Prüfung eines Natur- und Bewegungs-Kindergartens
Haupttraktandum der Einwohnerratssitzung vom 7. November war das Postulat für einen Waldkindergarten.

Die Einwohnerratssitzung vom Donnerstag, 7. November, eröffnete Einwohnerratspräsident Marco Kaufmann mit der traurigen Nachricht, dass der Plauschhockeymatch im Januar aufgrund der Budgetkürzungen bei der Standortförderung abgesagt sei.
Die 45 anwesenden Einwohnerräte nahmen in der Folge alle Einbürgerungsgesuche an und gingen zum mit Spannung erwarteten Traktandum 3 über -– dem Bericht zum Postulat von Patrick Bürgi und Robin Bauer vom 10. November 2011 betreffend der Einführung eines Waldkindergartens in Wettingen. Der Antrag des Gemeinderates sah eine Abschreibung vor. Patrick Neuenschwander von der GPK regte an, keinen Vergleich mit dem Waldkindergarten Baden anzustellen, da dieser eine Privatschule und von Eltern bezahlt sei. Er wollte zudem beliebt machen, von einem Natur- und Bewegungs-Kindergarten zu sprechen. Ein öffentlicher Kindergarten, in dem der Unterricht zum Grossteil in der Natur stattfinde, sei bereits in vier Aargauer Gemeinden umgesetzt worden. Rechtliche Grundlagen sprächen keine gegen den Kindergarten. Die Mehrkosten seien bescheiden und Lehrermangel sei nicht gegeben. Die GPK lehne daher den Antrag des Gemeinderates ab und stelle einen Gegenantrag: Der Gemeinderat werde beauftragt, eine Vorlage zur Schaffung eines Natur- und Bewegungs-Kindergartens auszuarbeiten und dem Einwohnerrat vorzulegen.
Auch die CVP war gegen die Abschreibung, wie Robin Bauer erläuterte. Wo das Angebot bereits bestehe, seien Wartelisten Standard und die Plätze sehr gefragt. Eine Abklärung der Bedürfnisse in Wettingen wäre wünschenswert gewesen.
Natur und Bewegung seien sicher wichtige Elemente des Lebens – die SVP unterstütze aber den Antrag des Gemeinderates, konterte Sylvia Scherer. In die Natur oder auf einen Bauernhof könne man auch mit den Schulklassen. Auch könnten die Eltern für mehr Bewegung ihrer Kinder und das Erlebnis der Natur sorgen: «Das tut auch den Eltern gut.» Die Zeckengefahr, die Standortfrage, die Erreichung der Lernziele und die Kosten seien Punkte, die gegen den Waldkindergarten sprächen.
SP/WettiGrüen unterstütze den GPK-Antrag einstimmig, wie Esther Elsener Konezciny sagte. Sie habe mit Hansueli Baumann, einem Fachmann in diesem Bereich, ein langes Telefongespräch geführt: Er stünde kostenlos zur Verfügung, um für Wettingen eine optimale Lösung auszuarbeiten, die alle Besonderheiten der Gemeinde berücksichtigen würde. Erfahrungen aus ähnlichen Kindergärten hätten bestätigt, dass die Kinder keine Probleme bei der Einschulung hätten. «Wir wollen der Idee eines Natur- und Bewegungs-Kindergartens eine Chance geben – und letztlich den Kindern.»
Paul Koller von der CVP erklärte, dass es an diesem Abend erst um die Qualität des Berichts gehe. Er fordere vom Gemeinderat, eine gute Vorlage vorzulegen, um differenziert über das Geschäft beraten zu können, und unterstütze den GPK-Antrag.
Christian Pauli unterstützte im Namen der FDP das Votum von Sylvia Scherer und fasste sich kurz.
Es sei wichtig, dass Kinder zu Fuss in den Kindergarten und die Schule gehen, so Holger Czerwenka (EVP/Forum 5430). Nun solle ein Natur- und Bewegungskindergarten eingeführt werden, der bereits die Kleinsten in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft aufteile: Kinder, deren Eltern sich das Angebot leisten können bzw. nicht. Jetzt weitere Anklärungen zu treffen, nur um nachher dagegen zu stimmen, solle nicht sein – lieber solle man in etwas investieren, von dem alle Kinder profitieren können.
Marie-Louise Reinert (EVP) wollte wissen, was der Förster, die Schulen und die Kindergärten zum Angebot sagen. Daher sei sie für eine weitere Abklärungsrunde.
Gemeinderat Heiner Studer reagierte auf die Voten: Der Gemeinderat wollte nichts unter den Tisch kehren. Niemand habe behauptet, der Waldkindergarten sei rechtlich nicht möglich – die Form des Kindergartens sei aber vom Bildungsdepartement nicht empfohlen. Wenn man einen solchen Kindergarten mache, brauche es eine ergänzende Lehrperson, die entlöhnt werden müsse. Bedürfnisabklärungen hätte man bei Eltern machen müssen, deren Kinder noch nicht im Kindergarten seien: «Ob das verlässliche Zahlen ergäbe, bezweifeln wir.» – Ein Elternbeitrag schrecke doch viele ab. Dass Kinder aus bestehenden Waldkindergärten leicht Anschluss fänden, sei ihm klar – das seien in den wenigsten Fällen Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund oder aus finanziell schwachen Familien. «Wenn Private dieses Angebot bieten, ist das kein Problem.» Die Frage stelle sich aber, ob die Gemeinde ein Angebot stellen wolle, das nicht allen Kindern gleichberechtigt zugänglich sei.
Patrick Neuenschwander (SP) las dann nicht zitierte Teile aus der Antwort des Bildungsdepartements vor; diese Antworten seien unterschlagen worden, so Neuenschwander.
Leo Scherer (WettiGrüen) sagte, dass er die Scheinargumentation «für alle Kinder» gegen die Einführung nicht teilen könne: Selbstverständlich wollten alle, dass der Kindergarten ein hohes Niveau habe, aber was spreche dagegen, ein Zusatzangebot zu schaffen? Es wäre eine Verbreiterung der Vielfalt. «Ich bin für Vielfalt», und so sei er auch dafür, dem Gemeinderat den Auftrag zu einer genaueren Prüfung zu geben.
Marco Kaufmann stellte im Anschluss an die Diskussion den gemeinderätlichen Antrag dem GPK-Antrag gegenüber. Dem Antrag des Gemeinderates, auf die Schaffung eines Waldkindergartens zu verzichten, wurde mit 21 Ja-Stimmen und dem Antrag der GPK auf die Ausarbeitung eines Waldkindergarten-Projekts mit 23-Ja-Stimmen bei 2 Enthaltungen zugestimmt. Die GPK zog daraufhin ihren Antrag zurück – der Gemeinderat wird eine Vorlage ausarbeiten.
Vier vom Thema her ähnliche Kreditabrechnungen – Fr. 744 082.45 für die Erstellung von zwei künstlichen Kugelfangsystemen und die Sanierung der Kugelfänge bei der Schiessanlage «Eigi» undbeim Pistolenschiessstand «Limmatau», Fr. 606 792.30 für die Erneuerung des Abwasserkanals und der Werkleitungen des Eletrizitäts- und Wasserwerks mit Strasseninstandstellung Aeschstrasse,Fr. 3 060 570.40 für die Sanierung des Strassenoberbaus und der Werkleitungen des Bauprojekts Klosterfeld 1, und 1 485 281 Franken für die Sanierung des Strassenoberbaus und der Werkleitungen des Bauprojekts Klosterfeld 2 – wurden von FiKo-Vertreter Josef Wetzel gesamthaft besprochen. Die massiven Kreditunterschreitungen bei den Abrechnungen müssten die Ausnahme bleiben, sprach er den grössten Kritikpunkt diesbezüglich an. Martin Egloff äusserte sich diesbezüglich trotz einstimmiger Annahme aller vier Abrechnungen noch mit einem Gedanken: Die FDP freue sich über die Unterschreitungen – trotzdem: «Eine genaue Budgetierung ist wichtig.» Wenn man nämlich bei Baubeginn aus Kostengründen auf etwas verzichtet habe, sei eine Budgetunterschreitung am Ende eher ein Wermutstropfen.


