Dieth: «Ein Projekt muss als Ganzes stimmen»
Fortsetzung Frontinterview
Ist es Ihrer Meinung nach richtig, dass der Einwohnerrat eine Voraus- wahl traf?Markus Dieth, Gemeindeammann: Der Einwohnerrat ist vom Volk gewählt und ihr Vertreter. An acht Einwohnerratssitzungen hat sich der Rat mit dem Projekt Tägi befasst. In den Medien wurde das Volk darüber informiert. Während mehr als zehn Jahren haben Vertreter aus dem Einwohnerrat zusammen mit Fachpersonen das Projekt erarbeitet und begleitet. Es war wichtig, eine Vorauswahl zu treffen, damit dem Volk jetzt ein ausgereiftes Projekt präsentiert werden kann.
Können Sie trotzdem verstehen, dass das Volk sich gerne zu den einzelnen Modulen äussern würde? Es ist üblich, dass der Souverän nicht über Details abstimmt. Bei einem Strassenprojekt stimmt der Souverän ja auch nicht über den Belag ab. Ein Projekt muss als Ganzes stimmen, deshalb kann man es nicht auseinanderreissen.
Ebenfalls stört es die IG, dass die Bevölkerung nicht von Anfang an einbezogen und informiert wurde. Ist diese Kritik berechtigt?Die Volksvertreter waren immer involviert, im Einwohnerrat sowie in Begleit- und Wettbewerbskommissionen – dafür wurden diese Leute ja seinerzeit vom Volk gewählt. In den Medien wurde über Entscheide informiert. Beim Tägi handelt es sich um eine sehr technische und komplexe Sache, die nicht mit dem Projekt an der Landstrasse zu vergleichen ist, wo der Souverän schon bei der Diskussion miteinbezogen worden ist. Ich bin der Auffassung, dass dies im Tägi nicht möglich gewesen wäre und es richtig gelaufen ist.
Kritiker sprechen von einem Luxus-Tägi, das gebaut werden soll. Wie sehen Sie das? Nach Auffassung des Gemeinderates und des Einwohnerrates ist das überhaupt nicht der Fall. Man hat überall eingespart, wo dies möglich war. Man muss bedenken, dass im Tägi jährlich 400 000 Personen ein- uns ausgehen. Das sind pro Tag über 1000 Leute. Das Tägi wird einen Impuls für die S-Bahn-Haltestelle und die Entwicklung von Wettingen-Ost sowie für Sportvereine geben. Der Wettinger Sport erhält dadurch ein Kompetenzzentrum. Wichtig ist auch zu wissen, dass es im Tägi kein weiteres Thermalbad gibt, sondern ein Aussenbecken mit ein paar Düsen und einem Flusslauf, das die Attraktivität der Anlage steigert.
Damit sind ja aber nicht die Bedürfnisse der gesamten Bevölkerung abgedeckt ... Doch, es gibt für die gesamte Bevölkerung einen Mehrnutzen. Auch der kulturelle Bereich gewinnt mit der Eishalle, die als Kongressaal umgenutzt werden kann. Als das Tägi vor vierzig Jahren gebaut wurde, war es ein Luxus. Heute machen wir nichts Neues, sondern renovieren es und erhalten es aufrecht.
Wird sich Wettingen wegen der Investitionen überschulden, respektive ist mit einer massiven Steuerfusserhöhung zu rechnen? Wir haben den Finanzplan über die übliche Finanzperiode hinaus erstellt, sind eher von düsteren Prognosen ausgegangen und haben ihn von einem externen Finanzinstitut überprüfen lassen. Dies hat ergeben, dass die Investitionen finanziell tragbar sind und auch andere Bereiche nicht wegen des Tägis zurückgestellt werden müssen. Wir sprechen beim Tägi immer von Baukosten über 80 Mio. Franken. Ich gehe aber davon aus, dass sich der Betrag durch die finanzielle Beteiligung umliegender Gemeinden und des Kantons auf rund 70 Mio. Franken reduziert.
Wird man nach der angekündigten Steuererhöhung von 6 Prozent keine weitere Erhöhung machen müssen? Wir werden im Jahr 2013/14 die Schulanlage Zehntenhof neu bauen müssen, das Margeläcker 1 und 3 aufstocken und je zwei Doppelkindergarten bauen müssen. Dies alles als Folge der Schulreform Stärkung der Volksschule. Zudem müssen Räumlichkeiten für die Tagesstrukturen bereitgestellt werden. Wegen dieser hohen Investitionen ist eine Steuerfusserhöhung von 6 % ab dem Jahr 2013 nötig. Wir haben dann immer noch einen konkurrenzfähigen Steuerfuss von 95% – beim Tägibau vor 40 Jahren lag er bei 125%! Weil danach die hochinvestive Phase wegen des Tägis bis ins Jahr 2019 weitergeht, wird der Steuerfuss nicht gesenkt. Ab dem Jahr 2020 sollen die Schulden abgebaut und danach der Steuerfuss wieder gesenkt werden.
Was, wenn der Projektierungskredit vom Volk abgelehnt wird? Dann müssen wir das Eisfeld rück-bauen, weil wir keine Bewilli-gung mehr dafür erhalten. Das Schwimmbad würde renoviert werden und wo jetzt das Eisfeld ist, würde ein Schotterplatz entstehen. www.wettingen.ch(bär)


