«Das gibt den 5.-Klässlern Perspektiven»
Vizeammann Heiner Studer und Schulpflegepräsident Thomas Sigrist erläutern, wie in Wettingen den zunehmenden Schülerzahlen und der Umsetzung auf sechs Jahre Primarschule Rechnung getragen wird.

Wegen der steigenden Schülerzahlen sowie der Umstellung auf sechs Jahre Primarschule und drei Jahre Oberstufe braucht es in Wettingen mehr Schulraum. Was ist konkret geplant? Thomas Sigrist, Schulpflegepräsident: Im Winter 2013 war Baustart des Doppelkindergartens im Gebiet Langäcker mit Tagesstrukturen. Für knapp 18 Mio. Franken sollen im Sommer 2013 die drei Schulhäuser im Margeläcker aufgestockt und angebaut werden. Sofern der Einwohnerrat und das Volk den Kredit genehmigen, ist der Bau ein Jahr später bezugsbereit. Weiter ist geplant, die Schulanlage Zehntenhof im Sommer 2014 abzureissen und einen Neubau zu erstellen, der Anfang 2016 fertiggestellt sein soll.
Wo werden die vom Um- und Neubau betroffenen Schüler unterrichtet? Sigrist: Um sie vor den Lärmemissionen zu schützen, werden sie während der Bauzeit in Containern unterrichtet, die im Margel-äcker aufgestellt werden. Im 2013 werden darin die betroffenen Schüler des Margeläckers unterrichtet. Ab Sommer 2014 werden sie von den Mittelstufenschülern genützt, die danach im Zehntenhof unterrichtet werden.
Wo werden künftig welche Schüler unterrichtet, wenn im Jahr 2016 wieder genügend Schulraum zur Verfügung steht? Sigrist: Für die Schule Wettingen ist klar, dass unsere jüngsten Kinder den kürzesten und sichersten Schulweg haben sollen. Daher bleiben die Kindergärtler in den 23 Kindergärten in ihrem Quartier. Die 1.- bis 4.-Klässler werden wie bisher in den Unterstufenschulhäusern Altenburg, Dorf und Margeläcker unterrichtet. Im Neubau Zehntenhof entsteht ein neues Mittelstufenzentrum, wo ab dem Jahr 2016 5.- und 6.-Klässler unterrichtet werden. Die Real- und Sekundarschüler würden ab dem Schuljahr 2014 am Standort Margeläcker unterrichtet. Die Bezirksschule bleibt an ihrem jetzigen Standort.
Wieso baut man nicht die bestehenden Schulhäuser so aus, dass auch noch eine 6. Klasse darin unterrichtet werden kann und die Schüler erst in der 7. Klasse ins Oberstufenschulhaus wechseln müssen? Sigrist: Wir sind überzeugt, dass der Wechsel ein guter Schritt ist. Die Kinder bekommen in der 5. Klasse nochmals eine neue Lehrperson und können ihre Fähigkeiten zeigen, bevor dann entschieden wird, welche Oberstufe für sie geeignet ist. Die eher schwächeren Schüler wären andernfalls schon in der 4. Klasse unter einem enormen Erfolgsdruck.
Heiner Studer, Vizeammann mit Ressort Schule: Es ist ein pädagogisch sinnvoller Schritt . Mit dieser Änderung sind alle 5.- und 6.-Klässler in einem Schulhaus, das gibt ihnen eine Perspektive und sie sind unter Gleichaltrigen. Andernfalls gibt es eine Altersdifferenz von sechs Jahren, was wir als nicht ideal erachten.
Sigrist: Um die Schüler nicht zu überfordern, bleiben sie im Klassenverband und wechseln nur den Standort.
Gibt es noch andere Gründe, die zu diesem Lösungsvorschlag geführt haben? Sigrist: Am Anfang war geplant, die Schule Zehntenhof nur für die Realschule umzubauen. Die zunehmende Schülerzahl hat gezeigt, dass das Platzproblem nicht gelöst wäre.
Das hätte ja auch mit einem neuen, vierten Schulkreis für Primarschüler gelöst werden können. Wieso haben Sie diese Variante ausgeschlagen?Studer: Wenn man ein weiteres Primarschulhaus bauen würde, müsste das im Osten Wettinges sein, weil dort ein grosses Entwicklungsgebiet ist, das später sicherlich auch von Familien mit Kindern besiedelt wird. Doch dort ist noch keine Baugebietsabgrenzung gemacht, man kann dort noch kein Schulhaus bauen. Der einzige Ort, wo Platz für ein weiteres Schulhaus wäre, ist beim ehemaligen Fussballclub Baden oder auf der Zirkuswiese an der Tödi-strasse. Das ist aber der falsche Standort für ein viertes Schulhaus, es ist zu nah bei den bisherigen.
Sigrist: Mit einem vierten Primarschulhaus würden sich die Grenzen verändern. Damit die Kinder gleichmässig verteilt wären, müssten einige Kinder – auch 1.-Klässler – längere Wege auf sich nehmen.
Einige Eltern haben eine Interessengemeinschaft gegründet und wehren sich gegen die Schaffung eines solchen Mittelstufenzentrums. Sie wünschen, dass die sechs Jahre Primarschulzeit durchgehend am gleichen Standort besucht werden kann. Was ist dagegen auszusetzen? Studer: Es sind die oben genannten Gründe, die uns zu dieser anderen Lösung bewogen haben. Die ersten vier Jahre sollen nichts mit Selektion zu tun haben und die Schüler sollen in der 5. Klasse die Möglichkeit haben, in ihrer Lebensentwicklung einen Schritt weiterzugehen. Und die Umstellung auf je zwei Jahre bei der gleichen Klassenlehrperson erachten wir als sinnvoll. Bisher hatten sie ja nur einmal drei Jahre lang die gleiche Lehrperson. Also ist dieser Wechsel nicht markant.
Es wird kritisiert, dass für einige Schüler der Schulweg bereits ab der 5. statt erst ab der 6. Klasse länger wird. Was tut die Gemeinde, um den Schulweg möglichst sicher zu machen? Urs Heimgartner, Leiter Bau- und Planungsabteilung: Es sind verschiedenste Massnahmen im Gang. Einerseits ist man an der Erarbeitung des Langsamverkehrskonzepts, das auf die vom Einwohnerrat genehmigten Tempo-30-Zonen abgestimmt ist. Und andererseits werden die Kinder von der Polizei auf die Verkehrssituation ihres Schulwegs und auf Gefahren sensibilisiert. Im Zusammenhang mit den Strassenbauprojekten werden die laufenden Planungen und Bedürfnisse koordiniert und baulich umgesetzt.
Wo zum Beispiel? Ein besonderes Augenmerk wird auf die Hauptachsen Alberich-Zwyssig- und Landstrasse gelegt. Dort werden laufend Verbesserungen für den querenden Langsamverkehr vorgenommen. Zurzeit wird die Verbesserung der Landstrassenquerung vor der Schulanlage Dorf an die Hand genommen. Es ist beabsichtigt, auch dort eine Mittelinsel zu realisieren.
Wie nützlich sind solche Inseln? Es hat sich gezeigt, dass Unfälle meistens während der Querung der zweiten Fahrbahnhälfte passieren. Man konzentriert sich vor allem auf den ersten Teil. Solche Inseln schaffen Sicherheit.
Anm. der Red.: Geplant war, in dieser Ausgabe ein Pro- und Kontrainterview mit Vertretern der Gemeinde und der IG «SechsJahreEinSchulhaus» zu publizieren. Nach einem Hin- und Her sagte die IG die Teilnahme am Interview schlussendlich ab, sodass nun dieses Interview mit Gemeindevertretern entstand.


