Wettinger Winzer bangen um ihre Ernte
Durch einen in der Region bisher unbekannten Befall der Kirschessigfliege droht der Wein zu Essig zu werden.
Der lateinische Name der Kirschessigfliege, Drosophila Suzukii, lässt ihre asiatische Herkunft irgendwie vermuten. Im Unterschied zu ihren europäischen Verwandten, die nur bereits beschädigte Früchte anfressen, vermögen die weiblichen Fliegen der Drosophila Suzukii die Fruchthaut zu durchstechen, um so ihre Brut hineinzulegen, wodurch in den Früchten die Essigsäure entsteht.
Tote Exemplare der kleinen Übeltäterin, die Meinrad Steimer zur- zeit Sorgenfalten in die Stirne treiben, schwimmen in einem Ge- fäss voll Wasser. Der Kellermeister der Weinbaugenossenschaft Wettingen misst heuer nicht nur den Reifeprozess der Weintrauben, sondern begibt sich vor allem auf die Jagd nach den klei-nen Kirschessigfliegen. Denn die weiblichen Kirschessigfliegen legen ihre Eier ausschliesslich in reife Früchte aller Weichobst-arten – in Kirschen, Beeren, Zwetschgen und eben Trauben. In den befallenen Beeren wird nach einer Sekundärinfektion durch Essigbakterien Essigsäure produziert, was sie für die Weinproduktion unbrauchbar macht.
Die Kirschessigfliege wurde erst vor einigen Jahren aus Asien nach Europa eingeschleppt. «Wir kannten das Problem aus dem süddeutschen Raum», so Meinrad Steimer. Dennoch wurden die Wettinger Winzer vom Befall überrascht. Aufgrund des milden Winters und des feuchten Sommers konnte sich die Population der fliegenden Schädlinge besonders gut entwickeln. «Es gibt noch kaum Erfahrung in der Bekämpfung.»
Doch bis jetzt, so meint der Kellermeister, funktioniere die Fallentechnik, kombiniert mit dem Spritzen biologischer Insektizide, gut. Die Fangtechnik ist einfach, doch raffiniert: Schnell einige Löcher in eine Pet-Flasche gebohrt, etwas Wasser, vermischt mit Lauge und Wein, hineinfüllen und schon ist die Cocktail-Falle fertig. Es soll sichergestellt werden, dass nur die Kirschessigfliegen in die Falle tappen und andere Insekten verschont bleiben.
Dass die Haut der Blauburgunder-Beeren, der Hauptsorte der Wettinger Winzer, etwas dicker ist, sei ein Glück. «Dennoch werden wir bei der Lese jede Frucht einzeln umdrehen müssen», so der Kellermeister. Dieser Mehraufwand bei der Ernte, die ab Mitte Oktober beginnen wird, ist notwendig, können doch nur wenige befallene Beeren viele Liter Wein verderben. Denn eigentlich, so Meinrad Steimer, können die Winzer der Region auf einen sehr guten Jahrgang hoffen.
Meinrad Steimer hat alles in seiner Macht stehende getan und alle Winzer der Region informiert. «Nun hoffen wir, dass wir mit einem blauen Auge davonkommen», meint er abschliessend.










