Hier gibt man sich die silberne Kugel

Flipperfreunde und Nostalgienerds haben Grund zur Freude: In Killwangen gibt es einen neuen Flipperclub. Ein Besuch.

Der Silverball-Flipperclub wurde am Eröffnungsabend rege besucht. (Bilder: Robin Schwarz)

Der Silverball-Flipperclub wurde am Eröffnungsabend rege besucht. (Bilder: Robin Schwarz)

Der Addams-Family-Kasten gehört zu den beliebtesten im Silverball.

Der Addams-Family-Kasten gehört zu den beliebtesten im Silverball.

Im American-Diner gibts Bier und Hotdogs.

Im American-Diner gibts Bier und Hotdogs.

Eine chaotische Geräuschkulisse aus Gebimmel und Geläut, ein Gewimmel von Leuten, die an der Bar im American-Diner-Stil der 50er-Jahre an einem Bier nippen und Hotdogs futtern, an einem der Dutzenden Flipperkästen fachsimpeln oder hochkonzentriert die silberne Kugel über die Spielpiste jagen – das ist die Eröffnungsparty des neuen Flipperclubs Silverball in Killwangen. Freunde des Retro-Hobbys haben am letzten Samstag ihre neue Spielhöhle in den ehemaligen Hallen der Nordfisch AG an der Würenloserstrasse eingeweiht. Der Traditionsbetrieb, der früher tonnenweise Fisch pro Jahr räucherte, musste Anfang 2020 schliessen.

Vereinspräsident Daniel Köchli, der selber beruflich mit Spielautomaten arbeitet, führt stolz durch das neue Lokal. In mühevoller Arbeit habe man manchmal bis spätabends am Flipperclub gewerkt, erzählt er. Das sieht man: Der Club ist liebevoll und mit einer Menge Nostalgie eingerichtet: Alte Neonanzeigen und Kaugummiautomaten, Coca-Cola-Schilder, ein CRT-Fernseher, eine Old-School-Jukebox – alles, was das Retro-Herz begehrt. Und natürlich: die Flipperkästen aus diversen Jahrzehnten.

«Ich selber kann nicht gut flippern», sagt Köchli, aber die Technik mache ihm Freude, die Farben, die Lichter.

«Es ist ganz klar ein nostalgisches Hobby», sagt einer der Besucher, der gerade am Flipperkasten «Medieval Madness» spielt – einer der beliebstesten Flipperkästen überhaupt, der ungefähr 16000 Franken kostet. «Die Kästen müssen schon ein bisschen Patina haben.» Was den Beliebtheitsgrad der Kästen ausmache, könne er auch nicht so genau sagen, aber «gute Kästen haben einen Flow». Dabei bringt man die Kugel fliessend im Kreis durch den Kasten anstatt mit lautem Gedängel im Zickzack. Sicher spielen auch die Motive eine Rolle, im Grunde seien jene Flipperkästen beliebt, die man früher als Kind oder Teenager schon gekannt habe.

Immer wieder kommen Leute auf Daniel Köchli zu und gratulieren ihm zum gelungenen Auftakt. Insbesondere, dass er so etwas während der Coronakrise aufziehe, sei bewundernswert. Tatsächlich ist so ein Flipperclub ein nicht ganz so simples Unterfangen, wie Köchli aus eigener Erfahrung weiss. Er hatte bereits einmal einen Flipperclub in Wallisellen betrieben. Der Unterhalt der Kästen sei teuer, schliesslich habe man es hier mit Mechanik zu tun, mit Stahlkugeln, die durch einen Kasten geschossen werden – die Geräte seien schon fehleranfällig und manche Teile zur Reparatur nicht oder kaum mehr erhältlich. Aber auch eine Menge Strom fressen die Kästen, die fast alle aus Zeiten stammen, in denen Nachhaltigkeit noch kein grosses Thema war. Darum verlangt der Flipperclub einen Mitgliederbeitrag von 150 Franken pro Jahr – und an jedem der rund drei Spielabende im Monat müssen die Besucher und Besucherinnen Spielmünz mitbringen, in der Regel einen Franken pro Kasten. Am Flipperclub verdient aber niemand was, im Gegenteil. Selbst die Leute hinter der Bar arbeiten gratis und franko. Eben für ein aussterbendes, kulturelles Erbe, das anders kaum erhalten bleiben dürfte. Dafür braucht es viel Leidenschaft. Und Gleichgesinnte natürlich. Mehr unter: www.silverball.ch.

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