Millionenprojekte ohne Steuerfusserhöhung finanzieren

Während einer Podiumsdiskussion gab der Gemeinderat vergangene Woche Einblick in die ersten Monate der neuen Legislatur. Er wünscht sich ein bisschen mehr «gesunden Menschenverstand».
Rund ein Dutzend Personen verfolgten am vergangenen Freitag die Podiumsdiskussion, die wegen der Hitze im kühlen Gewölbekeller statt im Werkhofgebäude stattfand. Die Exekutive erklärte, was sie in den ersten Monaten beschäftigt hat und welche Ziele sie verfolgt. Moderiert wurde der Anlass vom ehemaligen Gemeinderat Martin Kreuzmann, dem Präsidenten der Mitte Killwangen. Es ist die einzige Partei vor Ort, die im Gemeinderat vertreten ist. Die Redaktion war vor Ort und fasste Fragen und Antworten zusammen.
Martin Kreuzmann, Mitte-Präsident: Fühlt ihr euch wohl im Gemeinderat? Vizeammann Sami Hashmi (parteilos), Ressort Bildung und Musikschule: Ich fühle mich sehr wohl. Es war ein Glück, dass wir zu dritt neu starten konnten.
Gemeinderat Stefan Thomann (parteilos), Ressort Sicherheit, Öffentlicher Verkehr, Forst- und Landwirtschaft, Gemeindeliegenschaften, Hauswartung, Bauamt, Friedhof und Asylwesen: Ich fühle mich angekommen und die Arbeit macht mir Freude. Die Einarbeitung war allerdings sehr zeitintensiv.
Gemeinderat Roger Gauch (parteilos), Ressort Tiefbau, Strassenverkehr, Elektrizitätsversorgung, ARA, Abfallwirtschaft, Natur- und Umweltschutz, Gewässer, Sport, Kultur und Freizeit sowie Alter: Auch ich musste viel lesen, um mich einzuarbeiten. Das hat mich Anfang Jahr gefordert. Inzwischen fühle ich mich wohl.
Gemeindeammann Markus Schmid (Mitte), Ressort Gemeindeorganisation, Finanzen, Information, Regionale Planung, Ortsplanung, Gesundheit/Spitex und Ortsbürger: Drei neue Personen einzuarbeiten, erforderte viel Koordination. Inzwischen sind sie tief in ihren Themen drin. Ich bin dankbar für diese Konstellation.
Was hat euch überrascht? Thomann: Ich habe den Zeitaufwand unterschätzt. Statt der erwarteten 20 Prozent war er zeitweise etwa doppelt so hoch. Selbst hinter einer scheinbar kleinen Angelegenheit stecken oft umfangreiche Abklärungen.
Hashmi: Deshalb können wir E-Mails auch nicht immer sofort beantworten.
Über die Schule hatte ich zuvor vor allem Negatives gehört. Dann habe ich dort Menschen kennengelernt, die vor Elan und Motivation sprühen. Positiv sind auch die Begegnungen mit der Bevölkerung auf Augenhöhe.
Gauch: Negativ überrascht haben mich die Aggressionen gegenüber dem Amt. Auch die Erwartungshaltung mancher Einwohner hat mich erstaunt. Einige scheinen davon auszugehen, dass wir Gemeinderäte Vollzeit für die Gemeinde arbeiten.
Welche Schwerpunkte habt ihr für die kommenden drei Amtsjahre? Schmid: Wir haben unsere Ziele gemeinsam und erstmals mit professioneller Begleitung erarbeitet. Daraus haben sich sechs Stossrichtungen ergeben, die wir regelmässig überprüfen werden. Als Teilzeitpolitiker müssen wir klare Prioritäten setzen.
Thomann: Wichtig ist, dass die Ziele nicht nur auf dem Papier stehen. Die Bevölkerung soll sehen, was wir tatsächlich umgesetzt haben.
Das tönt nach einer Politikerantwort. Was heisst das konkret? Thomann: Ein wichtiges Projekt ist die Sanierung des Schulhauses Zelgli 1. Daneben prüfen wir Synergien mit Nachbargemeinden, etwa beim Bauamt, bei der Hauswartung oder beim Einkauf. Nicht jede Gemeinde muss alle Maschinen selbst besitzen, die nur selten gebraucht werden. Man kann auch austauschen.
Die Schulhaussanierung ist ein Millionenprojekt. Wie geht es weiter? Schmid: Im November werden wir voraussichtlich einen Nachtragskredit beantragen. Im Sommer 2027 soll der Baukredit folgen, sodass die Arbeiten voraussichtlich im Sommer 2028 beginnen können. Die Sanierung wird rund zwei Jahre dauern und in Etappen erfolgen. Es ist ein Generationenprojekt: Das Schulhaus soll danach wieder 40 bis 50 Jahre Bestand haben.
Hashmi: Bei der Schule verfolgen wir drei Phasen. Zuerst wollen wir den Betrieb stabilisieren. Ein wichtiger Schritt war, dass alle Klassen mit einer Lehrperson ins Schuljahr starten konnten. Danach wollen wir Strukturen und Qualität verbessern. Im kantonalen Vergleich sehen wir für uns weiterhin etwas Potenzial. In der dritten Phase geht es um Innovation und Digitalisierung.
Ein weiteres grosses Thema ist die Tagesstruktur. Angestrebt wird eine Containerlösung neben der Schule. Wir konnten einen Produktionsslot sichern und gehen davon aus, dass die Container im Oktober eintreffen. Das Betreuungsangebot soll ab Februar starten, nachdem ursprünglich ein Start im August geplant war.
Gauch: In meinen Ressorts möchte ich unter anderem für eine saubere Grüngutentsorgung sensibilisieren und eine Veranstaltung zum altersgerechten Wohnen durchführen. Im Tiefbau sollen die verbliebenen Graugussleitungen ersetzt werden. Hinzu kommen Projekte im Fadacker und an der Bahnhofstrasse, die Instandstellung des Limmatuferwegs sowie ein Hochwasserschutzkonzept.
Schmid: Bei mehreren Vorhaben sprechen wir von Millionenprojekten. Unser Ziel ist, sie ohne Steuerfusserhöhung zu finanzieren und die Verschuldung im Griff zu behalten. Gleichzeitig besteht teilweise ein Investitionsrückstand.
Ihr habt euch einiges vorgenommen. Was wünscht ihr euch von der Bevölkerung? Thomann: Einen offenen Austausch. Die Bevölkerung soll sich melden, wenn irgendwo der Schuh drückt. Gleichzeitig braucht es Verständnis dafür, dass sich nicht jedes Anliegen innerhalb eines Tages klären lässt. Und es braucht Engagement, damit Killwangen lebt.
Wie lässt sich dieses Engagement fördern? Schmid: Wir möchten eine Vereinsplattform schaffen und einen Fonds einrichten, mit dem gute Ideen unterstützt werden können. Zudem wollen wir den direkten Austausch mit den Vereinen pflegen.
Gauch: Ich wünsche mir ein bisschen mehr gesunden Menschenverstand von der Bevölkerung, etwas mehr Rücksicht und weniger Egoismus. Man sollte sich öfter fragen, ob das eigene Verhalten auch für die Gemeinschaft positiv ist.
Fäkalien, Abfall und wildes Parkieren beim Meierbädli
Auch das Meierbädli war Thema am Podium. In den Jahren 2024 und 2025 wurde es für rund 155000 Franken umfassend saniert. Wegen Fäkalien im Wasser war es letzte Woche zeitweise geschlossen. Diesmal konnte die Hauswartung mit Chemie reinigen. «Bei weiteren Vorfällen müssen wir das Bad leeren. Aufgrund der Trockenheit können wir es dann möglicherweise nicht mehr füllen», sagt Danny Simmank, Leiter Hausdienst. Er stellt immer wieder fest, dass in Unterwäsche gebadet wird, obwohl Badebekleidung Pflicht ist. Kleinkinder müssen Badewindeln tragen. Um solche Zwischenfälle zu verhindern, müssen Eltern diese bei Bedarf wechseln.
Bereits Mitte Juli reagierte der Gemeinderat mit Stichprobenkontrollen, Parkbussen und Erinnerungen an die Badregeln. Das Bad steht ausschliesslich den Dorfbewohnern und -bewohnerinnen zur Verfügung. Die Zutrittsregeln werden jedoch immer wieder missachtet.
Eine Anwesende wollte wissen, was man unternehmen könne, um solche Vorfälle zu verhindern, und wie die Bevölkerung reagieren soll, wenn sie Widerhandlungen beobachtet. Gemeindeammann Markus Schmid rief dazu auf, die betreffenden Personen anzusprechen und auf die Regeln hinzuweisen. «Auch die Verwaltung oder die Regionalpolizei kann kontaktiert und informiert werden.» Der Gemeinderat überlegt sich, künftig eine Zutrittsbeschränkung einzurichten, um zumindest die Personenanzahl unter Kontrolle zu halten. «So wie im Moment kann es nicht weitergehen», sagt Schmid. Man prüfe verschiedene Zutrittssysteme. Eine Möglichkeit wäre ein Badgesystem. Bei einer gewissen Anzahl Besuchenden könnten dann keine weiteren Personen mehr eintreten.
Neben der Verschmutzung im Wasser und dem Wildparkieren ist auch Littering ein Problem. Die Reinigung führt zu grossem Mehraufwand für die Hauswartung, für die Sicherheit und Ordnung wurde ein Sicherheitsdienst aufgeboten. Die zusätzlichen Kosten muss der Steuerzahler übernehmen. «Es ist schade, denn das Meierbädli ist etwas Schönes, das wir uns leisten. Doch so kann es nicht weitergehen», sagt Schmid. Als letzte Massnahme sieht er die Schliessung des Meierbädlis vor. «Hoffentlich müssen wir das nicht durchsetzen. Bisher haben die getroffenen Massnahmen leider nur kurzfristig geholfen», so Schmid. «Die Leidtragenden sind diejenigen, die sich an die Regeln halten. Es gibt viele Einwohner, die es sehr schätzen, am Morgen in Ruhe ihre Runden zu drehen. Es ist traurig, wenn sie das nicht mehr tun können», so Simmank. (bär)


