«Die Schweiz bietet eine gute Sozialversicherung»
Als Schnittstelle zwischen der kantonalen Ausgleichskasse SVA Aargau und den Einwohnern helfen Cornelia Zeindler und Adriana Martinelli von der Gemeindezweigstelle SVA beim Thema Sozialversicherungen weiter. Sie erleben dabei Schönes, Tragisches und Herausforderndes.

«Kürzlich kam eine 62-jährige Frau hierher, die sich vorpensionieren liess und wissen wollte, wie sie dies in Sachen AHV-Beiträgen regeln muss», nennt Cornelia Zeindler einen typischen Fall ihres Arbeitsalltags. Zeindler ist Leiterin der Gemeindezweigstelle SVA und zusammen mit Sachbearbeiterin Adriana Martinelli in Wettingen Anlaufstelle bei Fragen zur Sozialversicherung. Die beiden Frauen helfen der Bevölkerung beim Beantragen von individuellen Prämienverbilligungsanträgen (IPV), Ergänzungsleistungen und AHV-Beiträgen, beantworten Fragen und prüfen, ob Anträge vollständig ausgefüllt, die Daten richtig und alle Unterlagen beigelegt sind. Danach werden die Gesuche an die kantonale Ausgleichskasse nach Aarau weitergeleitet.
«Der grösste Teil der Arbeit ist die persönliche Beratung, der Rest Administration», sagt Zeindler, die sich nach einer kaufmännischen Lehre zur Sozialfachfrau hat weiterbilden lassen. Was befriedigt sie an ihrer Arbeit besonders? «Wenn ich helfen kann und zusammen eine Lösung gefunden wird.» Eine Lösung gebe es immer, auch wenn es nicht immer diejenige sei, die von den Personen gewünscht werde. «Die Schweiz bietet eine gute Sozialversicherung an. Doch wer profitieren will, muss etwas tun – ohne Anmeldung keine Leistung.» Ebenso, wer sich nicht an die Rahmenbedingungen hält. Wer Ergänzungsleistungen bezieht, darf beispielsweise nicht mehr als drei Monate pro Jahr im Ausland weilen. «Wenn wir merken, dass sich jemand nicht daran hält, laden wir ihn jeden Monat zu uns ins Büro ein. Bei Nichterscheinen wird die Leistung eingestellt.»
Auch wenn in wettingen nicht über Annahme oder Ablehnung der Gesuche entschieden wird, laden Klienten den Frust einer Gesuchsablehnung manchmal bei Cornelia Zeindler und ihrer Kollegin ab, greifen sie verbal an oder werden laut. «Doch mehrheitlich sind die Gesuchsteller dankbar, dass wir ihnen weiterhelfen», sagt Zeindler, in deren Büro sich auch tragische Geschichten abspielen. So komme es heute immer häufiger vor, dass ältere Menschen, die ins Pflegeheim müssen, in finanzielle Not geraten und Ergänzungsleistungen beantragen müssen. «Einmal kam ein verzweifeltes älteres Ehepaar hierher. Der Mann war so stark pflegebedürftig, dass seine Frau nicht mehr für ihn sorgen konnte und er ins Pflegeheim musste. Sie wussten nicht, wie sie das bezahlen sollten und weinten, weil sie getrennt wurden.»
Während der 13-jährigen Tätigkeit bei der Gemeindezweigstelle SVA hat die 39-Jährige gelernt, auch mit solchen herzergreifenden Situationen umzugehen. Ausgleich findet sie in ihrer Freizeit, die sie unter anderem mit Stepptanz und Irischtanz, im Kino, als Visagistin und mit Freunden oder als Vorstandsmitglied bei den «Golden Oldies» verbringt.


