«Das letzte Wort»

Als Meerjungfrau durchs Wasser gleiten? Die Füsse in einer einzigen Flosse zusammengehalten? Als wir auf der Redaktion darüber diskutierten, eine Reportage über das Mermaid-Schwimmen zu machen, war ich zwiegespalten. Einerseits war ich neugierig. Andererseits konnte ich mir nicht vorstellen, warum eine erwachsene Person mit Monoflosse und Fischschwanz schwimmen geht.
Vor Ort stellte ich schnell fest: Ich bin nicht die Einzige mit Vorurteilen. Mermaid-Instruktorin Melanie Da Silva ist immer wieder damit konfrontiert. «Man wird belächelt», sagt sie. Das führte bei ihr anfänglich zu Schamgefühlen. Doch die Freude überwog. Sie war ihr auch anzusehen, als sie sich das farbige Kostüm überzog und in ihrer Rolle als «Meerjungfrau Lusitana» in der Würenloser Badi ins Wasser stieg.
«Es hat etwas Magisches, so durchs Wasser zu gleiten. Ich kann das Elegante, Tänzerische in mir ausleben, kann Alltag und Sorgen hinter mir lassen», fasst sie beim Auftauchen ihre Faszination in Worte. Es werde immer Leute geben, die sie deswegen schräg anschauen. «Doch mittlerweile mache ich mir keine Gedanken mehr darüber. Schliesslich lebe ich für mich, nicht für die andern.»
Wie recht sie hat. Ich bin sicher, die Welt sähe anders aus, wenn die Menschen mehr das täten, wofür sie wirklich brennen. Unabhängig davon, was die anderen davon halten. Vielleicht bietet gerade die Sommerpause die Möglichkeit dafür. Es gibt ja noch andere Möglichkeiten, in die eigene Welt einzutauchen – nicht nur als Meerjungfrau mit Fischschwanz und Monoflosse.Feedback an:
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