Wo die Augen bei der Suche versagen, finden Nasen
Am Sonntag nahmen acht Mitglieder des Vereins Hundesport «Tägerhard» Wettingen mit ihren Vierbeinern im Hüttiker Wald an der Sanitätshundeprüfung teil.

Ein Sanitätshund wird in gerader Linie ins Gelände geschickt, wo er nach vermissten Personen oder Gegenständen sucht. Sobald das abzusuchende Gebiet erreicht ist, pfeift der Hundebesitzer den Hund zurück und schickt ihn ein Stück weiter vorne wieder in gerader Linie in den Wald – macht einen sogenannten «Schlag». Soweit die Theorie. Bei der Prüfung wurde aber deutlich, dass viele Faktoren den geregelten Ablauf einer Suchaktion behindern können. So mussten die Hundehalter ihre Tiere manchmal um Hindernisse wie Holzbeigen oder dichtes Gestrüpp herumführen, manche Hunde mochten an diesem Tag auch nicht gerade in den Wald laufen oder wurden durch irgendwelche Gerüche abgelenkt und trabten kreuz und quer durch den Wald. Dann hiess es Ruhe bewahren, vor allem beim Prüfling. Denn die Tiere spürten die Anspannung ihres Herrchens oder Frauchens und reagierten entsprechend. Um einen Fund anzuzeigen, nehmen die Hunde einen geflochtenen Anhänger am Halsband in die Schnauze, das sogenannte «Bringsel». In der angespannten Prüfungssituation kam manch ein Hund mit dem Bringsel zurück, ohne etwas gefunden zu haben, aber in der Erwartung einer Belohnung. «Das ist die grösste Schwierigkeit: Dass der Hund das Bringsel nicht nach jedem Schlag in den Mund nimmt, um seinem Besitzer Freude zu machen», erklärt auch Margrit Zumkeller, Übungsleiterin Sanitätshunde beim Verein. Bei Hundesport «Tägerhard» Wettingen können die rund 150 Mitglieder die Grundausbildung ihres Hundes zum Sanitätshund absolvieren. Geprüft wird in drei Kategorien, wobei in der höchsten Kategorie ein grösseres Gebiet in kürzerer Zeit abgesucht werden muss. Ein offizieller Prüfer beurteilt, ob die Prüfung bestanden wurde. Dabei zählt nicht nur, ob der Hund alle Figuranten und die ausgelegte Tasche findet, sondern auch, ob er das Gebiet lückenlos absucht, wie gut er auf Befehle hört oder wie schnell er läuft und reagiert.
Die hohe Kunst besteht zudem darin, dass der Besitzer seinen Hund richtig lesen kann. Hat der Vierbeiner Witterung aufgenommen und ist einem Fund auf der Spur, kann ein Pfiff oder Rückruf fatal sein. «Hundeführer und Hund sind immer ein Team, sonst funktioniert es nicht», sagt Margrit Zumkeller. «Man muss gern mit dem Hund arbeiten, das ist ganz wichtig.» Das Training ist intensiv – sowohl für das Tier als auch für den Menschen. Fit müsse man sein und sehr viel Zeit haben, sagt Zumkeller. Dann sei es aber eine sehr befriedigende Arbeit. «Weil man einen Sinn dahinter sieht», erklärt sie. Jeden Montagnachmittag haben die Vereinsmitglieder Reviertraining. Hinzu kommt Gehorsamstraining.
Wer ganz angefressen ist, macht nach bzw. nebst dem Training im Verein bei REDOG mit, wo Hunde und Besitzer im Pikett bereitstehen und im Ernstfall von REGA, Rotkreuz und Militär aufgeboten werden, um Vermisste im Gelände oder in Trümmern – zum Beispiel nach einem Erdbeben – zu suchen. Rund 550 Mitglieder sind bei REDOG, davon sind aber nur rund 40 einsatzfähig für die Geländesuche, denn die Anforderungen sind hoch und die Einsätze hart. Sie können den ganzen Tag dauern, bei jeder Witterung. Um bei REDOG mitmachen zu können, muss man sehr fit sein, mit GPS-Navigation umgehen können, Erste Hilfe beherrschen und wissen, wie man sich abseilt. «Man muss vergiftet sein, sonst macht man das nicht», sagt Zumkeller schmunzelnd. Sie muss es wissen – sie war 20 Jahre lang im Zentralvorstand.


