Ja zu Solarstrom, Ja zum Tägi
Der Einwohnerrat stimmt für das Tägi, für die Solaranlage auf dem noch nicht existenten Dach - und prägt sich den Japanknöterich ein.

Zum Kreditbegehren von 5720000 Franken für die Planung der Ertüchtigung und Erweiterung des Sport- und Erholungszentrums Tägerhard sagte Reto Würmli im Namen der FiKo: «Die Grundlagen und alle relevanten Punkte liegen jetzt auf dem Tisch zur Entscheidung.»
Wieder gab das Aussenwarmbecken, dem durch den Stichentscheid des Einwohnerratspräsidenten Marco Kaufmann zugestimmt worden war, Anlass zu Diskussionen. Gemeindeammann Markus Dieth erklärte, der Gemeinderat hätte sich nochmal Gedanken zum Aussenwarmbecken gemacht und wolle es möglichst energieeffizient betreiben. Das heisst konkret, dass es auf reduziertem Temperaturniveau betrieben werden soll, wenn die Abwärme aus dem Eisfeld nicht ausreicht.
«Wir sagen ganz klar: Nein!», so Leo Scherer im Namen seiner Partei WettiGrüen. Der Mut der Leute zum Bau vor 40 Jahren sei mit Nichtwissen zu erklären. Heute wisse man über die Klimaerwärmung Bescheid und die Zahlen, die bezüglich Stromverbrauch des Tägi herausgekommen seien, seien schockierend. Das Luxusobjekt Tägi könne nur zu einem Sechstel mit erneuerbaren Energien betrieben werden. WettiGrüen forderte, dass der Gemeinderat das Projekt zurücknehmen und ein neues Energiekonzept ausarbeiten solle: «Das Vorliegende reicht uns nicht.»
Auch die SVP war vom Projekt nicht überzeugt. Die SVP habe sich stets gegen die Eishalle und die Mehrfachnutzung ausgesprochen und vertrete diesen Standpunkt immer noch, so Jürg Baumann. Die Partei ärgere sich dar-über, dass nach den bisherigen Zustimmungen die Module Ertüchtigung und Eishalle nicht mehr trennbar seien. Zudem sei die regionale Bedeutung des Projekts nach Meinung der SVP nicht so gross, wie vom Gemeinderat stets unterstrichen werde. Die gezeigten Ambitionen der Vereine rechtfertigten den Bau der Eishalle nicht. Wie die Schuldentilgung vonstatten gehe und die Steuerfusserhöhung weitergehe, sei nicht klar. «Das Tägi in diesem Ausmass gehört nicht zum Fortschritt Wettingens», weshalb sich die SVP geschlossen gegen den Projektierungskredit ausspreche.
Roland Klasen sagte, die SP finde die Planung gut – die Summen liessen einen aber schon leer schlucken. «Wir sind bereit, zu investieren – für einen guten Zweck.» Man müsse schauen, dass es keinen Druck gebe auf laufende Investitionen, vor allem im Sozialwesen, bei den älteren Mitbürgern und Kindern. Die Energiebilanz des Tägi spricht von unverschämtem Luxus, an den sich die Menschheit aber eben gewöhnt hat.
Reto Würmli sagte schlicht: Die FDP ist mutig und stimmt für das neue Tägi.
«Sanieren bedeutet nicht, in den Urzustand zurückversetzen, sondern Modernisieren. Wir wollen ein Tägi für die Zukunft, nicht aus der Vergangenheit», sagte Thomas Benz (CVP). Die CVP stimme deshalb Ja, auch wenn nicht jeder aus der Partei in die Sauna gehe.
Hanna Läng erzählte, dass schon ihr Vater vor 40 Jahren gesagt habe, dass eine Sanierung des Tägi teuer werde. Sie ist aber notwendig, und deshalb stimme auch die EVP zu.
Die Abstimmung fiel dann auch mit 32 Ja-Stimmen zu 14 Nein-Stimmen aus.
Für viele unverständlich war die Abstimmung über das Kreditbegehren von 1345000 Franken für ein Solarkraftwerk auf dem Dach des Sport- und Erholungszentrums Tägerhard – einem Dach, das noch nicht einmal gebaut ist. Reto Würmli (FiKo) erklärte das damit, dass die Dachfläche zwar noch nicht bewilligt sei, Statik und Dachöffnungen aber im Hinblick auf die Anlage geplant werden müssen.
Kritisiert wurde von den einzelnen Parteien vor allem, dass der Zeitpunkt für eine Abstimmung zu früh sei, da sich die Technik und vor allem die Preise bis zur Ausführung 2016/17 weiter und voraussichtlich enorm verändern werden. Trotz dieser Kritik begrüssten die Parteien aber die positive Einstellung des Gemeinderats dem Solarstrom gegenüber und stimmten dem Antrag mit 31 Ja zu 13 nein bei 2 Enthaltungen zu.
Aufsehen erregte am Donnerstagabend zudem noch Marie-Louise Reinert, die zu Demonstrationszwecken einen Stock Japanknöterich in den Saal hievte. «Das ist das Corpus Delicti», erklärte Reinert bezüglich ihrer Motion mit Pius Benz (SVP) vom 19. Januar: Gegen die Pflanze soll etwas unternommen werden, denn sie gehört zu den invasiven Neophyten, also den nicht-einheimischen Pflanzen, die andere Pflanzen verdrängen. Reinert hat die Pflanze mitgenommen, damit Grundstückbesitzer sie einmal sehen und später erkennen. Selbst kleine Stücke der Pflanze müssen nämlich verbrannt bzw. dem Kehricht übergeben werden, da aus jedem weggeworfenen Stück eine neue Pflanze wachsen kann.
Antoinette Eckert antwortete, dass der Gemeinderat die Motion entgegennehme und bereits gehandelt habe. Rechtlich gebe es aber keine Grundlage: «Wir sind bei der Ausrottung auf den Goodwill und das Verständnis der Bevölkerung angewiesen.» Es ist ein Inventar geplant, in dem alle Japanknöteriche erfasst werden sollen.


