Fussball und tägliche Kiwi
Heute feiert Olga Biland ihren 100. Geburtstag. Auch in diesem hohen Alter weiss sie, welcher Sportler gerade erfolgreich ist und was in den Königsfamilien läuft.

«Normalerweise gehe ich um 22 Uhr schlafen. Wenn dann aber ein wichtiger Fussball- oder Tennismatch am Fernseher gezeigt wird, bleibe ich länger wach», sagt Olga Biland, die heute ihren 100. Geburtstag feiert. Die Birmenstorferin ist gesund und mobil, lebt alleine in einer Alterswohnung im Kehl und fährt selbstständig mit dem Bus in die Stadt, wenn ein Arztbesuch ansteht. Von ihrem Fauteuil aus verfolgt sie in ihrer 1-Zimmer-Wohnung auf dem Fernseher am liebsten Sportsendungen. Insbesondere Fussball, Tennis und Skirennen schaut sie sich an. Auf die Frage, wer denn ihr Lieblingsclub oder Lieblingssportler sei, antwortet sie erst nach langem Überlegen. «Eher der FC Basel als der FC Aarau. Alex Frei spielt ja zwar nicht mehr beim FCB, sondern ist jetzt in Luzern.» Auch darüber, was in den Königshäusern läuft, weiss sie bestens Bescheid. Ihr Sohn bringt ihr jeden Mittwoch und Samstag ein Heftli mit, in dem sie nicht nur die Kreuzworträtsel löst, sondern auch das Neuste aus den Königsfamilien erfährt.
Wie hat sie es geschafft, so lange zufrieden zu leben? «Nicht neidisch auf andere sein, sondern immer zufrieden leben mit dem, was man selber hat», resümiert die alte Dame, die in Möslen bei Rütihof aufgewachsen ist. Weil der Schulweg nach Birmenstorf zu Fuss eine Stunde dauerte, konnten sie und ihre beiden Geschwister über den Mittag nicht nach Hause. «Wir nahmen das Mittagessen mit und wärmten es im Ofen.» Nach der Schule habe sie gerne Kinder gehütet oder beim Bauern mitgeholfen und als Dank Früchte oder Kartoffeln geschenkt bekommen. Auch heute mag sie Früchte gerne: «Ich esse heute jeden Tag eine Kiwi.»
Die Jubilarin erinnert sich gerne an die Zeit in Frankreich zurück, wo sie als 19-Jährige bei einer Familie als Zimmermädchen tätig war. In diesem Beruf hat sie auch in der Schweiz diverse Saisonstellen gehabt. «Eine Lehre durfte ich nicht machen, weil mein Vater das nicht wollte.»
Ihren Mann, der bei der BBC und später bei den Regionalwerken Baden als Gasmonteur arbeitete, hat sie an einem Musikabend im Badener Hotel Linde kennengelernt. «Eigentlich kannten wir einander schon von der Schule, wir haben uns aber jahrelang nicht mehr gesehen und dort wieder getroffen.» Mit 29 Jahren hat sie ihn geheiratet, mit 37 Jahren ihren mittlerweile pensionierten Sohn geboren und danach stets in Baden und Wettingen gewohnt. Sie erinnert sich noch heute gerne daran zurück, wie sie mit Mann und Sohn am Sonntag mit dem ersten Auto, einem Fiat 500, Topolino genannt, an einen Bergsee fuhr, um dort zu grillieren. An die Kriegszeit erinnert sie sich nur noch schwach zurück. «Wir haben manchmal Lebensmittel miteinander getauscht.»
Im Moment beschäftigt sie vor allem der runde Geburtstag, den sie heute bei einem Mittagessen mit 21 Gästen im Kehl feiert. «Ich bin froh, wenn der Rummel vorbei ist», gesteht sie. Dann kann sie sich wieder in ihren gemütlichen Fauteuil setzen und schauen, was die Sportler und Königsfamilien so machen.


