Unter uns

Kägi fret gibt es im Moment als Sonderedition mit Spinnen- und Hexenmotiv. Mit all den anderen Süssigkeiten liegen sie seit Tagen prominent am Ladeneingang. Es ist schier unmöglich, nicht daran erinnert zu werden, für Halloween Süsses einzukaufen.
Doch woher kommt der Brauch? Als ich in meinem Bekanntenkreis danach fragte, wusste niemand, dass das Wort vom englischen «All Hallows’ Eve», dem Abend vor Allerheiligen, abgeleitet ist. Ebenso wenig war bekannt, dass Allerheiligen ein stiller, christlicher Gedenktag ist.
Vom Ursprung ist an Halloween herzlich wenig übrig geblieben. Über die Jahrhunderte hat sich der Brauch in eine völlig andere, mir unsympathische Richtung entwickelt. Gruselig verkleidete Kinder betteln um Süsses und drohen mit Saurem, falls man sich der Aufforderung widersetzt. Auch wenn das viele fragwürdig finden, landen die Süssigkeiten trotzdem im Einkaufswagen. Schliesslich will man sich keine Blösse geben, wenn es am letzten Oktobertag an der Tür klingelt.
Ich entschied mich bewusst, mit leeren Händen dazustehen, und erkläre den ungebetenen Gästen, warum ich nicht mitmache. Meine Kinder fanden das ziemlich peinlich. Denn auch ihre Freunde standen ab und zu vor unserer Tür.
Doch das nahm ich in Kauf. Denn wer sich für etwas einsetzt, setzt sich aus. Ich will nicht vor lauter Anpassung meine eigenen Werte verlieren. Das Gespräch mit einer Kindergärtnerin hat mich in meinem Handeln bestärkt: Aus Rücksicht auf andere Kulturen darf sie Ostern mit den Kindergärtlern nicht mehr feiern – sie haben es durch ein Frühlingsfest ersetzt. Auch Halloween liefert Gründe, nicht bei allem Neuen mitzumachen. Schon gar nicht, wenn der Ruf nach Saurem in Sachbeschädigungen endet. Da ist mir ein stiller Gedenktag viel lieber. Feedback an melanie.baer@chmedia.ch


