Mit Verantwortung gegen Schulden
Im Rahmen des Präventionskonzepts der Sekundarschule Wettingen hielt Andrea Fuchs, Präventionsfachfrau der Schuldenberatung Aargau-Solothurn, einen Vortrag zum Thema Jugendverschuldung.

Rund 40 Mütter und Väter, die mindestens ein Kind im Teenageralter haben, besuchten den Anlass am Dienstagabend und folgten den Ausführungen und sowohl amüsanten als auch lehrreichen Beispielen von Andrea Fuchs, die auch aus ihrem Alltag mit den eigenen Teenagern stammten, mit grossem Interesse.
Jugendliche haben heute keine klare Vorstellung von Geld. Kinder sehen, dass Geld aus dem Bancomaten kommt. Teenager erleben nur den vollen Kühlschrank und das mietfreie Zimmer in der elterlichen Wohnung. Dass hinter all diesen Dingen Arbeit, Lohn und ein oft knappes Haushaltbudget stehen, merken sie oft erst im Lehrlingsalter. Gerade die Schweizer sprechen sehr ungern über Geld. Für Jugendliche ist es folglich schwer, dieses Tabuthema zu erfassen, und oft wissen sie zwar meist sehr genau, wie viel ein iPhone oder ihr Traumauto kostet, haben aber keine Ahnung, was ein Liter Milch oder ein Kilo Kartoffeln kosten oder wie viel der Unterhalt und die Nebenkosten von besagtem Auto betragen. Andrea Fuchs vermittelte in ihrem Vortrag erprobte Ideen, wie Jugendliche auf die Herausforderung «Selbstständigkeit» vorbereitet werden können, denn, so betonte sie: «Ich finde es ganz wichtig, dass Jugendliche lernen, dass Geld mit Arbeit zu tun hat und nicht nur für Luxus, sondern auch für den Lebensunterhalt da ist.» Jugendliche verschulden sich erfahrungsgemäss oft aus Unerfahrenheit, indem sie mehr ausgeben, als sie verdienen. 38 Prozent aller 18- bis 24-Jährigen in der Deutschschweiz haben heute Schulden, über ein Drittel bei den Eltern. «Damit trainiert man Jugendliche dazu, dass sie nicht mit dem auskommen, was sie haben», kritisierte Fuchs. Es sei wichtig, schon jüngere Kinder dazu zu erziehen, dass sie auch auf etwas warten können. Für Jugendliche bedeutet dies, Prioritäten setzen lernen und auf etwas sparen können. In diesem Alter legt Andrea Fuchs den Eltern den Jugendlohn ans Herz: Der Jugendlohn ist eine bestimmte Summe Geld, die Jugendliche zur Verfügung gestellt bekommt, um selbstständig zum Beispiel Kleidung zu kaufen. Der Betrag wird von jeder Familie gemäss ihren Möglichkeiten und bisherigen Erfahrungen festgelegt und kann auch noch weitere Punkte wie Coiffeur, Natel, Freizeit- und Sportartikel etc. umfassen. Für diese Dinge können Eltern mit ihren Kindern allgemeingültige Richtlinien festlegen, was die elterlichen Nerven mehr schont, als wenn sie um jedes Kleidungsstück diskutieren müssen. Zum Beispiel wie tief die Hose sitzen darf oder wie viel Stoff an ein T-Shirt für die Schule gehört.
Jugendliche gehen mit dem Jugendlohn viel sorgfältiger um, als wenn die Eltern um Geld angegangen werden. Wenn Jugendliche ihre Finanzen selber einteilen müssen, beginnen sie nämlich Prioritäten zu setzen. Mit dem Jugendlohn werden sie zuständig für Dinge, die sie selber betreffen, und übernehmen mit Freude Verantwortung. Bedingung ist aber, dass die Eltern diese Verantwortung tatsächlich abgeben und die Abmachung nicht sabotieren, indem sie den Kindern zusätzlich Geld für Dinge geben, die mit dem Jugendlohn finanziert werden sollen. Fuchs schloss mit der Ermunterung: «Trauen Sie Ihren Kindern etwas zu, die können das!»
Informationen und Tipps unter www.schulden.ch, Kapitel «Prävention», «für Eltern».


