«Zeitreise» zum Jubiläum

Das Montessori- Kinderhaus in Wettingen gibt es seit 30 Jahren. Zum Jubiläum haben die Kinder das Theater «Zeitreise» einstudiert.

Mit Montessori-Materialien lernen die Kinder einfach: Stéphanie Gertiser erklärt Freja (5) die trinomischen Würfel. Foto: mbo
Mit Montessori-Materialien lernen die Kinder einfach: Stéphanie Gertiser erklärt Freja (5) die trinomischen Würfel. Foto: mbo

«Bei uns herrscht gerade Ausnahmezustand, alle sind etwas angespannt wegen der Theateraufführung», berichtet Carmen Hofmann. Sie ist seit 11 Jahren Kindergärtnerin im Wettinger Montessori-Kinderhaus. Es ist aber nicht die angebliche Aufregung der Kinder, die beim Betreten des lichtdurchfluteten Raumes an der Bahnhofstrasse 88 auffällt, viel mehr überrascht die Fülle an Montessori-Material, das für die Kinder bereitsteht.

Die Kinder sitzen alleine oder zu zweit an Tischen und arbeiten ruhig und konzentriert mit jenen Materialien, die sie sich zuvor selbst ausgesucht haben, «individuelles Arbeiten» nennt sich das. «Jedes Material gibt es nur einmal», sagt Hofmann und erklärt: «So lernen die Kinder Rücksichtnahme und Geduld, es steigert aber auch den Reiz der Materialien.» Individualität wird in der Montessori-Pädagogik grossgeschrieben, denn jedes Kind habe Phasen, in denen es eine besondere Empfänglichkeit für den Erwerb bestimmter Dinge habe. In dieser Zeit lernten sie mit Leichtigkeit etwas, davor oder danach sei dies viel schwieriger. So hantieren bereits die Kleinsten (3 Jahre) mit Buchstaben – wenn sie dies wollen – oder ordnen Gewichte und zählen die Perlen einer Kette. Wird Hilfe gefordert, sind die Kindergärtnerinnen beratend zur Stelle. 5 Kindergärtnerinnen betreuen zusammen maximal 32 Kinder.

Etwa 70 Prozent der Kinder kommen aus Wettingen, die anderen von der weiteren Umgebung. «Wir geniessen einen guten Ruf», sagt Hofmann. Das Kinderhaus ist in den letzten 30 Jahren stetig gewachsen. «Und die Nachfrage steigt: Auch Betreuungsplätze für Kinder von 0 bis 3 Jahren und eine Montessori-Schule wünschen sich viele», sagt Vesna Moustopoulos, Präsidentin der Stiftung Kinderhaus Montessori Lägeren. Aber das ist noch Zukunftsmusik, denn einerseits mangelt es an passenden Räumlichkeiten, andererseits ist es schwierig, Montessori-geschultes Personal zu finden. Einzig die Akzeptanz bei der Gemeinde und bei den Behörden könnte noch besser sein, geben Hofmann und Moustopoulos offen zu. «Daran arbeiten wir immer noch.»

«Wir werden ein Theater aufführen», antwortet Livia (4) auf die Frage, wie es ihr denn im Montessori gefalle. Und die anderen Kinder stimmen mit ein, erzählen, welche Rollen sie spielen werden und dass das Theater nun bald sei. Und so ist sie doch noch spürbar, die grosse Nervosität, von der anfangs die Rede war.

Theater «Zeitreise»: Schulhaus Margeläcker, Samstag, 1. Dezember, Türöffnung: 9.45 Uhr, Beginn: 10 Uhr.

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