schon viel früher auf die Barrikaden gegangen sind: Klassengrössen von 30 Kindern und mehr, keine Lehrkräfte, marode Schulgebäude. Die hohen Lebenshaltungskosten sind weitere Themen, welche die Menschen auf die Strassen treiben. In Zürich und Basel kam es ebenfalls zu Ausschreitungen – durch Krawalltouristen, wie es die Mediensprecherin der Zürcher Kantonspolizei sagte. Dass dabei Menschenleben gefährdet werden, geht diesen «Touristen» offenbar am Allerwertesten vorbei.
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