«Das letzte Wort»

Ich dachte ich lese nicht richtig, als ich vergangenen Donnerstag auf dem Wiener Riesenrad durch mein Handy scrollte. Hitachi kommt nicht nach Wettingen! Hoch oben über den Dächern der Hauptstadt Österreichs sackte ich innerlich kurz in die Tiefe. Schon lange wartet Wettingen auf den Entscheid. Statt Erleichterung und Freude macht sich Enttäuschung breit.
Wettingen und der Kanton haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den Welt-Konzern vom Standort im Tägerhardächer zu überzeugen. In rekordverdächtigem Tempo wurde geplant, geschuftet, gekämpft. Doch Otelfingen hat nun das Rennen gemacht – mit einem Standort im bestehenden Industriegebiet mit S-Bahn-Haltestelle.
Wettingen und dem Aargau entgehen nicht nur Steuermillionen, sondern auch Arbeitsplätze. Und rund 1000 Stellen in der Region gehen verloren. Denn ab 2030 werden diverse Standorte im neuen Campus in Otelfingen zusammengeführt. Und auch ein Stück Regionalgeschichte endet mit dem Wegzug von Hitachi Energy, die aus einer ehemaligen Stromnetz-Sparte der ABB hervorgegangen ist.
Einzig für Neuenhof und insbesondere Würenlos dürfte der11. Juni ein Freudentag gewesen sein. Die Nachbarn lehnten den Campus in Wettingen ab. Verlust von Grünfläche und Druck auf Immobilienpreise und Verkehr waren die Argumente. Auch wenn der Widerstand wohl nicht entscheidend für die Standortwahl Hitachis war, so hinterlässt er einen faden Beigeschmack. Denn die Verkehrsprobleme sind mit dem Standort in Otelfingen nicht gelöst. Viele der rund 3000 Hitachi-Angestellten werden mit dem Auto über die Furttalstrasse an Wettingen und Würenlos vorbei zur Arbeit fahren.
Für Wettingen ist zu hoffen, dass anderen Weltkonzernen die Entschlossenheit und Tatkraft der Gemeinde nicht entgangen ist. Wie man Gas gibt, haben sie jedenfalls mehr als bewiesen.
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