«Du bist die Veränderung in dieser Welt»
Cornelia Keller aus Wettingen rennt einen Halbmarathon, um auf Menschenhandel aufmerksam zu machen und Spenden für die Organisation A21 zu sammeln.

Der Gedanke «Be the Change – sei die Veränderung in dieser Welt» beschäftigt Cornelia Keller aus Wettingen immer wieder. «Gerade auch bei den grossen Problemen der Menschheit, bei denen wir uns schnell in Resignation und Hoffnungslosigkeit zurückziehen», sagt Keller. Vor rund einem halben Jahr beschloss die 37-Jährige deshalb, den Hallwilerseelauf am 11. Oktober zu rennen. Damals war sie aber alles andere als fit für ein solches Vorhaben: «Noch in diesem Frühjahr war nach spätestens zwei Kilometern die Kondition am Ende», sagt Keller.
Als Cornelia Keller eine Zeit in Australien lebte, erfuhr sie von der Problematik des Menschenhandels. «Heute, im 21. Jahrhundert, gibt es mehr Sklaven als je zuvor. Der Menschenhandel ist heute das am schnellsten wachsende Verbrechen», meint Keller. Nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sind heute rund 21 Millionen Menschen Opfer von Menschenhandel. Laut UNO-Bericht über Menschenhandel (2013) ist sexuelle Ausbeutung mit 79% die häufigste Form des Menschenhandels, danach kommt Zwangsarbeit mit 18%. Der Menschenhandel, besonders der Frauen- und Kinderhandel, zählt heute zu den lukrativsten Geschäften mit relativ geringem Entdeckungsrisiko. Der Umsatz beträgt weltweit jährlich rund 35 Milliarden US-Dollar, wie die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) schätzt. Somit wird hier mehr Geld verdient als im Waffen- und Drogenhandel.
Diese Umstände liessen Cornelia Keller, seit sie davon erfuhr, nicht mehr los. «Ich habe im Frühjahr ein Video gesehen von einem Mädchen, das einen Lauf machte für einen guten Zweck», erzählt die Wettingerin. Sie beschloss daraufhin, auf den 21,2 Kilometer langen Hallwilerseelauf zu trainieren. Ziel sei es, Familie und Freunde zu animieren, eine Spende an die Organisation A21 zu geben, die sich weltweit gegen Menschenhandel einsetzt. «Die A21-Campaign macht eine grossartige Arbeit. Sie will zerbrochene Leben retten, wiederherstellen und wieder aufbauen», so Keller. Mehrere Tausend Franken seien bis jetzt schon zusammengekommen.
Die letzten Monate waren jedoch alles andere als einfach. Joggen sei nämlich gar nicht ihr Ding, meint die Mutter von zwei Kindern. Bei null angefangen, trainierte sie gegen Ende fünfmal pro Woche. Zusammen mit einer Freundin ist sie viel durch die Wettinger Rebberge, am Lägernhang entlang hinten ins Eigi gerannt. Bewusst wollte sie nichts machen, was ihr so leicht in den Schoss falle: «Ich musste mich extrem überwinden. Es gab Momente, in denen ich am liebsten aufgegeben hätte. Ein Halbmarathon ist eigentlich eine Schuhnummer zu gross für mich.» Da sie aber den Leuten, die gespendet hatten, versprochen habe, den Halbmarathon zu schaffen, hat sie durchgehalten. Ich will nicht die Schnellste sein, sondern einfach ankommen.
Am letzten Samstag war es dann so weit: Nach rund 212 Stunden erreichte Cornelia Keller das Ziel. «Es liegt oft so viel mehr drin, als wir denken. Vor einem halben Jahr hätte ich nicht im Traum gedacht, dass ich einen Halbmarathon laufen werde. Es ist unglaublich, was man erreichen kann, wenn man sein Ziel im Blick hat.» Zufrieden und glücklich schaut die Wettingerin nun auf die vergangene Zeit: «Die letzten Wochen und Monate waren eine Mischung aus Überwindung, Freude über das Geleistete, Frustration und Hochgefühlen», erzählt Keller. Bei all dem habe sie versucht, auf den Grund fokussiert zu bleiben, weswegen sie das alles überhaupt gemacht habe: Um einen Unterschied im Leben dieser Frauenschicksale zu bewirken.»


