50 Jahre HPS: «Wir wollen uns zeigen»
Die Heilpädagogische Schule Wettingen feiert ihr 50-Jahr-Jubiläum und weiss, wie man feiert und geniesst.

«Wir wollen in diesem Jahr das Feiern und das Geniessen vertiefen», sagt Schulleiterin Margrit Wahrstätter. Das ist auch der Grund, warum die HPS in diesem Jahr nicht explizit etwas herstellt oder produziert, sondern es sich einfach gut gehen lässt: Das ganze Schuljahr hindurch wird es vier Drum Circles – Veranstaltungen mit Trommeln, geleitet von Ma-thias Schiesser – geben. «Der Freude mit Trommeln Ausdruck geben – so stellen wir uns das vor», sagt Wahrstätter. Weiter steht ein Abend mit Linard Bardill am 8. November auf dem Festprogramm, der ein Konzert geben und über seine Erfahrungen als Vater eines Kindes mit einer Behinderung sprechen wird. Im Kino Odeon wird eine Filmreihe zum Thema «Behinderung» gezeigt, beginnend am 27. August mit dem Film «Ursula – Leben in Anderswo», in Anwesenheit des Regisseurs Rolf Lyssy. Ein Stand am Badener Adventsmarkt im Dezember, ein Tag der offenen Tür sowie die Teilnahme am Jugendfest im kommenden Juni schliessen das Schuljahr ab und sollen ausserdem mithelfen, die Berührungsängste zwischen Bevölkerung und HPS-Schülern weiter zu dezimieren. «Man soll uns sehen», sagt Margrit Wahrstätter deutlich: «Wir wollen, dass die Bevölkerung uns noch besser wahrnimmt. Wir wollen uns zeigen in diesem Jubiläumsjahr.»
Die Schulleiterin staunt heute über die Entwicklung der HPS: «Erst vor 50 Jahren hat man gesagt: ‹Es braucht eine solche Institution›.» Vorher waren Menschen mit Behinderung in Heimen oder zu Hause bei ihren Familien untergebracht. In die Zeit der Gründung der HPS fiel auch die Gründung der Invalidenrente und AHV. Die erste Klasse der HPS – der ersten öffentlichen Schule für Menschen mit Behinderung – war im Verwaltungsgebäude des Elektrizitäts- und Wasserwerks (EW) untergebracht und war auf Initiative der Elternvereinigung (heute «insieme») gegründet worden. Sobald das Angebot da war, sind Schule und Bedarf gewachsen –- bis heute. Das Einzugsgebiet der HPS umfasst die ganze Region Baden. Vergrössern will man die HPS am jetzigen Standort an der Staffelstrasse 91 aber nicht, obwohl die derzeit 117 Schüler, die sich auf 17 Klassen und 80 Mitarbeitende – davon 40 Lehrpersonen – verteilen, eher die obere Grenze der Kapazität darstellen. Dafür ist in Othmarsingen eine weitere Schule geplant.
Nach dem Schulbetrieb wurde der Bedarf einer Ausbildungsstufe deutlich. Und im Anschluss an diese kam die Frage auf, wo die Menschen arbeiten können. Aus diesen Überlegungen entstand die arwo-Werkstatt, die intensiv mit der HPS zusammenarbeitet.
Seit 2008 wird die HPS nicht mehr über die IV, sondern vom Kanton finanziert, wie jede andere öffentliche Schule auch. So zahlen die Gemeinden für die Schüler ein reguläres Schulgeld. Der Mehrbedarf an Lehrern, Transport, Tagesstrukturen usw. übernimmt der Kanton, mit dem eine Leistungsvereinbarung besteht.
Die ganze spannende Entwicklungsgeschichte der HPS hat der ehemalige Schulpflegepräsident Franz Hart in der Festschrift aufgearbeitet, die Ende August erscheint.


