Biker zwischen Verbot und Warten auf offizielle Trails

Eine illegal gebaute Bikeschanze sorgt für Unmut. Und zeigt gleichzeitig, wie schwierig die Umsetzung auf dem offiziellen Weg ist.
Im Mai trafen sich die Behörden des Forstreviers Heitersberg zum Waldarbeitstag. «Es wurde einmal mehr festgestellt, dass im Waldgebiet vermehrt illegale Bauten und Einrichtungen erstellt werden», sagt der Killwangener Gemeinderat Stefan Thomann. Als Ressortverantwortlicher ist er für die Forst- und Landwirtschaft zuständig. «Die Bauten führen immer wieder zu Diskussionen zwischen Bikern und Förstern. Oft ist zudem unklar, wer den Trail gebaut hat.»
Solche illegal errichtete Bikerschanzen wurden kürzlich im Waldabschnitt «Erdbeerirai» in Remetschwil entdeckt. «Wir sind verpflichtet, solche illegalen Trails aufzuheben», sagt Peter Muntwyler vom Forstrevier Heitersberg. Dazu gehören die Gemeinden Killwangen und Spreitenbach sowie Bellikon, Oberrohrdorf, und Remetschwil. In einer Medienmitteilung wandte sich der Forstbetrieb an die Öffentlichkeit und erinnerte an die gesetzlichen Vorgaben: Eigenbauten sind im Wald ohne Bewilligung nicht zulässig. Gemäss Waldgesetz ist es zudem verboten, abseits der offiziellen Waldstrassen zu fahren. Allerdings kann der zuständige Gemeinderat unter gewissen Voraussetzungen einzelne Strecken dafür freigeben.
Deshalb setzt der Forstbetrieb auf einen Dialog und ruft Biker dazu auf, das Gespräch mit ihnen zu suchen. «Wir verstehen, dass der Wald für viele Menschen ein Ort der Erholung, des Sports und der Freiheit ist.»
Zum offiziellen Weg braucht es Ausdauer
Genau das machte der Vorstand des Vereins Lägern Biketrails. Er setzt sich für legale Biketrails und Akzeptanz des Mountainbikens ein. Vor drei Jahren haben sie mitgeholfen, den offiziellen «Däni-Trail» zu bauen, der vom Altberg ins Furttal führt. Die Hobbybiker wollen auch eine Verbesserung der Bikeinfrastruktur rund um die Lägern. Mit offiziellen Bikewegen soll das Biken kanalisiert werden. Das soll Konflikte zwischen Wanderern, Waldbesitzern, Jägern, Forstbetrieben und Bikern entschärfen.
Allerdings brauchen die Biker für den Gang auf dem offiziellen Weg viel Ausdauer. Sie haben vor zwei Jahren ein Konzept für einen Trail um die Lägern erarbeitet. Das Vorgehen für die Umsetzung stellten sie vor einem Jahr an einem Treffen vor. Teilgenommen haben Gemeindevertreter, Jäger, Förster, Naturschutzorganisationen und der Kanton (die Limmatwelle berichtete). Nun hat der Kanton die Projektführung übernommen. «In der Zwischenzeit kam das Projekt etwas zum Erliegen», schreibt Luca Zehnder, Fachspezialist Walderhaltung beim Kanton Aargau. Das Projekt wurde nun neu aufgegleist. Die beteiligten Gemeinden haben zugesagt, es zu unterstützen und in den Arbeitsgruppen mitzuwirken. Aktuell wird das Pflichtenheft für die Ausschreibung der Planung ausgeschrieben, später werden Rahmenbedingungen wie zum Beispiel der Unterhalt diskutiert. Einen Zeitpunkt, bis wann das Bike-Lenkungsprojekt abgeschlossen ist, gibt Zehnder nicht an. «Erfahrungen aus anderen Projekten zeigen einen Zeithorizont von 2 bis 5 Jahren zwischen der ersten Anfrage und der Umsetzung, je nach Grösse und Rahmenbedingungen.»
Förster wünscht sich Klarheit
Wie dieser Fall zeigt, kann es mehrere Jahre dauern, bis die Biker einen offiziellen Weg für sich haben. Für den Spreitenbacher Förster ist deshalb klar: «Die Diskussion und vor allem auch die Bewilligung für bestimmte Trails sollten vereinfacht werden.» Für ihn wären genau definierte Trails wünschenswert. Einerseits weil das restliche Waldareal dann für Biker tabu wäre. Andererseits wegen der Haftung, da es zwingend eine Trägerschaft braucht. «Ich hätte auch gerne eine klare Haltung des Kantons zu den illegalen Trails, anstatt das Problem den Gemeinden zu überlassen.» Nicht zuletzt wegen der Haftungsfrage.
Gemäss Zehnder hat der Kanton indes eine klare Haltung und orientiert sich am geltenden Recht: «Die Kompetenz für die Bewilligung von Mountainbiketrails liegt bei den Gemeinden, nicht beim Kanton.» Im Bereich der Freizeit- und Erholungsnutzung nehme er seine Aufsichts- und Koordinationsfunktion wahr und habe in mehreren Regionen bereits massgeblich zur Lösungsfindung beigetragen. Der zukünftige Umgang mit dem Thema Mountainbiken im Wald wird zurzeit im Rahmen der Erarbeitung des kantonalen Mountainbikekonzepts diskutiert. Dazu haben Grossräte ein Postulat eingereicht. Ein Ziel ist, die Planung und Lenkung von Mountainbike-Angeboten zu regeln.
Das wäre im Sinne von Thomann. Auch wenn ihn diesmal die illegale Baute in Remetschwil als Gemeinderat nicht betrifft. Anders Peter Muntwyler. Das Forstteam wird die illegal gebaute Schanze im Waldabschnitt «Erdbeerirai» rückbauen und bittet darum «keine weiteren solchen Konstruktionen zu errichten und die bestehenden Waldwege zu respektieren.»


