«Moderator ist mein Traumjob»

Einst lernte Tristan Scherer Journalismus auf der Lokalredaktion, jetzt sendet er vom Argovia-Fäscht. Warum sich das Open Air für ihn wie ein Heimkommen anfühlt.
«Das Argovia-Fäscht war das erste Open Air, das ich als Jugendlicher mit Freunden besucht habe. Deshalb ist es für mich speziell, jetzt als Moderator live vom Festgelände zu senden», sagt Tristan Scherer. Die Vorfreude beginne bereits, wenn er auf der Autobahn von Wettingen Richtung Birrfeld fahre und das Festgelände sehe: «Dann schlägt mein Herz höher.»
Der 25-Jährige lebt seinen Bubentraum, der im blauen Twingo seiner Gotte seinen Anfang nahm. «Es lief immer Radio Argovia, wenn ich mit ihr unterwegs war. Damals entstand der Wunsch, selbst einmal hinter dem Mikrofon zu stehen.» Dass er seinen Traum bereits mit Mitte zwanzig leben würde, ahnte er damals nicht. Nach der obligatorischen Schulzeit besuchte er die Fachmittelschule an der Kanti Wettingen. Nur wenige Wochen. «Das war nicht mein Weg. Ich suchte mir eine Lehrstelle und brach ab.» Ein Medienunternehmen schien ihm seinen Traumjob näher zu bringen. Er begann eine kaufmännische Ausbildung bei CH Media. Ein halbes Jahr verbrachte er auf der Redaktion der «Limmatwelle» und war an Spatenstichen, Sportveranstaltungen und Medienkonferenzen. «Auf der Lokalredaktion lernte ich, was eine Geschichte sein kann, wie man Fragen stellt und eine gute Interviewatmosphäre schafft», sagt Tristan Scherer. Und dass sich Geduld auszahlt: «Es lohnt sich, auch einmal ein paar Sekunden auf eine Antwort zu warten und nicht gleich weiterzufragen. Manchmal kommen dann die besten Antworten.»
Was er damals lernte, hilft ihm heute. Denn für den KV-Lernenden war stets klar: Er will zum Radio. Nach der Lehre wechselte er in die Abteilung Unternehmenskommunikation, studierte an der Fachhochschule Kommunikation und durfte ein paar Stunden im Radiostudio aushelfen. Nach dem Studienabschluss wurde aus dem Neben- ein Vollzeitjob, seit April 2025 ist er Teamleiter Programm bei Radio Argovia.
Im Radiostudio daheim
«Es gibt eigentlich nichts, was mir nicht gefällt, Moderator ist mein Traumjob», sagt er. Einen kurzen Moment später fügt der Wettinger an: «Privat bin ich etwas scheu, und ich mag es nicht, wenn ich für meine Arbeit bewundert werde. Ich möchte nicht als Star wahrgenommen werden, das ist mir unangenehm.» Deshalb sei es ihm recht, dass man vor allem seine Stimme kenne, nicht aber sein Gesicht. «Wenn ich in den Coiffeursalon gehe, erkennt mich niemand, und ich vermeide es, über meinen Job zu reden.»
Steht er im Radiostudio hinter dem Mikrofon, fühlt er sich hingegen sicher. «Es ist mein Wohlfühlort, von dem aus ich in die Stuben sende. Unaufdringlich. Ich bin da, wenn die Leute mich hören wollen. Und wenn nicht, ist es auch okay.» Mittlerweile machen ihn Livesendungen nicht mehr nervös – im Gegenteil: «Das ist unvorhersehbar, das mag ich.» Ein paar unangenehme Momente habe er als Moderator aber schon erlebt. Schluckauf beim Moderieren oder einen Lachanfall gehören dazu. «Und einmal ist die Verbindung abgebrochen, als ich eine Livereportage von einer Heissluftballonfahrt sendete.» Aus der Ruhe brachte das Tristan Scherer nicht: Statt live zu senden, schickte er Sprachnachrichten an die Redaktion. Auch bekannte Persönlichkeiten zu interviewen, wie zum Beispiel am Argovia-Fäscht, bereitet ihm kein Kopfzerbrechen. «Oft sind die grossen Namen die unkompliziertesten Gegenüber. Sie müssen niemandem mehr etwas beweisen und sind authentisch.»
Es sind nicht nur die Interviews mit bekannten Sängern wie Álvaro Soler, Adel Tawil oder Calum Scott, die ihm besonders gut in Erinnerung sind. «Genauso spannend fand ich einen Insektenwissenschaftler. Ich hätte gern noch viel mehr gefragt, doch meine Arbeitskollegen gaben mir zu verstehen, dass das unser Publikum wohl nicht so brennend interessiert wie mich.» Als Moderator dürfe man eben nicht nur die eigenen Interessen in den Vordergrund stellen. «Es ist ein Seiltanz, einen guten Mix hinzubekommen, damit für das ganze Publikum etwas Interessantes dabei ist.» Oft bekommt der Moderator gar nicht mit, wie die Sendung beim Publikum ankommt.
Festgelände als Herausforderung
Ganz anders am Argovia-Fäscht. Hier hat er sein Publikum vor Augen, sieht, wie seine Livesendung ankommt. «Es ist schön, die Gesichter unserer Radiofamilie zu sehen.» Trotzdem bestehe an solchen Anlässen eine gewisse Anspannung. «Auf dem Festgelände gibt es weniger Struktur, dafür mehr Spontaneität, beispielsweise dann, wenn ein Künstler plötzlich 30 Minuten früher als geplant im Studio zum Interview vorbeikommen möchte.»
Ganz so entspannt wie beim ersten Ausgang als Jugendlicher ist das Argovia-Fäscht für ihn deshalb heute nicht mehr. «Auch die Ereignisse in Aarau machen mich sehr betroffen», sagt er. Dank einem «umfassenden Sicherheitskonzept» findet das Argovia-Fäscht trotzdem statt. Ausserdem sind die Sturmschäden vom Freitag beseitigt. «Ich freue mich deshalb sehr auf ein schönes, friedliches Argovia-Fäscht. Seit es wieder auf dem Birrfeld stattfindet, fühlt es sich wie ein Heimkommen an.»
Argovia-Fäscht4. bis 5. Septemberargoviafaescht.ch


