Plan B wäre ein Rückzug aus der Politik gewesen

Fortsetzung Frontartikel
Lag ein Plan B in der Schublade für den Fall einer Nichtwahl? Ja, ich hätte mich aus der Politik zurückgezogen und einen Job im Bereich Geschäftsführung bei einer Nichtregierungsorganisation gesucht.
Hätten Sie auch das politische Amt als Wettinger Gemeinderätin niedergelegt? Nicht sofort. Ich hätte die Amtsperiode zu Ende geführt.
Es kam ja ganz anders und Sie haben ein Glanzresultat erreicht. Wie haben Sie gefeiert? Mit Familie und Freunden, bei einer engen Freundin zu Hause.
Was hat Sie der Wahlkampf persönlich gekostet? Die Rechnung liegt noch nicht vor, es werden aber mindestens 30000Franken sein. Vor allem die Wahlinserate und APG-Plakate sind teuer. Rundein Achtel des Nationalratlohns fliesst wieder in den Wahlkampf. Ich lege jährlich 10000 Franken dafür zur Seite.
Befürworten Sie dieses System? Nein, nicht in diesem Ausmass. Klar braucht es ein eigenes finanzielles Engagement. 30000 Franken ist jedoch sehr viel Geld. In anderen Ländern werden die Parteien durch staatliche Beiträge unterstützt und können so den Wahlkampf ihrer Parteimitglieder mitfinanzieren. Bei uns ist es so, dass wir auch noch den Parteiwahlkampf mitfinanzieren. Ich setze mich für Gruppierungen und Vereinigungen ein, die mich zwar wählen und ideologisch unterstützen, jedoch selber keine finanziellen Mittel haben, um den Wahlkampf mitzutragen. Das ist bei anderen Parteien und Personen anders.
Sind Sie mit dem Wahlausgang zufrieden? Wir wollten die drei Aargauer SP-Sitze und Pascale Bruderer als Ständerätin behalten. Leider ist das mit dem Verlust des dritten Sitzes nicht gelungen. Max Chopard hat seine Wiederwahl nicht geschafft. Das trübt die Freude über mein Ergebnis ein bisschen.
Warum hat die SP Wähler verloren? Wir haben das Resultat noch nicht abschliessend analysiert. Es könnte sein, dass der Platz durch die Listenverbindung mit den Grünen verloren ging.
Die SVP ist die grosse Gewinnerin. Überrascht Sie das? In unserem Kanton habe ich damit gerechnet, allerdings ist es fast unglaublich, wie stark die SVP mittlerweile im Nationalrat ist.
Was bedeutet das für die SP? Auch wenn wir gerne stärker wären, braucht es uns, und wir werden an unseren Themen dranbleiben und das Feld nicht anderen überlassen. Die Bereiche Gleichstellung und Soziales werde ich weiterverfolgen. Ich will Leuten eine Stimme geben, die sonst keine Lobby haben.
Wie werden Sie und Ihre Partei mit dem Thema Asylpolitik umgehen, das ja Ihrer Gegenpartei Aufwind gab? Ich habe heute gelesen, dass sich die SVP bei den Asylsuchenden bedankt. Das zeigt, welches Menschenbild die Exponenten der SVP haben. Ich weiss nicht, wieso jemand etwas dagegen haben kann, dass Kriegsopfer hier sein dürfen. Es gibt keine andere Lösung, als diese aufzunehmen, ein schnelles Asylverfahren durchzuführen, um zu entscheiden, wer bleiben darf und wer nicht.
Können Sie die Volksangst nachvollziehen? Ja. Und auch ich als SP-Mitglied habe eine differenzierte Haltung. Es braucht korrekte Verfahren.
Kann es sein, dass dies – im Gegensatz zur Politik der SVP – beim Volk nicht so rüberkommt? Vielleicht kommt der Dialog nicht an. Mein Ziel ist es, deshalb noch näher zu kommunizieren. (bär)


