Angebot ist ungenügend

Vor einer Woche hat das überparteiliche Komitee die von über 1500 Personen unterschriebene Initiative «für ein freiwillig nutzbares und umfassendes Betreuungsangebot für unsere Kinder» dem Gemeinderat übergeben. Die Einwohnerkontrolle wird nun die Unterschriften auf ihre Rechts-gültigkeit hin überprüfen. Falls die Initiative von mindestens 1257 Wettinger Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern (10 Prozent der Stimmberechtigten) unterschrieben wurde, erklärt der Gemeinderat die Initiative als zustande gekommen. Danach muss er zum Inhalt Stellung beziehen und sie dem Einwohnerrat zur Umsetzung, Ablehnung oder in einem Gegenvorschlag vorlegen.
Der Einwohnerrat wird voraussichtlich an seiner Mai-Sitzungdarüber Beschluss fassen. Lehnt der Rat die Initiative ab, muss der Souverän über die Initiative befinden. In diesem Fall würde die Volksabstimmung voraussichtlich im September durchgeführt.
Die Initiative möchte, dass Eltern ihre Kinder in Wettingen ausserschulisch betreuen lassen können. Die Initianten schätzen das Angebot mit Blockzeiten und Mittagstisch als zu ungenügend ein. Sie fordern Betreuungsangebote am frühen Morgen, über Mittag, durchgehend an allen Nachmittagen und während acht Schulferienwochen. «Das jetzige Angebot entspricht nicht dem Bedarf und der Nachfrage», sagt Patrick Neuenschwander, Mitglied des Initiativkomitees. Er kritisiert, dass die Betreuung an schulfreien Nachmittagen nicht möglich ist. «Das ist besonders für Familien mit mehreren Kindern, die nicht an denselben Nachmittagen schulfrei haben, schwierig.»
Der Einwohnerrat hat sich bereits im November des letzten Jahres mit dieser Thematik auseinandergesetzt. Die Anliegen lagen ihm damals in ähnlicher Form als Motion von Marianne Rüegg vor. Rüegg ist Präsidentin des Vereins Tagesstrukturen Wettingen, der im Auftrag der Gemeinde die Mittagstische und Randstundenbetreuung durchgeführt hat. Der Rat hat ihre Motion abgelehnt, worauf der Verein Tagesstrukturen seine Leistungsvereinbarung mit der Gemeinde per Ende dieses Schuljahres gekündigt hat. Die Gemeinde sucht nun einen neuen Organisator. Zusammen mit Patrick Neuenschwander und Leo Scherer hat die Motionärin daraufhin ein überparteiliches Komitee gegründet, das am Donnerstag die Initiative Vizeammann Heiner Studer übergeben hat.
Obwohl der Einwohnerrat diese Motion von Rüegg im November abgelehnt hat, hofft Neuenschwander, dass die Initiative im Einwohnerrat jetzt auf Unterstützung stösst. «Es wurden in der Zwischenzeit innerhalb des Einwohnerrates Gespräche geführt, die diese Hoffnung aufkommen lassen», so Neuenschwander. Im Januar wurde beispielsweise ein Postulat zum Thema «Einführung von zielgerichteten Fremdbetreuungsformen für ein familienfreundliches Wettingen» von der CVP-Fraktion eingereicht.
Den Zeitrahmen – die Lancierung war auf Sommer 2012 geplant – bezeichnet er mittlerweile selber als «sehr ehrgeizig»: «Kommt die Initiative vors Volk, ist der Zeitplan sicher nicht realistisch. Ich hoffe, dass sich der Gemeinderat nicht zu viel Zeit lässt, um das Thema zu präsentieren.»


