Von allem noch ein bisschen mehr

Geteilte Leitung ist halbe Arbeit? Nicht ganz, aber ein Miteinander schafft dennoch mehr Gelegenheit für das Ausarbeiten neuer Konzepte. «Ich bin froh, dass mich Sven Mathiasen seit über vier Jahren unterstützt», sagt Co-Leiterin Barbara Winzer, die seit 1980 beim Figurentheater mitwirkt und das Theater vor der Co-Leitung 11 Jahre alleine geführt hatte. Nun konzentriert sie sich vor allem auf die Zusammenarbeit mit auftretenden Künstlern, hat die Federführung der hauseigenen Produktionen und sorgt dafür, dass die Bar im Gluri-Suter- Huus bei Vorstellungen gut läuft. Mathiasen fertigt das Programm an und kümmert sich um Verträge und die verwendeten Medien.
Die Arbeitsteilung lässt beiden Leitern Zeit, eigene Ideen zu realisieren. Mathiasen tritt dieses Jahr zum zweiten Mal mit seiner ersten Eigenproduktion «Das Tapfere Schneiderlein» auf. Das Stück stiess letztes Jahr auf so positive Resonanz, dass es 2011 wieder ins Programm aufgenommen wird.
Winzer konzentriert sich neben der Theaterleitung auf Workshops: «Damit möchte ich mir ein zweites Standbein aufbauen.» Im Rahmen der Workshops lernen Interessierte, wie aus recycelten Materialien kreative Theaterfiguren entstehen können. «Es fasziniert mich, mit den unterschiedlichsten Gegenständen Figuren herzustellen», sagt Winzer. Der Fantasie sind im Figurentheater kaum Grenzen gesetzt.
Winzers und Mathiasens Lust am kreativen Schaffen und Ausprobieren hat die Entwicklung des Kleintheaters im Wesentlichen gelenkt. Was 1979 im Badener Kornhaus als Marionetten-Bühne seinen Anfang fand, hat sich durch Winzers und Mathiasens frische Ideen zum bekannten Figurentheater Wettingen entwickelt. «Wir teilen die Faszination und Leidenschaft für das Figurentheater», sagt Winzer. Mathiasen fügt an, er sei offen, was die kreative Gestaltung anginge. Und betont: «Für Kleintheater ist es schwierig, sich zubehaupten.» Deshalb sei es wichtig, Neues zu wagen und ein breit gefächertes, interessantes Programm anzubieten.
Die Namensänderung unterstrich den Leitgedanken hinter dem Theater und schuf ihm Luft, sich zu etablieren: Dank mehr kreativem Freiraum kann inzwischen ein volleres Programm zusammengestellt und ein grösseres Publikum angesprochen werden. Die Konsequenz: Das Theater wächst aus seinen Schuhen oder, besser gesagt, aus seinen Räumlichkeiten. Der Kellerraum im Gluri-Suter-Huus bietet nur beschränkten Platz, die Kulisse ist klein und die Künstler haben kaum Platz, wenn sie von der Bühne abgehen. Deshalb sehen sich die Theaterleiter und Vereinspräsident Karl Meier zurzeit nach einem grosszügigeren Raum um. Nur wenn dem Figurentheater auch genügend Ressourcen zur Verfügung stehen, kann es sich entfalten.
Alles neu macht das Jahr 2011 – zumindest für das Figurentheater. Erstmals werden überwiegend schweizerische Produktionen gezeigt. «Bisher haben wir oft deutsche Künstler eingeladen», sagt Winzer. Umso gespannter sei man nun auf die landeseigenen Stücke. Dabei werden wieder Kinder- und auch Erwachsenenvorstellungen stattfinden. Eine der letzteren ist etwa «Gold», eine Geschichte über einen hochbegabten Zwölfjährigen, der sich im Leben zurechtfinden muss. Mit dem Erwachsenenstück eröffnet das Theater seine Saison bereits am 13. September und nimmt erstmals am Schweizerischen Kleinkunsttag teil. Die eigentliche Premiere folgt wie gewohnt im Oktober mit dem Theaterstück «Freunde», zu dem auch die Jüngeren eingeladen sind. Erstmals bietet das Figurentheater dieses Jahr in den Herbstferien Gute-Nacht-Geschichten für Kinder an. Und Barbara Winzers Workshop «Figuren aus Recyclingmaterial» wird offiziell im Programm aufgeführt.
Premiere «Freunde» am Freitag, 21. Oktober, um 20 Uhr, Gluri-Suter- Huus, Wettingen.


