Ein neues Quartier an den Gleisen

Die Neugestaltung des Bahnhofsareals Wettingen nimmt Form an. Auf dem Grundstück der Avadis AG sollen bis Ende 2027 rund 150 Wohnungen und einige Gewerbeflächen entstehen. Im Tägi wurde das Siegerprojekt des Gestaltungswettbewerbs erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Jury-Vorsitzender Christian Hönger stellt das Siegerprojekt «Dynamo» vor.Philippe Neidhart

Der Bahnhof Wettingen ist bereits heute ein wichtiger und mit rund 6000 Personen täglich ein stark frequentierter Verkehrsknotenpunkt. Schlendert man allerdings über das Gelände zwischen den Geleisen, Seminarstrasse und Güterstrasse, so bietet sich ein eher tristes Bild: Industriebauten, viele Parkplätze, eine alte Tankstelle und wenig Grün dominieren das Bild. «Der Bahnhof hier in Wettingen wirkt momentan wenig einladend», sagte Gemeindeammann Roland Kuster (Mitte) zu Beginn des Abends. Doch das soll sich nun ändern. Nach der SBB (die Limmatwelle berichtete) hat nun auch die Avadis AG ihr Projekt vorgestellt, welches das Bahnhofsareal in ein lebendiges und attraktives Quartier verwandeln soll. Die Anlagestiftung kaufte die rund 10000 Quadratmeter umfassende Parzelle von der Debrunner Acifer AG im Januar 2022 und lancierte daraufhin einen Gesamtleistungswettbewerb für die Neugestaltung.

Freiräume und Abwechslungsreichtum

Insgesamt haben fünf Teams am Verfahren teilgenommen – als Gewinner wurde das Projekt «Dynamo» von «p-4 AG», «atelier ww Architekten SIA AG» sowie «Appert Zwahlen Partner AG» einstimmig von der Jury unter der Leitung des Architekten Christian Hönger auserkoren. Auf der Parzelle sollen sieben Wohnblöcke mit jeweils fünf Geschossen entstehen, neben den über 150 Wohnungen sind im Erdgeschoss Gewerbeflächen und ein Kindergarten vorgesehen. Dabeiwurde ein Augenmerk auf Nachhaltigkeit gelegt, denn gerade in Bezug auf die Freiräume und die Natur überzeugte das Siegerprojekt die Jury: «Mit der Quartierwiese im Zentrum entsteht Freiraum», so Hönger, zudem sollen auf zwei der Bauten öffentliche Dachterrassen entstehen. Ebenso positiv bewertete er die umlaufenden Loggien, «man hat das Gefühl einer Veranda, eines südlichen Lebensgefühls.»

Auch der Abwechslungsreichtum wurde von der Jury positiv aufgenommen, so besticht das Projekt «Dynamo» durch drei verschiedene Architekturen mit unterschiedlichen Wohnungstypen und Fassaden: «Dadurch entstehen verschiedene Grundrisse und eine Diversität beim Wohnungsangebot», erklärt Hönger, eine Grundvoraussetzung für ein heterogenes und lebendiges Quartier. Mehrfach ist bei den zahlreich erschienenen Interessierten die Frage zu hören, wer wohl später einmal hier einziehen wird. Avadis spricht im Schlussbericht von «vielfältigen mittelständischen Zielgruppen», dies beinhalte sowohl «allein oder zu zweit Lebende, aber auch Familien», zudem wolle man eine gute Durchmischung von Altersstufen und Lebensformen ermöglichen.

Zukünftige Entwicklungen

Seit zehn Jahren begleitet Roland Kuster den Prozess der Neugestaltung des Areals, und dieser ist längst nicht abgeschlossen: «In Zukunft werden wir hier am Bahnhof in Wettingen mehr Anschlüsse an den öffentlichen Verkehr haben – wir werden zu einem sogenannten Drehscheibenort», so der Gemeindeammann; zurzeit befinde man sich mit dem Kanton in der Evaluationsphase. Ziel werde es sein, dass nicht mehr alle ÖV-Linien durch das Zentrum von Baden führen, gerade in Hinsicht auf die stetig steigende Verkehrsbelastung. «So werden die Bahnhöfe Wettingen und Turgi in regionaler Sicht eine massive Aufwertung erhalten.» Ausserdem darf man gespannt sein, wie die Bauprojekte der beiden weiteren Grundeigentümer des Bahnhofsareals – der Post AG und Lägern Plastic – sich zukünftig präsentieren werden.

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