Vier Künstlerinnen in Verdichtung
«Verdichtung» ist der Titel der nächsten Ausstellung in den beiden Obergeschossen der Galerie im Gluri-Suter- Huus, in der vier Künstlerinnen auf vielseitige Weise Arbeiten zum Thema zeigen.

Die in Frankfurt am Main lebende junge Fotografin Astrid Korntheuer stellt fotografische Inszenierungen aus. Korntheuer spielt lustvoll mit Materialien und Räumlichkeit und lässt sowohl farbige wie auch inhaltlich verdichtete Bilder entstehen. Papierstreifen und Plastikfolien werden mit Abfallgegenständen wie Rohren zu räumlich spannenden Gebilden, die Szenerie wird gekonnt ins Licht gesetzt. Korntheuer beschäftigt sich aber nicht bloss mit formal ästhetischen Phänomenen, sondern entpuppt sich auch als leidenschaftliche Sammlerin von Objekten. «Allesrein» steht in grossen weissen Lettern auf rotem Grund auf einem Plakat in der Mitte eines Raumes. «Allesrein» ist hier eine Waschmittelwerbung aus den Fünfzigerjahren, könnte aber ebenfalls als Leitsatz für die Bildsprache von Korntheuer gelten, alles muss bei ihr ins Bild rein, von einer «Tankstellenbereitschaftsanzeige» bis zu Stoffhündchen auf einer Registrierkasse.
Isabelle Kriegs Installation «unerledigt» mit Kaffeetassen und Frühstücksgeschirr hat ihren Ursprung im Jahr 2003. Zu Beginn des Irakkrieges verfolgte die heute in Dresden lebende Künstlerin das aktuelle Tagesgeschehen bei einem Morgenkaffee in ihrer behaglichen Stube. Die Bilder aus der Zeitung begann sie, mit Resten des Kaffeesatzes in ihr Geschirr zu malen. Es entstanden Porträts von Menschen wie Politiker, Flüchtlingskinder, Soldaten, Schauspieler, Sportler und Mörder. Isabelle Krieg sammelte die Tassen und stapelte sie in Abwaschbecken und auf Küchenmöbeln. Bis am 14. Dezember 2011, dem Tag des Abzugs der Amerikaner aus dem Irak, malte sie weiter, es entstand eine eindrückliche Sammlung von Alltagsbildern. Die Situation im Irak bleibt aber laut der Künstlerin bis heute «unerledigt». Isabelle Kriegs Installation ist eine vielschichtige Arbeit, die durch ihre Nähe zum Alltag in den Bann zieht und die auch durch die Fragilität und Alltäglichkeit des Materials faszinierend wirkt.
Das Künstlerinnenduo Zobrist/ Waeckerlin hat sich vor Ort mit dem Dachgeschoss des Gluri-Suter- Huuses auseinandergesetzt. Ein aufwendiges und gleichzeitig flüchtiges Gespinst aus braunen Fäden verdichtet mit einer Netzstruktur den Raum. Nebensächliches des Saals wie die Einschnitte der Stellwände bei den Dachbalken werden betont und bekommen plötzlich eine neue Bedeutung. Die räumliche Veränderung ist irritierend und faszinierend zugleich. Im zweiten Raum wird es gespenstisch. Sieben kreisförmig aufgestellte Ventilatoren bewegen feine Gazetücher. In rhythmischen Abständen wird Wind in den Raum geblasen, die Tücher richten dann jeweils einen wilden Totentanz aus.
Im Erdgeschoss der Galerie werden in einer neuen Sammlungsausstellung Grafiken, Zeichnungen und Skulpturen aus der Kunstsammlung Wettingen gezeigt. Die Ausstellung zeigt einen Querschnitt der Ankäufe aus den letzten acht Jahren.(cg)
Galerie im Gluri-Suter-Huus, Bifangstrasse 1, Wettingen, 25. August–29. September. Vernissage: So, 25. August, 11 Uhr; Einführung Lucia Angela Cavegn; Musik Anselm Caminada. Öffnungszeiten: Mi–Sa, 15–18 Uhr, So, 11–17 Uhr.


