Blindes Vertrauen ins Pony
Zufällig sind Eva und Luz Sozzi auf die Therapie mit Tieren gestossen. Seit 16 Jahren bieten sie auf ihrem Hof tier- und pferdegestützte Therapien an. Vor einem Jahr wurde die Stiftung «Begegnung mit Tieren» gegründet, um sicherzustellen, dass der Betrieb auch nach der Pensionierung des Ehepaars weiterläuft.

Oberhalb von Wettingen, am Südhang der Lägern, liegt der Hof von Eva und Luz Sozzi. Wo man hinsieht, begegnet man Tieren: Pferden, Katzen, Kaninchen, Hühnern, Maultieren, Ponys, Hunden, Zwergschweinen, Meerschweinen, Enten und Schafen. An diesem Montagmorgen ist gerade ein 16-jähriger Jugendlicher angekommen, um mit einem Pony auszufahren. Obwohl der Junge blind, teilweise gelähmt und auch geistig behindert ist, ist er jahrelang auf einem Pferd geritten. Seit er zusätzlich an Epilepsie leidet, ist das Reiten nun aber zu gefährlich für ihn. Er lässt sich deshalb in einem Zweiradwagen vom Vierbeiner ziehen. «Das ist eine gute Übung für seinen Gleichgewichtssinn», sagt Eva, die den Jugendlichen im Wagen betreut, während das Pony mit dem Wagen von einer Mitarbeiterin geführt wird.
Ihr ist es zu verdanken, dass auf dem Hof, den das Ehepaar Sozzi vor dreissig Jahren erworben hat, heute Menschen mit einer Behinderung der Zugang zu Tieren ermöglicht wird. «Bei unseren eigenen vier Buben merkten wir, welch positiven Einfluss die Tiere auf unsere Kinder hatten», sagt Luz Sozzi. So kamen immer mehr Tiere auf den Hof. Die eigenen Kinder sind zwar längst erwachsen und ausgeflogen, die Tiere aber sind geblieben. Sozzis haben den Hof selber renoviert und ausgebaut und die Lehrerin für Textiles Werken liess sich zudem zur Reitpädagogin weiterbilden. Damit wurde die Basis für den heutigen Betrieb gelegt. «Irgendwann wurde der Betrieb jedoch zu gross, um ihn neben dem Job zu führen. Wir mussten uns entscheiden, uns ganz darauf einzulassen oder aufzuhören», so der 60-Jährige. Sie entschieden sich für den Hof. Der Chemiker hängte seine Arbeit bei der Alstom an den Nagel und ist seither für den Gesamtbetrieb verantwortlich, kümmert sich um die Landwirtschaft, Administration und die Mitarbeitenden und Lernenden. Seine Frau und die angestellte Sozialpädagogin indessen arbeiten mit den Kindern, Jugendlichen und erwachsenen Menschen mit einer geistigen, körperlichen oder psychischen Beeinträchtigung, die auf dem Hof ein- und ausgehen. «Ein Tier zu pflegen, Verantwortung zu übernehmen und gebraucht zu werden, stärkt ihren Selbstwert und fördert sie», sagt die 56-Jährige.
Damit dieses Angebot auch nach der Pensionierung aufrechterhalten bleibt, wurde vor einem Jahr die gemeinnützige Stiftung «Begegnung mit Tieren» gegründet. Namhafte Persönlichkeiten engagieren sich im Stiftungsrat. Luz Sozzi ist Stiftungspräsident, Tanja Bürgi Vizepräsidentin. Neben der Förderung des therapeutischen Angebots mit Tieren sammelt die Stiftung auch Geld und sucht Spender. Damit werden individuelle Ausrüstungen angeschafft und Klienten unterstützt, die nicht den vollen Therapiebetrag bezahlen können. Die Stiftungsräte engagieren sich ehrenamtlich. «Ich will damit meine Dankbarkeit für die eigenen zwei gesunden Kinder zeigen und engagiere mich deshalb für dieses sinnvolle Angebot», sagt Bürgi. Sie selber reitet nicht und ist umso beeindruckter vom 16-jährigen Jugendlichen, der dem Pony ohne Sehkraft blind vertraut. www.begegnung-mit-tieren.ch
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