Hoffnungsschimmer für den Murihof

Noch immer klafft an der Dorfstrasse 67/69 eine grosse Lücke. Dies könnte sich nun bald ändern.Philippe Neidhart
Noch immer klafft an der Dorfstrasse 67/69 eine grosse Lücke. Dies könnte sich nun bald ändern.Philippe Neidhart

Seit Jahren liegt die ewige Baustelle an der Dorfstrasse nach einem illegalen Abbruch, fehlenden Unterlagen und verfahrenen Firmenstrukturen brach. Doch nun deutet vieles auf einen Neuanfang hin.

Der 1640 erbaute Murihof zählt zu den historisch prägendsten Gebäuden im alten Dorfkern von Wettingen. Als einstiger Lehenshof des Klosters Muri diente das ländliche Haus der Bewirtschaftung lokaler Rebgüter. Entsprechend gross war die Empörung, als im Herbst 2018 im Zuge geplanter Umbauarbeiten ein Teil der historischen Bausubstanz illegal niedergerissen wurde. Die Gemeinde verfügte einen Baustopp, woraufhin die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufnahm und ein verantwortlicher Fachbauleiter verurteilt wurde. Zurück blieb eine verwaiste Bauruine.

Ein Name, viele Probleme

Ursprünglich sah das Gesamtprojekt 21 Eigentumswohnungen vor – als Bauherrin zeichnet die Atai AG verantwortlich. Zwar wurden zwei Neubauten im hinteren Grundstücksbereich weitgehend fertiggestellt, doch sie blieben bis heute nur teilweise bewohnbar, da die geplante Zufahrt zur Einstellhalle direkt durch den Murihof verläuft. Auch der Zugang zu den Hauseingängen durch Bauabsperrungen und über eine improvisierte Treppe aus Holzpaletten und ein Brett ist kaum zufriedenstellend.

Wie die Limmatwelle bereits in einem früheren Artikel berichtete, weisen die Geschehnisse um den Murihof frappierende Parallelen zu berüchtigten Dauerbaustellen im Solothurner Niederamt auf. In Dulliken steht beim Projekt «Im Bad» seit dem Spatenstich im Jahr 2011 ein roher Wohnbau samt verrostetem Baukran in der Landschaft, in Niedergösgen sorgt die nie fertiggestellte Überbauung «Casa 18» bei den Anwohnenden für Unmut. Hinter diesen verfahrenen Solothurner Projekten stand der Treuhänder Viktor Sauter. Im Mai 2021 übernahm dieser auch das Verwaltungsratsmandat bei der Atai AG in Wettingen – und die Baustelle stand quasi still, da Ausführungsunterlagen fehlten. Hinter den Kulissen aber hat sich kürzlich viel getan: Anfang Jahr ist Sauter bei allen beteiligten Gesellschaften als Verwaltungsrat zurückgetreten, und mit dem Personalwechsel scheint das Blockademuster durchbrochen. Im Sommer kehrte Leben auf die Baustellen im solothurnischen Niederamt zurück und Handwerker machten eine Bestandsaufnahme.

Alle Hindernisse bereinigt

Auch in Wettingen zeichnet sich nach Jahren des Verharrens eine konkrete Wende ab: «Seit Juni 2026 sind alle offenen Punkte bereinigt, sodass mit dem Wiederaufbau des abgebrochenen Gebäudes begonnen werden kann», teilt Thomas Berz, stellvertretender Leiter Bau und Planung Wettingen, auf Anfrage mit. Und ein Vertreter der Bauherrschaft, der namentlich nicht genannt werden möchte, kündigt an, dass die Bauarbeiten im kommenden Herbst anlaufen werden. Trotz dieser optimistischen Signale bleibt nach den Erfahrungen der letzten Jahre eine Restskepsis bestehen. Sollte es wider Erwarten erneut zu Stockungen kommen, sind der Gemeinde rechtlich weitgehend die Hände gebunden: «Zurzeit sieht die Abteilung Bau und Planung keine Möglichkeit, den Wiederaufbau mit Massnahmen seitens der Gemeinde zu beschleunigen», so Berz. Die Verantwortung liegt nun bei der neu aufgestellten Bauherrin Atai AG. Es bleibt zu hoffen, dass tatsächlich bald die Bagger auffahren und das jahrelange Trauerspiel am Wettinger Murihof ein versöhnliches Ende findet.

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