«Erhöhter Kontrolldruck»
Eigentlich hätten Wettinger Schüler zum Schulanfang Schreibblöcke der Fussgängersicherheits-Kampagne «Halt bevors knallt» verteilen sollen. Da sich niemand angemeldet hat, übernahmen Polizisten diese Aufgabe. Die Automobilisten reagierten, wenn auch nicht erfreut, so doch verständnisvoll.

Vielleicht ist es dem einen oder anderen schon aufgefallen: das Plakat mit dem lächelnden Playmobil-Männchen, ein Stoppsignal vor sich hinhaltend, die Aufschrift «Halt bevors knallt, bremsen Sie nicht nur ab!». Es ist das Plakat der aktuellen Verkehrssicherheitskampagne zum Thema «Schulweg», lanciert vom Touring Club Schweiz (TCS) und unterstützt vom Bundesamt für Umwelt (bfu) und dem Fonds für Verkehrssicherheit (FVS). Hauptbotschafterin ist jedoch die Polizei, die die Verkehrsteilnehmenden auf Kinder im Strassenverkehr sensibilisieren will in den Wochen nach den Sommerferien, Schülerinnen und Schüler, die sich auf dem Schulweg noch nicht sicher bewegen. Es gilt, die durchschnittliche Zahl von über 300 verunfallten Schulkindern pro Jahr zu verringern. Deswegen will die Polizei Wettingen Präsenz markieren, indem sie vermehrte Kontrollen durchführt, so wie am vergangenen Mittwoch vor dem Schulhaus Dorf in Wettingen. «Erhöhter Kontrolldruck» lautete dabei die Zauberformel, um die Automobilisten zum umsichtigen Fahren zu bewegen.
Sieben uniformierte Polizisten in Leuchtwesten kontrollierten die vorbeifahrenden Automobilisten, die Vergehen waren zahlreich: von Telefonieren am Steuer, nicht angegurtetem Fahren, fehlenden Kindersitzen und Fahrzeugausweisen bis hin zum Missachten von Fussgängern. Obwohl Letztere besonders im Fokusstanden, wurden alle Gebüssten über die Kampagne «Halt bevors knallt» informiert und erhielten als kleines Präsent einen Schreibblock. Eigentlich hätten diese, sozusagen als Charmeoffensive, von Erstklässlern übergeben werden sollen – für die Aktion hat sich jedoch niemand angemeldet. «Vermutlich war die Aktion zu kurzfristig angelegt», so Polizist Späni, weswegen die Polizisten die Aufgabe übernahmen.
Die Automobilistinnen und Automobilisten reagierten, wenn auch nicht erfreut, so doch sehr verständnisvoll. Sie wisse, dass sie vor dem Fussgängerstreifen hätte achtsamer sein sollen, gibt eine Autofahrerin zu. Viele der anderen Gebüssten mussten jedoch wegen Vergehen ihr Portemonnaie zücken. Essenziell ist am Ende, dass die Polizei wahrgenommen wird. «Ohne Kontrolle kommt es schnell zur Verwilderung», so Polizist Spänis Worte.
Die Kampagne ist wichtig, obwohl, oder vielmehr trotz des Trends, dass viele Eltern ihre Sprösslinge zur Schule fahren. «Das Phänomen Elterntaxi hat sich in den letzten Jahren verstärkt», sagt Polizist Späni, wie er findet, nicht immer zugunsten der Kinder. «Die Eltern meinen es bestimmt gut, doch die Kinder lernen nicht, sich selbstständig im Verkehr zu bewegen.»
Nicht nur dem Regionalpolizisten, sondern auch Anwohnern und anderen Verkehrsteilnehmenden bereitet dieser Trend Stirnrunzeln, denn die Mami- und Papi-Chauffeure parken oft, wo es ihnen beliebt: auf Halteverbotslinien, im Trottoirbereich und auf Fussgängerstreifen. «Schon in der ersten Schulwoche sind bei uns zahlreiche Telefonate und E-Mails eingegangen, worin sich Leute über dieses wilde Parkieren beschwert haben», berichtet Polizist Späni. Der Verkehrsinstrukteur rät Eltern, mit ihren Kindern den Schulweg zu Fuss zu gehen, um deren Selbstständigkeit zu fördern. Dies würde nämlich nicht nur den Kindern dienen, sondern es würde auch das «Phänomen Elterntaxi», das sich sichtlich zu einem Problem wandelt, abgeschwächt werden.


